Klarer Sieg für Katharina Hemmer und Denoix im Grand Prix Special von Lier
Hemmer und Denoix in eigener Liga
Katharina Hemmer und Denoix bei den Europameisterschaften 2025 in Crozet, wo sie Bundestrainerin Monica Theodorescu mit ihrem Grand Prix Special einen ihrer "Pferdemomente des Jahres" bescherten. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Die Daumen von Bundestrainerin Monica Theodorescu und Hubertus Schmidt als Katharina Hemmers Ausbilder und Mentor gingen nach oben, als die Mannschaftseuropameisterin ihrem Denoix nach der zweiten Grußaufstellung des Grand Prix Special von Lier dankbar den Hals klopfte. „Purzel“ hatte einmal mehr alles gegeben.
Den beiden gelang eine fehlerfreie Runde, in der insbesondere die herrlich fließende Linksatraversale, die locker nach vorne oben durchgesprungenen Serienwechsel, vor allem aber das Gesamtbild eines zufriedenen, durchlässigen Pferdes überzeugten. Luft nach oben war heute noch in den Piaffen, die man von dem Wallach schon noch klarer am Platz ausgeführt gesehen hat und in denen er auch hinter die Senkrechte kippte. In der Linkspirouette sah es fast so aus, als wollte Katharina Hemmer zur Zick-Zack-Traversale ansetzen, statt zur Pirouette. Sie konnte das korrigieren, aber die Pirouette fiel groß aus.
Die Richter gaben den beiden 75,596 Prozent. Alle hatten sie auf Rang eins, allerdings mit recht unterschiedlichen Bewertungen von 72,872 Prozent bei der Niederländerin Francis Verbeek-Van Rooij bei C bis 77,447 Prozent von Maria Colliander (FIN) bei B.
Valencia topfit
Fabienne Müller-Lütkemeier hatte ihre nun 15-jährige Vitalis-Tochter Valencia AS in 2025 nur sehr dosiert bei fünf CDIs eingesetzt, zuletzt der Weltcup-Etappe in Stuttgart. Bereits gestern im Grand Prix zeigte die Fuchsstute, dass sie gut durch den Winter gekommen ist. Heute im Special setzte sie noch einen drauf. Die Aufgabe mit den vielen Passage-Reprisen ist wie für sie gemacht. Hier kommt ihr akzentuierter Bewegungsablauf voll zur Geltung, da kann sie punkten und das gelang ihr heute auch.
Es war eine insgesamt sehr konzentrierte Vorstellung des Paares aus Paderborn, die mit 70,298 Prozent belohnt wurde. Der einzige technische Fehler passierte bei der Einleitung der Einerwechsel, als Valencia einen nicht vorgesehenen Hüpfer mit beiden Hinterbeinen einbaute, danach allerdings die Einer sprang, als sei nichts gewesen. Insgesamt hätte man sich in der Galopptour das Genick sicherer als höchsten Punkt gewünscht.
Platz drei für Lisa Müller und Zonik Hit
Über Platz drei konnte sich Lisa Müller mit ihrem 13-jährigen Oldenburger Wallach Zonik Hit freuen. Müller hatte den Zonik-Sohn nach den Europameisterschaften in Riesenbeck 2023 übernommen, wo der Rappe sein Championatsdebüt mit seinem Ausbilder João Pedro Moreira für Portugal gegeben hatte. Seither hatten sie schon einige Turnierauftritte, Lier war aber auch für sie der erste CDI Einsatz seit Stuttgart.
Sie zeigten eine sichere Prüfung, die zunächst in der Trabtour von gutem Gleichmaß geprägt war. Bis zur zweiten Passage-Reprise F-A-K auf der rechten Hand, wo der Wallach plötzlich hinten rechts deutlich weiter vorfußte als hinten links. Er fing sich dann allerdings wieder. Die Piaffen wirkten etwas matt, der Schritt gebunden. Aber in der Galopptour punkteten die beiden mit schönen Serienwechseln und Pirouetten. Insgesamt hätte man sich weniger Kandaren- und mehr Trensenzügel gewünscht. 69,787 Prozent vergaben die Richter.
Der Musterschüler
Damit hatten die Müller und Zonik Hit genau einen Punkt mehr als die Louisdor-Preis Sieger von 2024, Carina Harnisch und Sheldon Cooper. Der imposante Sezuan-Sohn zog auf der ersten Diagonale im starken Trab nicht ganz gleichmäßig durch, präsentierte sich aber wunderbar stabil in der Anlehnung und im Seitenbild und zeigte zum Beispiel sehr schöne Traversalen und sicher und präzise ausgeführte Übergänge zwischen den akzentuierten und fleißigen Passagen und guten Verstärkungen, die nun auch wieder regelmäßig waren. Auch die Piaffen gelangen gut.
Dann hätte der elfjährige Wallach angaloppieren sollen, schien kurz aus dem Konzept und machte einen Satz zur Seite. Carina Harnisch hatte die Lage aber rasch wieder im Griff und die beiden zeigten lässige, schnurgerade Serienwechsel mit minimalem Hilfenaufwand und dabei ganz stabil in der Anlehnung. In den beiden Pirouetten verlor der Wallach jeweils einmal kurz die Balance, rettete sich einmal nach vorne und einmal durch kurzes verharren. Aber alles in allem war das einmal mehr eine sehr schöne Runde, bei der die Skala der Ausbildung zum Tragen kam. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Richter vergaben 69,745 Prozent – was einem trotz der Fehler wenig vorkommt im Vergleich. Tatsächlich reichten die Platzziffern der Richter auch von 2 (Frederico Pinteus bei H/70,851 und Christine Prip bei M/71,489) bis 7 (Maria Colliander bei B, 68,723).
Zweimal Münster
Über Platz fünf konnten sich Annabel Balkenhol und ihr Hohenstein-Sohn High Five freuen. Der 15-jährige Wallach, der im Holsteiner Springstall der Familie Ahlmann aus der einzigen dort vorhandenen Dressurstute gezogen worden war, überzeugte einmal mehr durch seine solide Grundausbildung, mit der er vor allem in der Galopptour ordentlich punktet. Ein teurer Fehler in den Einerwechseln und ein Missverständnis bei der Einleitung der ersten Piaffe – die ansonsten sehr schön gelangen – bedeuteten heute ein Endergebnis von 69,447 Prozent.
Das zweite Paar aus Münster waren Ingrid Klimke und Vayron. Die beiden begannen mit einer starken Trabtour, in der der Notentrend Richtung 76 Prozent ging. Auch der Schritt war gut. Ausgerechnet genau in der Einleitung zur ersten Piaffe musste Vayron misten. In der Galopptour lief alles gut bis zum starken Galopp. In der Rückführung sperrte der Vitalis-Sohn plötzlich deutlich und mochte gar nicht mehr an die Hand heranziehen. Zunge hochgezogen? Zunge über dem Gebiss? Jedenfalls verkroch Vayron sich im weiteren Verlauf hinter dem Zügel. Es kam zu Problemen und schließlich zu einer Endnote von 68,659 Prozent, womit die beiden „einen raus“ aus der Platzierung waren.
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