Carina Cassøe Krüth und Heiline's Danciera haben den Grand Prix in Göteborg gewonnen
Heiline’s Danciera siegreich zurück im Viereck
Carina Cassøe Krüth und Heiline's Danciera, Sieger im Grand Prix von Göteborg. Foto: Kim C. Lundin Seit sieben Jahren sind Carina Cassøe Krüth und die 15-jährige Fürstenball-Tochter Heiline’s Danciera im internationalen Grand Prix Sport unterwegs. 2021 vertraten sie ihre Heimat Dänemark bei den Olympischen Spielen in Tokio. 2022 gehörten sie zum siegreichen WM Team und im Jahr darauf zur Mannschaft, die Bronze bei den Europameisterschaften in Riesenbeck gewann. Das nächste große Ziel hätten die Olympischen Spiele in Paris sein sollen. Doch nachdem Videosequenzen auftauchten, auf denen zu sehen war, wie Cassøe Krüth die Stute mit der Gerte malträtiert und ihr Trainer Andreas Helgstrand sie auffordert, „ihr jetzt richtig eine zu geben“, wurde Cassøe Krüth vom Verband gesperrt und Andreas Helgstrands Sperre verlängert. Somit war Rotterdam das letzte Turnier 2024 des Paares.
Ihr Comeback wollten sie 2025 in Aachen geben. Doch die Aachener verweigerten ihr die Starterlaubnis. Diese Entscheidung basiere zum einen der eigenen Haltung und den eigenen Werten in Sachen Pferdewohl und zum anderen auf sportlichen Erwägungen. Schließlich war das Paar in 2025 vorher noch kein einziges Turnier gegangen. Also kein Aachen-Start.
Stattdessen suchte sich Cassøe Krüth im Herbst zwei Weltcup-Turniere heraus, war Mitte September zweimal Zweite in Grand Prix und Kür in Polen und jeweils Vierte in beiden Aufgaben im Oktober in Herning.
Seither haben die beiden kein Turnier mehr bestritten, diesmal nicht wegen der Sperre und ihrer Folgen, sondern weil Carina Cassøe Krüth ein Kind bekommen hat, eine kleine Tochter.
Quasi-Comeback in Göteborg
Tilde, so der Name der Kleinen, war heute auf dem Arm ihres Vaters Zeugin, wie ihre Mutter ihren ersten Turnierauftritt des Jahres in einen Sieg ummünzte. Ihrer Stute hat die Pause jedenfalls gut getan. Sie präsentierte sich deutlich frischer und motivierter, als man es zuletzt von ihr gesehen hat. In der Trabtour war sie sehr schön in der Anlehnung, im Galopp kam sie bisweilen etwas hinter die treibenden Hilfen. Zu den Highlights der Aufgabe zählten die Schritttour – insbesondere auch der versammelte Schritt –, die bombensicheren Serienwechsel und auch die Verstärkungen im Trab. Während die Rappstute taktsicher und aktiv passagierte, waren die Piaffen problematisch. Die Stute stützte vorne, hob hinten die Beine nur an, statt vom Boden wegzufedern. Das hatte mit der klassischen Ausführung der Lektion, wie sie gewünscht ist, nicht viel zu tun. Abgesehen davon war es eine ansprechende Vorstellung, vor allem weil die Stute motiviert wirkte, wie lange nicht mehr.
Mit 74,044 Prozent gewannen Carina Cassøe Krüth und Danciera den Grand Prix von Göteborg und in der Siegerehrung kämpfte die Mannschaftsweltmeisterin mit den Tränen. Vor der Prüfung hatte sie noch gesagt, sie hoffe auf ein Ergebnis unter den besten vier. Was letztendlich rauskam, hat ihre Erwartungen deutlich übertroffen. „Ich hatte Spaß und ich glaube, Danciera auch. Sie war heute wirklich bei mir in der Aufgabe“, so die 41-Jährige.
Platz zwei und drei nach Schweden
In den vorherigen Jahren war Patrik Kittel im Februar stets nach Doha gereist und hatte dadurch das Weltcup-Turnier in seiner schwedischen Heimat verpasst. Diesmal wollte er dabei sein. Auch wenn er die Entscheidung am frühen Morgen kurz bereut hat. “ Als ich aus dem Hotel kam, waren es -15 Grad. Da dachte ich, vielleicht wäre es doch besser gewesen, sich wieder für die Wärme zu entscheiden.“ Aber der warme Empfang der Zuschauer habe ihn dafür entschädigt. „Als ich ins Viereck kam und dieses tolle Publikum sah, wurde mir klar: Das Scandianavium ist immer noch das Scandinavium.“
Kalt fand es wohl auch Kittels vierbeiniger Partner Touchdown, seine derzeitige Nummer eins im Stall. Mit dem 14-jährigen Quaterback-Sohn Touchdown, der wie er selbst ein Schwede ist, hatte Kittel 2024 das Weltcup-Finale in Riad gewann. Heute wurden sie mit 73,565 Prozent Zweite, dicht gefolgt von Kittels Landsfrau Maria von Essen auf ihrem Jazz-Sohn Invoice (73,544).
Im Vorfeld waren Kittel und Touchdown als Favoriten auf den Sieg gehandelt worden. Enttäuscht war Kittel dennoch nicht. „Ich reite und die Richter richten. Es hat großen Spaß gemacht, zu reiten. Touchdown fühlte sich super an, aber er war wohl etwas unsicher, ob Dressur oder Hockey gefragt ist und wurde in den Wendungen in der Abreitehalle etwas schnell. Er war ziemlich heiß.“ Dadurch hätten Kleinigkeiten nicht ganz so geklappt, wie sie eigentlich sollten.
Zu Erläuterung: Das Scandinavium ist eigentlich eine Eishockeyhalle und insbesondere in der Abreitehalle spürt man das auch buchstäblich bis in die Zehen.
Keine Deutschen in Göteborg
Göteborg zählt zu den traditionsreichsten Weltcup-Gastgebern in Europa. Doch in der Dressur ist auch dieses Jahr kein deutsches Paar vertreten. Überhaupt ist die Besetzung mit gerade mal neun Paaren sehr dünn. Ob es nun am Termin liegt oder daran, dass das allgemeine Interesse, für das Weltcup-Finale die weite Reise nach Texas aufzunehmen, gering zu sein scheint, ist unklar.
Fest steht, Raphael Netz wird in Fort Worth die deutschen Fahnen hoch halten. Das hat er in Neumünster noch einmal bekräftigt. Und er braucht kein Turnier mehr um Punkte zu sammeln.
Moritz Treffinger hat auch sehr gute Chancen, gleich in seiner ersten Weltcup-Saison unter die Top neun der Westeuropa-Liga zu kommen und beim Finale dabei zu sein. Beide, Netz und Treffinger, gehen im März noch einmal in ’s-Hertogenbosch bei der letzten Etappe an den Start.
Die Grand Prix Kür steht am Samstag um 16 Uhr in der Zeiteinteilung. Alle Ergebnisse aus Göteborg finden Sie hier.