Justin Verboomen (BEL) und Djembe de Hus siegen im Weltcup Grand Prix von Neumünster 2026

Harmonie? Das schreibt man vorne mit J!

Dressur
Justin Verboomen (BEL) und Djembe de Hus siegten im Weltcup Grand Prix von Neumünster 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de Justin Verboomen (BEL) und Djembe de Hus siegten im Weltcup Grand Prix von Neumünster 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Mit deutlichem Abstand hat der Belgier Justin Verboomen den Welt Cup Grand Prix in Neumünster gewonnen. Auf dem Fuchs Djembe de Hus zeigte er, wie man sich feines Reiten vorstellt. Den belgischen Doppelsieg machte Larissa Pauluis perfekt. Sie, wie auch der beste Deutsche, Raphael Netz auf Platz drei, feierten persönliche Bestleistungen.

Justin Verboomen, die Nummer eins der Welt, hat beim Weltcup Grand Prix in Neumünster gezeigt, wie Dressur heutzutage aussehen soll. Mit dem Oldenburger Djembe de Hus erzielte der Belgier 76,826 Prozent. Was die Zuschauer bei den VR Classics in der Holstenhalle in Neumünster zu sehen bekamen war – nichts! Keine oder kaum sichtbare Hilfen, keine Zeichen von Unzufriedenheit, Pferd und Reiter im Einklang. Verboomen verstand es dabei, seine dosierte Hilfengebung entsprechend dem Zustand seines Pferdes einzusetzen. Der erste starke Trab war noch eher zögerlich, vielleicht, so der Eindruck, war der Damon Hill-Sohn noch nichts ganz angekommen in der Arena von Neumünster. Die ist bei Dressurreiterinnen und -reitern berüchtigt. Das, was das Publikum liebt, dass man ganz nah dran ist am Geschehen, kann manchmal die vierbeinigen Athleten zum Luftanhalten veranlassen.


Verboomen unangefochten zum Sieg in Weltcup Grand Prix Neumünster


Highlights bot das Paar viele. Geschmeidige Traversalen, Piaffen mit schwingendem Rücken, ausdrucksstarke Passage, fließende Übergänge. Plus einen starken Schritt, der vielleicht kein Übermaß an Übertritt hatte, dafür aber eine klare Rahmenerweiterung und Schreiten aus der Schulter heraus. Bemerkenswert auch der Übergang zum versammelten Schritt. Beinahe unmerklich veränderte der Belgier seine Oberkörperposition und Djembe de Hus nahm sich auf, zeigte einen taktsicheren versammelten Schritt. Das Anpassagieren aus dieser konzentrierten, ruhigen Phase der Aufgabe in die Passage dann gleich wieder mit Energie und Schmelz.


Geschickt präsentiert


Als sein Schöpfer den Galopp verteilt hat, hat Dejmbe de Hus sich nicht gerade in die erste Reihe gedrängelt. Aber sein 38-jähriger Reiter macht auch daraus eine Tugend. Etwa mit auf kleinstem Raum um das innere Hinterbein gesprungenen Pirouetten und sicheren fliegenden Galoppwechseln.


Will man einen absoluten Höhepunkt definieren, dann ist es keine einzelne Lektion, sondern die Verbindung zum Pferdemaul, mit der Justin Verboomen heute im Weltcup Grand Prix von Neumünster unterwegs war: Wie er aus tiefem Sitz die Hand im starken Trab noch einmal unmerklich nach vorne schiebt und Djembe de Hus im Hals länger wird – das ist so, wie in den Lehrbüchern steht. Etwas, das man aber in der Realität selten so zu Gesicht bekommt. Vier Neunen standen im Protokoll (76,826 Prozent).


Morgendliches Trainung von Justin Verboomen (BEL) und Djembe de Hus. Foto: EQUI PAGES
Morgendliches Trainung von Justin Verboomen (BEL) und Djembe de Hus. Foto: EQUI PAGES

Übrigens werden Siege bekanntlich zuhause, bzw. im Training erarbeitet. Wer Verboomen beim morgendlichen Training in der Holstenhalle gesehen hat, der weiß, dass Ausbildungsikone Paul Stecken recht hatte: „Richtig reiten reicht“.


Pauluis fast perfekt


43-mal zückten die Richterinnen und Richter Noten von 8,0 und besser für die Vorstellung von Larissa Pauluis. Im Sattel des championatserfahrenen Niederländers Flambeau überzeugte die Belgierin, die in Kürze ihren 46. Geburtstag feiert. Der Ampere-Sohn piaffierte und passagierte wie ein Metronom. Das Paar liegt derzeit an Platz zwei in der Westeuropa-Liga für den Weltcup 2026. Das Finale findet im texanischen Fort Worth (USA) im April statt. Mit 74,196 Prozent erzielte die Kombination aus Belgien eine persönliche Bestleistung im Grand Prix.


Platz drei für „Raphie“


Der derzeit in der Westeuropa-Liga Führende ist Raphael Netz. Mit Great Escape Camelot gelang auch ihm eine persönliche Bestleistung im Weltcup Grand Prix von Neumünster. 73,587 Prozent, Platz drei, hat das Paar bislang noch nicht erreicht. Hohe Bewertungen gab es für die weit kreuzenden Trabtraversalen und die ausbalancierten Galopppirouetten. Abzüge musste die Kombination in der Schritttour hinnehmen. Die vorne stützenden Piaffen gelangen zumeist klar am Punkt und wurden durchgängig im Siebener-Bereich bewertet. Punkten konnte der braune Holländer mit dem elektrischen Hinterbein vor allem in der klar abgesetzten Passage.


Persönliche Bestleistung im Weltcup Grand Prix von Neumünster 2026: Raphael Netz und Great Escape Camelot. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Persönliche Bestleistung im Weltcup Grand Prix von Neumünster 2026: Raphael Netz und Great Escape Camelot. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Nicht immer ganz gleichmäßig, was die Fußung im Hinterbein anbelangt, ging der Oldenburger Fürst Kennedy unter dem Portugiesen João Pedro Moreira. Er punktete in der Galopptour und wurde mit 71,565 Prozent Vierter. Knapp dahinter landete Moritz Treffinger mit Fiderdance. Treffinger stellte den Fuchshengst geschickt vor, immer gefühlvoll bemüht, dem „stolzen“ Hengst noch etwas mehr Länge im Hals anzubieten. Ein Fehler in den Zick-Zack-Traversalen verhinderte eine noch bessere Platzierung (71,37/5.).


Drei weitere Deutsche am Start


Auf ihn folgten Ingrid Klimke und die Fürstenball-Tochter First Class (71,0).  Sechster wurde der Fuchs Gio, einst, in der Hochphase der Charlotte Dujardin-Euphorie, Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen von Tokio. Mit der mitunter deutlich mit den Sporen einwirkenden Britin Annabella Pidgley landete der Wallach auf Rang sieben (70,696). Der Fuchs stützte in den Piaffen, die er aber lebhaft und ziemlich präzise auf der Stelle zeigte. Die exakt selbe Punktzahl lieferten auch das dritte Paar aus Belgien, Alexa Fairchild und der hochbeinige Wallach Fairplay.


Laura Strobel und Sister’s Act gaben ihr Weltcup-Debüt. Nach einem sicheren Auftakt schlichen sich vor allem in der Galopptour mehrere kleinere, aber teure Fehler ein (68,826 Prozent/11.).


Pech in der Arena


Noch größeres Pech hatte Juliane Brunkhorst. Gestern hatte sie im nationalen Grand Prix noch den vielversprechenden Diamante Negro zum Sieg geritten, heute hörte sie die Glocke der Chefrichterin Elke Ebert. Ihr Pferd Fürst Enno stieg in einer Piaffe aus. Die Entscheidung basierte auf Artikel 424.5.2. des Dressurreglements des Weltreiterverbandes (FEI). Dort heißt es: „Any resistance in the Field of Play which prevents the continuation of the test longer than twenty (20) seconds is punished by Elimination“. Tatsächlich waren es nur ca. acht Sekunden nach dem ersten deutlichen Widerstand, bis die Glocke zu vernehmen war. Aber der Widerstand war deutlich. Mehrfach hatte der Fuchs zum Steigen angesetzt, was seine Reiterin mit einer bemerkenswerten Ruhe zu korrigieren versuchte. Nach dem Abläuten ließ sie den Fuchs dann noch einmal an anderer Stelle kurz antreten.


Ergebnisse vom Weltcup Grand Prix von Neumünster 2026


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