Grand Prix CDI3* Tolbert

Grand Prix an Therese Nilshagen mit Zukunftspferd, vielversprechende Auftritte deutscher Youngster

Dressur
Therese Nilshagen, hier mit Dante Weltino bei der EM 2023 in Riesenbeck. Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de Therese Nilshagen, hier mit Dante Weltino bei der EM 2023 in Riesenbeck. Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de
Nach einem Grand Prix-Marathon beim CDI3* Tolbert mit 35 Startern stand die schwedische Olympiareiterin Therese Nilshagen als Siegerin fest – mit einem vielversprechenden Nachwuchspferd.

Vielleicht hat Therese Nilshagen in dem zehnjährigen Navarro einen Nachfolger für ihren langjährigen Erfolgspartner Dante Weltino gefunden. Der war in seiner Qualität sicherlich herausragend, aber auch Navarro hatte heute in Tolbert einige Momente, die aufmerken lassen.


Der Rappe ist ein typischer Nachkomme seines Vaters Negro – wuchtig in der Erscheinung, aber leichtfüßig und elastisch in der Bewegung. Therese Nilshagen präsentierte den Hannoveraner Hengst überwiegend losgelassen, mit sicherer Anlehnung, reell versammelt, durchlässig und mit Höhepunkten zum Beispiel in den Passagen und Pirouetten. Auf Dauer muss sie noch am Fluss in den Traversalen und überhaupt der Längsbiegung arbeiten. Auch in den Piaffen muss sie den Hengst zum Teil noch recht deutlich unterstützen, aber die Ansätze sind da.


72,935 Prozent sind das mit Abstand beste Ergebnis, welches das Paar bislang erzielen konnte.


Eingespieltes Duo auf Rang zwei


Ein Paar, das schon deutlich länger gemeinsam im Viereck unterwegs ist, als die Sieger sind die Dänin Karoline Rohmann und ihr 17-jähriger Don Romantic-Sohn Jakas Don Louvre. Ihren ersten internationalen Auftritt hatten die beiden vor bald zehn Jahren bei den Junioren. Viermal vertraten sie ihre Heimat bei Nachwuchseuropameisterschaften, einmal bei dem Jungen Reitern, dreimal im U25-Lager. Dabei gewannen Mannschaftsbronze im U21-Lager und anschließend dreimal Silber mit dem Team.


Seit einem Jahr sind sie nun regelmäßig im „richtigen“ Grand Prix-Sport unterwegs (vorher nur vereinzelt), aber noch nie konnten sie im Grand Prix de Dressage die 70 Prozent knacken. Bis heute. Mit 70,282 Prozent nach einem Auftritt, dem man die Routine und Vertrautheit der beiden miteinander anmerkte, konnten sie sich über ein Personal Best und Rang zwei freuen.


Schön vorgestelltes Nachwuchspferd Nr. 1 …


Eröffnet wurde die Prüfung von Juliane Brunkhorst und ihrem zehnjährigen Louisdor-Preis Finalist von 2025, DSP Diamante Negro. Bis zum letzten Viertel des Starterfeldes sah es so aus, als würde heute keiner mehr vorbeikommen an den 68,913 Prozent des DeLorean-Sohns. Doch dann folgten kurz hintereinander die beiden oben genannten Paare und sie wurden Dritte. Juliane Brunkhorst dürfte trotzdem zufrieden gewesen sein mit dem Auftritt ihrer großen Nachwuchshoffnung. Und die auch mit ihr.


Den beiden zuzuschauen, macht einfach Spaß. Da ist nichts forciert, nichts gequetscht und gezogen. Stattdessen führt Brunkhorst den elastischen Dunkelbraunen mit Gefühl durch die Aufgabe und hilft ihm über haarige Momente wie die zweite Piaffe, in der er seinen diagonalen Takt nicht recht zu finden schien, geschickt hinweg. Dabei können die Piaffen des Wallachs eines Tages ein echtes Highlight werden, so taktsicher, elastisch, aktiv und mit deutlicher Hankenbeugung, wie er sie zum Teil jetzt schon zeigt. Derzeit sind sie noch sehr im Vorwärts angelegt und auch die Passagen wünscht man sich auf Dauer geschlossener. Schön, dass Brunkhorst ihm offenbar die Zeit lassen will, bis er selbst die Kraft dazu hat, statt es über die Einwirkung erzwingen zu wollen.


… und Nr. 2


Alles im Werden ist auch noch bei dem Paar auf Rang vier (68,630), Charlott-Maria Schürmann und ihrer Oldenburger Stute Dante’s Pearl v. Dante Weltino. Die Rappstute hat so ziemlich alles in die Wiege gelegt bekommen, was ein großartiges Dressurpferd braucht und Schürmann bringt sie dank einer soliden Grundausbildung und gefühlvollen Vorstellung zum Strahlen. Zumindest phasenweise. Denn wenn man ein fein eingestelltes Pferd hat und nicht mit Handbremse unterwegs ist, passieren manchmal Missverständnisse.


Zweimal sprang die Stute im versammelten Trab kurz an. In den eigentlich wunderbar fließenden und geschmeidigen Traversalen machte sie sich nach rechts kurz fest. In der zweiten Piaffe verlor sie den Takt. In den Passagen zeigte sie zwischendurch Spannungstritte.


Highlight waren dann wieder die locker nach vorne durchgesprungenen Serienwechsel und besonders die ausbalancierten Pirouetten auf kleinem Kreis.


Fazit: viele richtig tolle Momente, aber auch noch ganz viel Luft nach oben – aber es war ja auch erst der zweite CDI3* Auftritt für die beiden.


Alle Ergebnisse aus Tolbert finden Sie hier.


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