Charlotte Fry und Glamourdale gewinnen Dressur Weltcup in London

Fry und Glamourdale die Überflieger des Londoner Weltcups

Dressur
Klare Sieger der Weltcup-Etappe von London: Charlotte Fry und Glamourdale. Foto: FEI/Jon Stroud Klare Sieger der Weltcup-Etappe von London: Charlotte Fry und Glamourdale. Foto: FEI/Jon Stroud
Dass Glamourdale zu reiten wie fliegen ist, hatte Charlotte Fry schon berichtet, als der Hengst 2018 Weltmeister der jungen Dressurpferde wurde. Nun ist Fliegen das große Oberthema der Kür der beiden, mit der sie die Weltcup-Etappe in London gerockt haben.

Für Charlotte Frys „Glamourdale Airlines“ Kür hat der niederländische Kompositeur Joost Peters vermutlich alle Popsongs zusammengesucht, die das Thema Fliegen aufgreifen. Glamourdale tat wie ihm geheißen bei der Weltcup-Etappe in London. Für ihn war dies das erste Turnier seit den Europameisterschaften in Crozet, wo sich der Weltmeister von 2022 vollkommen unter Form präsentiert hatte. Beim Heimspiel seiner Reiterin in der britischen Hauptstadt war er wieder mehr er selbst – mit seiner fantastischen Galopptour, tollen Trabverstärkungen und Traversalen. Auch in den Piaffen zeigte er sich stark verbessert. In den Passagen fußt er kraftvoll im Takt ab, zeigte aber durch ein unnatürlich zurückschlenkerndes Vorderbein, dass in Sachen Losgelassenheit noch Luft nach oben ist. Viel besser als in Crozet war die Anlehnung. Das Publikum feierte den Auftritt der beiden, der mit 89,170 Prozent bewertet wurde.


 


Becky Moody und Jagerbomb tanzten in London ausnahmsweise nicht zu den Beatles, sondern unter anderem zu Whams "Last Christmas". Foto: FEI/Jon Stroud
Becky Moody und Jagerbomb tanzten in London ausnahmsweise nicht zu den Beatles, sondern unter anderem zu Whams „Last Christmas“. Foto: FEI/Jon Stroud

Becky Moody in Weihnachtsstimmung


Im Grand Prix wirkte Becky Moodys so im besten Sinne reeller Dante Weltino-Sohn Jagerbomb ungewöhnlich matt. In der Kür war er wieder eifriger bei der Sache. Vielleicht lag es an der beschwingten Weihnachtsmusik, die seine Reiterin statt ihrer üblichen Beatles-Kür für den Weltcup-Auftritt kurz vor Christmas Eve ausgewählt hatte. Jedenfalls präsentierten die beiden eine fehlerfreie ansprechende Kür, die mit 86,410 und Platz zwei belohnt wurde.


Total Hope auf Rang drei


Einen der größten Erfolge ihrer Karriere verbuchte die in Deutschland ansässige Norwegerin Isabel Freese im Frühjahr 2025, als sie mit dem 13-jährigen Totilas-Sohn Total Hope in Basel Rang drei im Weltcup-Finale belegte. Auch in London wurde es Platz drei für den Rappen, der nicht nur einen berühmten Vater, sondern mit Weihegold auch eine berühmte Mutter hat. Es wären sicher mehr als 81,695 Prozent geworden, wäre der Oldenburger Hengst nicht immer wieder deutlich hinter die Senkrechte gekommen. Besonders in der Trabtour hätte man sich das Hinterbein auch mehr unter den Schwerpunkt arbeitend gewünscht. Das war im Galopp deutlich besser, wo die beiden mit tollen Verstärkungen, Serienwechseln und Pirouetten punkten konnten.


Weitere Paare, die auffielen


Das Weltcup-Turnier in London fiel mit dem Frankfurt-Wochenende zusammen. Doch auch wenn die Mehrheit der Dressurenthusiasten sich auf die Nachwuchsstars in der Festhalle in Louisdor-Preis und Burg-Pokal konzentrierten, mit einem Auge wurde auch nach London geschielt. Das lag weniger an Charlotte Fry und Glamourdale, sondern vielmehr daran, dass die dreifache Olympiasiegerin Charlotte Dujardin hier ihr Weltcup-Debüt mit ihrer neuen Sporthoffnung Alive and Kicking gab.

Die elfjährige Westfalen-Stute v. All at Once hatte 2024 ihren ersten Grand Prix mit Dujardin absolviert. Doch nachdem diese für mehrere Monate gesperrt wurde, weil ein Video von ihr aufgetaucht war, wie sie im Rahmen eines Lehrgangs auf ein Pferd einprügelt, hatte Alive and Kicking („Audrey“) ebenfalls eine längere Turnierpause. In London präsentierte sie sich zum ersten Mal vor großem Publikum.

Das klappte im Grand Prix schon sehr gut. Da wurde sie mit teamverdächtigen 76,544 Prozent Zweite hinter Fry und Glamourdale (80,783). In der Kür schien die Stute zwischenzeitlich jedoch noch überfordert. Gleich zu Anfang war Piaffe-Pirouette gefragt, doch die Stute reagierte erst nach energischer Aufforderung. Das gleiche passierte in der letzten Piaffe. Dazwischen hatten die beiden gerade in dieser Lektion auch Höhepunkte. Zwar schob die Stute sich noch zu stark zusammen und wurde rückständig im Vorderbein, aber sie trat rhythmisch, aktiv und diagonal weiter. Auch die Pirouetten waren zentriert und gut ausbalanciert. Mit den Aussetzern wurden es diesmal 79,230 Prozent. Das bedeutete Rang fünf hinter Susan Pape und der Jazz-Tochter Harmony’s Giulilanta, die eine tolle Vorstellung lieferten, für die die Richter 79,805 Prozent vergaben.


Wie der Vater so der Sohn


Charlotte Frys Glamourdale war nicht allein aus den Niederlanden nach London gereist. Der Siegerhengst der KWPN-Körung 2014 hatte einen Sohn aus seinem ersten Fohlenjahrgang dabei, den zehnjährigen Hengst Kuvasz RS2, der seinem Vater optisch und im Bewegungsablauf auf fast schon absurde Weise ähnelt. Er wird von Marieke van der Putten geritten und hatte in Stuttgart seinen ersten Weltcup-Auftritt. Dort war er mit 78,765 Prozent Vierter gewesen. In London erhielt er 76,420 Prozent und wurde Siebter.


Oldie but Goldie


Ein vierbeiniger Evergreen ist der Oldenburger Sir Donnerhall II von Morgan Barbançon. Der Sandro Hit-Sohn ist inzwischen 19 Jahre alt. Ähnlich wie Alive and Kicking hatte er eine längere Turnierpause, weil seiner Reiterin vorgeworfen wurde, dass sie wiederholt für die obligatorischen unangekündigten Dopingkontrollen nicht zur Verfügung gestanden hätte. Sie erhielt deshalb eine dreimonatige Sperre vom französischen Verband. Dagegen legte sie Klage beim internationalen Sportgerichtshof (CAS) er. Der gab allerdings dem Verband Recht und verlängerte die Sperre um fünf Monate. So hatte Sir Donnerhall II seit dem Weltcup-Finale 2024 in Riad Turnierpause. London war der erste Weltcup-Auftritt seither, der mit 74,860 Prozent und Rang zehn beurteilt wurde. Mit seinen 19 Jahren hat Sir Donnerhall II seine Reiterin zu fünf Weltcup-Finals, zwei EMs, der Weltmeisterschaft 2022 sowie den Olympischen Spielen 2021 begleitet.


Die Backstreet Boys aus Werder


Das einzige deutsche Paar, das in London am Start war, waren die U25-Europameister Moritz Treffinger und sein Cadeau Noir vom Gestüt Bonhomme in Brandenburg. Für den elegant zu Pferde sitzenden Treffinger war es mit seinen 22 Jahren der dritte Weltcup-Auftritt seines Lebens. Nach ein technischen Fehlern ausgerechnet in ihrer Paradelektion, den Einerwechsel, erhielt das eingespielte Duo 75,395 Prozent für die Backstreet Boys-Kür und belegte damit Rang acht.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


 


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