Weitere Paare, die auffielen
Das Weltcup-Turnier in London fiel mit dem Frankfurt-Wochenende zusammen. Doch auch wenn die Mehrheit der Dressurenthusiasten sich auf die Nachwuchsstars in der Festhalle in Louisdor-Preis und Burg-Pokal konzentrierten, mit einem Auge wurde auch nach London geschielt. Das lag weniger an Charlotte Fry und Glamourdale, sondern vielmehr daran, dass die dreifache Olympiasiegerin Charlotte Dujardin hier ihr Weltcup-Debüt mit ihrer neuen Sporthoffnung Alive and Kicking gab.
Die elfjährige Westfalen-Stute v. All at Once hatte 2024 ihren ersten Grand Prix mit Dujardin absolviert. Doch nachdem diese für mehrere Monate gesperrt wurde, weil ein Video von ihr aufgetaucht war, wie sie im Rahmen eines Lehrgangs auf ein Pferd einprügelt, hatte Alive and Kicking („Audrey“) ebenfalls eine längere Turnierpause. In London präsentierte sie sich zum ersten Mal vor großem Publikum.
Das klappte im Grand Prix schon sehr gut. Da wurde sie mit teamverdächtigen 76,544 Prozent Zweite hinter Fry und Glamourdale (80,783). In der Kür schien die Stute zwischenzeitlich jedoch noch überfordert. Gleich zu Anfang war Piaffe-Pirouette gefragt, doch die Stute reagierte erst nach energischer Aufforderung. Das gleiche passierte in der letzten Piaffe. Dazwischen hatten die beiden gerade in dieser Lektion auch Höhepunkte. Zwar schob die Stute sich noch zu stark zusammen und wurde rückständig im Vorderbein, aber sie trat rhythmisch, aktiv und diagonal weiter. Auch die Pirouetten waren zentriert und gut ausbalanciert. Mit den Aussetzern wurden es diesmal 79,230 Prozent. Das bedeutete Rang fünf hinter Susan Pape und der Jazz-Tochter Harmony’s Giulilanta, die eine tolle Vorstellung lieferten, für die die Richter 79,805 Prozent vergaben.
Wie der Vater so der Sohn
Charlotte Frys Glamourdale war nicht allein aus den Niederlanden nach London gereist. Der Siegerhengst der KWPN-Körung 2014 hatte einen Sohn aus seinem ersten Fohlenjahrgang dabei, den zehnjährigen Hengst Kuvasz RS2, der seinem Vater optisch und im Bewegungsablauf auf fast schon absurde Weise ähnelt. Er wird von Marieke van der Putten geritten und hatte in Stuttgart seinen ersten Weltcup-Auftritt. Dort war er mit 78,765 Prozent Vierter gewesen. In London erhielt er 76,420 Prozent und wurde Siebter.
Oldie but Goldie
Ein vierbeiniger Evergreen ist der Oldenburger Sir Donnerhall II von Morgan Barbançon. Der Sandro Hit-Sohn ist inzwischen 19 Jahre alt. Ähnlich wie Alive and Kicking hatte er eine längere Turnierpause, weil seiner Reiterin vorgeworfen wurde, dass sie wiederholt für die obligatorischen unangekündigten Dopingkontrollen nicht zur Verfügung gestanden hätte. Sie erhielt deshalb eine dreimonatige Sperre vom französischen Verband. Dagegen legte sie Klage beim internationalen Sportgerichtshof (CAS) er. Der gab allerdings dem Verband Recht und verlängerte die Sperre um fünf Monate. So hatte Sir Donnerhall II seit dem Weltcup-Finale 2024 in Riad Turnierpause. London war der erste Weltcup-Auftritt seither, der mit 74,860 Prozent und Rang zehn beurteilt wurde. Mit seinen 19 Jahren hat Sir Donnerhall II seine Reiterin zu fünf Weltcup-Finals, zwei EMs, der Weltmeisterschaft 2022 sowie den Olympischen Spielen 2021 begleitet.
Die Backstreet Boys aus Werder
Das einzige deutsche Paar, das in London am Start war, waren die U25-Europameister Moritz Treffinger und sein Cadeau Noir vom Gestüt Bonhomme in Brandenburg. Für den elegant zu Pferde sitzenden Treffinger war es mit seinen 22 Jahren der dritte Weltcup-Auftritt seines Lebens. Nach ein technischen Fehlern ausgerechnet in ihrer Paradelektion, den Einerwechsel, erhielt das eingespielte Duo 75,395 Prozent für die Backstreet Boys-Kür und belegte damit Rang acht.
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