Erster internationaler Grand Prix von Jessica von Bredow-Werndl und Kismet

Highlights und Huch-Momente für Jessica von Bredow-Werndl und Kismet

Dressur
Jessica von Bredow-Werndl. Foto: sportfotos-lafrentz.de Jessica von Bredow-Werndl. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Erster Grand Prix überhaupt und dann gleich auf internationalem Parkett – die vierfache Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl und ihre Zukunftshoffnung Kismet haben heute den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Und sie sind geschwommen, wenn auch ab und zu noch nicht ganz sicher.

Jessica von Bredow-Werndls KWPN-Stute Kismet hat mit ihren elf Jahren noch wenig Turniererfahrung. Die vierfache Olympiasiegerin hatte die Ampere-Tochter 2024 nach der Sperre von Charlotte Dujardin unter den Sattel bekommen. Letztes Jahr stellte sie sie zweimal in Prüfungen mit Piaffe und Passage vor und gewann beide, die Intermédiaire A in Sauerlach mit 74,560 Prozent und die Intermédiaire II in Ising mit 73,640 Prozent.


Dieses Wochenende hatte sich das Team Aubenhausen nun den CDI Ornago in Italien ausgesucht, um die grüne Saison zu eröffnen, während Queen Mum, Dalera BB, zuhause auf den Nachwuchs aufpasst.


Die Prüfung


Heute im 10.40 Uhr wurde es ernst, Kismets erster Grand Prix. Nach sicherer, geschlossener und ausbalancierter Grußaufstellung folgte schon das erste Highlight mit der Trabverstärkung und den Trabtraversalen, wobei die nach links noch minimal fließender und geschmeidiger gelang als die nach rechts. Beim Rückwärtsrichten hatte „Kiss“ es ein wenig eilig. Im starken Trab punktete sie erneut. Die Passage war losgelassen und sicher in Takt und Anlehnung, könnte noch etwas geschlossener werden. In den Piaffen fußte die Stute eifrig ab, fand aber noch nicht immer sicher die Balance, wobei gerade die zweite schon sehr schöne Momente hatte. Die Übergänge gelangen noch nicht in der Qualität wie die einzelnen Lektionen.


Der Schritt war okay, der Galoppsprung von der Grundqualität her gut. Leider schlich sich in den Zweiern ein Galoppsprung zu viel zwischen den vorletzten und letzten Wechsel. Gut oder in Wernotensprache „ziemlich gut“ gelangen die Zick-Zack-Traversalen. Hier, wie überhaupt gelang es Jessica von Bredow-Werndl, die Stute vor den treibenden Hilfen zu behalten. Sie musste mitunter sogar etwas aufpassen, dass sie sich nicht zu hoch aufrichtete und an Rückentätigkeit einbüßte. Die Einerwechsel klappten fehlerfrei, aber noch etwas hektisch.


In die erste Pirouette nach links kamen die beiden etwas groß hinein. Kismet verlor die Balance und sprang um. Aber die nach rechts gelang. Sowohl der letzte starke Trab als auch die Passage auf der Mittellinie versprachen einen schönen Abschluss der Runde. Aber aus irgendeinem Grund blockierte Kismet dann in der Piaffe und krabbelte rückwärts. Kurz darauf hatte Jessica von Bredow-Werndl sie wieder vor sich und konnte die Prüfung zu Ende reiten, aber diese doppelt zählende Lektion war für die Katz. Das war umso ärgerlicher, weil sich ein solcher Moment auch in der Gesamtnote für Harmonie niederschlagen muss.


Den Richtern war der Ritt 66,261 Prozent wert, heute Rang sieben, aber noch ganz viel Spielraum nach oben.


Sieg für den australischen Spanier


Das einzige Paar, das heute mehr als 70 Prozent erhielt, waren die Australierin Simone Pearce und ihr zehnjähriger spanischer Rubinstein-Urenkel Will Marq. Das war hoch verdient. Der Wallach zeigte sich weitgehend stabil in der Anlehnung mit taktsicherer losgelassener und doch aktiver Piaffe-Passage-Arbeit, die von hohem Gleichmaß geprägt war, hervorragendem starken Schritt, locker durchgesprungenen Serienwechseln und besonders nach links einer sehr schönen Pirouette. 70,717 Prozent wurden es. Nicht zu viel für einen wirklich schönen Ritt.


Dahinter reihte sich mit Alexandre Ayache und Ruling Olivia ein französisches EM-Paar aus dem Vorjahr ein (69,739). Die Plätze drei und vier gingen in die Schweiz, an Charlotte Lenker auf Dettori (69,022) und Tallulah Lynn Nater auf dem zwölfjährigen Hannoveraner Flynn, der 2024 noch mit Flore de Winne unter belgischer Flagge bei den Olympischen Spielen am Start war. Seine neue Reiterin hatte der Fahrenheit-Sohn letztes Jahr unter anderem auf einen tollen dritten Platz in der Intermédiaire II für die Mannschaftswertung der U25-Europameisterschaften getragen. Leider gab es dafür keine Medaille. 2026 wird die erste CDI-Saison für die beiden, die sie heute mit einem sehr ansprechenden Ritt einläuteten.


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