Christian Simonson gewinnt Grand Prix in Wellington mit über 76 Prozent
Christian Simonson – Hoffnungsträger der US-Dressur
Mehrfach wurden Christian Simonson und Indian Rock mit Neunen von den Richtern bedacht, unter anderem für die Rechtspirouette. Foto: Wellington International/Centre Line Media Mit 76,043 Prozent entschieden Christian Simonson und der 13-jährige Apache-Sohn Indian Rock den gestrigen Grand Prix in Wellington für sich. Das war das beste Ergebnis, welches das Paar bis dato in einem internationalen Grand Prix erzielen konnte. Vom Rest des Feldes in Wellington trennte sie eine kleine Welt.
Zweite wurde mit 70,870 Prozent Geñay Vaughn auf dem von Holga Finken ausgebildeten Gino (v. Bretton Woods), gefolgt von der Schwedin Caroline Darcourt mit Lord Django (69,196). Mit Michael Klimke war auch in deutscher Reiter in Wellington am Start. Er stellte den zwölfjährigen Oldenburger Wallach Fado v. Fairytale vor und wurde Sechster (67,348).
US-Dressur 2026: Keine Reiter im Elitekader
Nach den glorreichen Zeiten mit Paaren wie Laura Graves und Verdades, Adrienne Lyle mit Salvino, Sabine Schut-Kery auf Bocelli oder auch Kasey Perry-Glass auf Goerklintgaards Dublet haben die USA derzeit keine Paare auf vergleichbar hohem Niveau. Bei den Olympischen Spielen in Tokio hatten Lyle und Schut-Kery zusammen mit Steffen Peters auf Suppenkasper als drittem Mann sensationell Silber gewonnen. In Paris schieden sie aus, nachdem Marcus Orlob mit Jane wegen einer blutenden Stelle am Fesselkopf abgeklingelt werden musste. Und aktuell haben die USA keine Paare im Elite-Kader, was unserem Olympiakader entspricht.
Die Besetzung dieses Kaders wird auf Basis der Turnierergebnisse der vergangenen zwölf Monate bestimmt. Wer hier aufgenommen werden will, muss innerhalb dieses Zeitrahmens mindestens zweimal 74 Prozent und mehr in CDI Grand Prix-Prüfungen erhalten haben. Das Kriterium hat in den letzten Monaten kein US-amerikanisches Paar mehr erfüllt. Bis jetzt.
Simonson durchbricht Schallmauer
Denn jetzt gibt es ja die Shooting Stars Christian Simonson und Indian Rock, Stallname „Rocky“. Die beiden sind seit einem guten Jahr ein Team. Nach den Olympischen Spielen in Paris hatte der 23-Jährige den KWPN-Hengst von dessen Ausbilderin Emmelie Scholtens übernommen. Seither sind die beiden ungeschlagen, gewannen auch die Weltcup-Qualifikationen in Myakka City und Ocala Ende 2025. Simonson hat sich vom Nobody zur Nummer 15 der Weltrangliste hochgearbeitet. Er ist damit derzeit der beste US-Reiter der Welt.
Mit dem gestrigen Sieg hat das Paar nun das Mindestkriterium für die Aufnahme in den Elitekader erfüllt. Bei ihrer internationalen Premiere in Ocala waren sie zwar siegreich, aber „nur“ mit 70,543 Prozent. Doch schon bei ihrem zweiten Grand Prix, der Qualifikation für die Weltcup-Kür in Myakka City, was ebenfalls in Florida liegt, knackten sie mit 74,804 Prozent die vorgegebene Hürde. Anfang Dezember schrammten sie in Ocala dann recht knapp daran vorbei, 73, 369 Prozent. Gestern überwanden sie die 74 Prozent-Hürde nicht nur, sie pulverisierten sie. Und das bei ihrem ersten Auftritt auf dem großen Viereck, dem „International Ring“ in Wellington. „Ich bin noch dabei, das zu verarbeiten“, so Simonson auf seiner Instagram-Seite.
Über Christian Simonson
Im internationalen Grand Prix-Sport mag der 23-jährige Simonson ein Neuling sein, ein Unbekannter ist er allerdings nicht. Nach diversen Erfolgen bereits als Junior war er mit Son of a Lady als Junger Reiter mehrfach in Europa im Einsatz, wo er bei den Future Champions in Hagen und in der Young Riders Tour beim CHIO Aachen positiv auf sich aufmerksam machte. Schon auf diesen Turnieren fiel er durch feines Reiten auf.
Seit 2018 trainiert Simonson mit Adrienne Lyle und seit einiger Zeit gehören beide, Lyle und Simonson, zum Team des Zen Elite Equestrian Centers in Florida, mit dem die einstige Kinderkrankenschwester und spätere Unternehmerin Heidi Humphries sich einen Kindheitstraum erfüllt hat. Sie hat nicht gezögert, ihren Reitern hochkarätige Pferde zu kaufen.
Indian Rock und andere
Neben Indian Rock reitet Christian Simonson auch den KWPN-Hengst Fleau de Baian. Das ist der Vollbruder zu Adelinde Cornelissens langjährigem Erfolgspferd Parzival. Wie dieser wurde auch Fleau de Baian von Cornelissen ausgebildet.
Ebenfalls aus den Niederlanden wechselte der belgische Fuchs Lars van de Hoenderheide ins Zen Elite Equestrian Center, allerdings war er für Adrienne Lyle gedacht, ist jedoch schon seit Mitte 2024 nicht mehr im Einsatz gewesen. Die i den Niederlanden im Stall van Olst beheimatete Britin Charlotte Fry stellte den Wallach vor Lyle vor. Ein KWPN, der jedoch zuvor in schwedischem Besitz war, ist der Apache-Sohn Helix, mit dem Lyle 2024 die USA in Paris vertrat. Sein letztes Turnier liegt jedoch auch schon länger zurück. Das war das Weltcup-Finale in Basel, wo der Wallach sich völlig von der Rolle präsentierte.
Der vielleicht prominenteste Ankauf des Zen Elite Equestrian Centers war der Westfalen-Wallach Bohemian, das Olympiapferd 2021 von Cathrine Laudrup-Dufour. Die Dänin hatte den Bordeaux-Sohn jung unter den Sattel bekommen und bildete ihn zu einem hoch erfolgreichen Grand Prix-Pferd aus. Mehrfach erzielten sie Ergebnisse jenseits der 80 Prozent. Bei den Europameisterschaften 2021 holten sie Bronze in Einzel- und Mannschaftswertung und zudem Silber in der Kür.
Doch dann wurde Bohemian verkauft und mit seinem neuen Reiter Dong Seon Kim harmonierte es nicht wirklich. Nachdem zwischenzeitlich auch Patrik Kittel (SWE) im Sattel des Wallachs Platz genommen hatte, wechselte er schließlich Ende 2023 ins Zen Elite Equestrian Center als Partner für Endel Ots. Der war bis dato noch nie einen internationalen Grand Prix geritten, erzielte jedoch auf Anhieb regelmäßig Ergebnisse über 70 Prozent mit Bohemian. Das letzte Turnier war allerdings Aachen 2024. Sie wurden als Reservisten für die Olympischen Spiele benannt. Danach ward Bohemian nicht mehr gesehen. Wie Heidi Humphries damals gegenüber Eurodressage erklärte, hatte der Wallach sich eine aggressive Nasennebenhöhlenentzündung zugezogen, die zunächst ausheilen musste.
Mitte Dezember waren sie in Wellington wieder im Viereck zu sehen, allerdings vorerst in der nationalen Tour.