Bianca Nowag-Aulenbrock qualifizieren sich in Balve für den Nürnberger Burg-Pokal
Bianca Nowag-Aulenbrock und Sky: ca. 20 Mal geritten, next Stop Burg-Pokal
Ein echter Hingucker fürs Burg-Pokal Finale: Sky unter Bianca Nowag-Aulenbrock. Foto: sportfotos-lafrentz.de Seit fünf Tagen hat Bianca Nowag-Aulenbrock den achtjährigen Hannoveraner Hengst Sky bei sich im Stall stehen. Und sehr viel häufiger hat sie ihn zuvor auch nicht geritten. „Vorher haben wir uns nur zwei-, dreimal zum Training getroffen“, berichtete Bianca Nowag-Aulenbrock. Schließlich ist der bunte Fuchs vom Gut Schönweide als Deckhengst gut beschäftigt, ist dementsprechend in Schleswig-Holstein stationiert, während Nowag-Aulenbrock mit ihren Pferden im Münsterland beheimatet ist.
Die Chance, den Sezuan-Sohn zu übernehmen, bekam die einstige Piaff-Förderpreis Siegerin, U25-Europameisterin und Weltcup-Finalistin von 2024, weil Skys vorherige Reiterin Ann-Kathrin Lachemann, die den Hengst letztes Jahr zum Bundeschampionatstitel der Siebenjährigen geritten hat, das Gut Schönweide gen Bayern verlassen hat. Balve war also das erste Turnier für Sky und Nowag-Aulenbrock. Und dann gleich die Burg-Pokal Qualifikation. Da kann man getrost sagen: Wer wagt, gewinnt.
Erster Schuss ein Treffer
Das ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Nachdem sie gestern bereits die Qualifikation zur Finalqualifikation für den Nürnberger Burg-Pokal von Balve für sich entscheiden konnten, setzten Bianca Nowag-Aulenbrock und Sky heute noch eins drauf: Sieg mit 74,436 Prozent, Platz eins von allen Richtern.
Die Prüfung der beiden war aus einem Guss – bis auf einen Schreckmoment im Mittelgalopp, wo ein Sonnenstrahl Sky irritiert hatte und er einmal kurz hin und her sprang. Aber ansonsten glückte ihnen alles, sowohl die Lektionen, in denen der Hengst mit seinen Bewegungsmöglichkeiten punkten kann wie die Verstärkungen, die fliegenden Wechsel und Traversalen, als auch die kniffligeren Lektionen wie Pirouetten in Schritt und Galopp sowie die besondere Tücke der Burg-Pokal Aufgabe, die Halten-Rückwärtsrichten-Mitteltrab-Folge auf der Mittellinie, wo Durchlässigkeit, Balance und Gehorsam gefragt sind.
Nowag-Aulenbrock stellte den Hengst in sehr weitem Rahmen vor, achtete immer wieder darauf, nachzugeben und ihn unabhängig von der Hand zu halten. Auch das gelang – sehr zur Freude der Reiterin: „Ich bin ganz ganz schrecklich happy und auch stolz, dass er jetzt schon viel konzentrierter war. Er war gestern auch schon wirklich toll, aber natürlich von der Kulisse noch aufgeregt und rief noch ein-, zweimal in der Prüfung. Heute war er schon viel fokussierter. Ich kam viel mehr zum Reiten.“
Was umso bemerkenswerter ist angesichts der kurzen Zeit, die die beiden erst miteinander verbracht haben. „Ich bin unfassbar froh, wie schnell er sich auf mich eingelassen hat und mitarbeitet“, sagt Bianca Nowag-Aulenbrock. Dass Sky bis vor wenigen Tagen noch voll im Deckeinsatz war, stelle kein Problem dar. „Er ist ein absolutes Spaßmobil! Klar, wenn eine Stute vorbeikommt, sagt er mal ,Hallo‘ und gibt einmal kurz den kleinen Matcho. Aber das ist ja auch völlig normal und legitim. Doch sobald er bei der Arbeit ist, ist wirklich total fokussiert und konzentriert.“
Der Nürnberger Burg-Pokal war das Saisonziel für das Paar. Damit, dass es so schnell klappt, hatte eigentlich niemand gerechnet. Umso besser, sagt Nowag: „Jetzt haben wir in Ruhe Zeit, zueinander zu finden und dann schauen wir auf alle Dinge, die da kommen.“
Platzwechsel auf zwei und drei
Gestern waren noch Raphael Netz und seine ebenfalls achtjährige Nachwuchshoffnung Glamourdoc Zweite gewesen. Heute mussten sie sich knapp geschlagen geben. Zwar lieferten sie einen sehr harmonischen und weitgehend fehlerfreien Ritt, aber man hätte sich etwas mehr Dynamik, etwas mehr Go seitens des Bundeschampionats-Vierten des Vorjahres vorstellen können. 71,317 Prozent vergaben die Richter.
Das Paar, das Netz und Glamourdoc heute hinter sich ließ, waren Franziska Haase und ihr Asgard’s Ibiza-Sohn Alissimo. Der Fuchs zeigte heute genau das Quäntchen Energie mehr, das man Glamourdoc gewünscht hätte. Dabei war er sehr schön in der Anlehnung und stets im passenden Seitenbild mit Highlights z.B. in der taktsicheren Schrittarbeit in allen Tempi, den bereits zentrierten Pirouetten (kleiner Balanceverlust in der zweiten) und sicher geradegerichteten Serienwechseln. Lediglich vor dem Rückwärtsrichten gab es ein kleines kommunikatives Missverständnis und kurzen Widerstand. Ansonsten wurden es 71,659 Prozent.
Weitere Paare, die auffielen
Ein ausdrucksstarkes Pferd ist der neunjährige Firmino VS (für Züchter Volker Schmale-Steinkamp) v. Fürstenball, der wie bereits gestern unter Matthias Bouten Vierter wurde. Es wären mehr geworden als 70,707 Prozent, wäre der Braune nicht beim Umstellen in den doppelten halben Trabtraversalen kurz angaloppiert. Auf der Habenseite standen die bereits sehr ausgereiften und zentrierten Pirouetten, schöne Serienwechsel und die sehr gelungene Schlusslinie.
Ein Pferd mit tollen Möglichkeiten ist auch die achtjährige Secret-Tochter Dalma Sia Bellante unter Sina Aringer. Bis zur Galopptour sah es noch nach einer Top drei Platzierung aus. Aber die Pirouetten müssen noch reifen, in den Serienwechseln fällt das Umspringen nach links der Stute noch leichter als das nach rechts und das Rückwärtsrichten war nicht ganz durchlässig. Außerdem missglückte das Aufnehmen mit fliegendem Wechsel aus dem starken Galopp. Aber es dürfte nur eine Frage von Kraft und Balance sein, bis die Oldenburgerin ebenfalls um einen Finalplatz mitmischt. Heute wurden es 68,585 Prozent und Rang acht der zwölf Kandidaten.
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