Moritz Treffinger und Fiderdance auf Platz acht
Zu Beginn eine kleine Taktstörung im starken Trab, dann ein kurzes Angaloppieren vor der Trabtraversale – wie meistert Moritz Treffinger das? Antwort: souverän und fokussiert. Der 17-jährige Hengst und der mit 22 Jahren jüngste Teilnehmer im Feld zeigen gleichmäßige Piaffen – dabei reißt „Fidel“ zwar die Füße nicht aus dem Sand als sei er auf einer heißen Herdplatte unterwegs, dafür tritt er gleichmäßig und auf der Stelle. Weniger ist eben manchmal mehr!
Ganz sicher gelingt der starke Schritt, entwickelt aus einer Piaffe-Pirouette. Das Paar zeigt die vielleicht besten doppelten Galopppirouetten des Gesamtfeldes! Balanciert, zentriert und sicher im Galopprhythmus. Aus der Linkspirouette im Galopp geht es mit einem kleinem Haken in die Rechtspirouette in der Piaffe Am Ende reitet Treffinger einhändig in der Passage zum Schlussgruß.
Fazit: Diese Kür war nicht spektakulär, was exaltiertes Beineschmeißen anbelangt. Aber eben doch spektakulär, weil hier ein losgelassener Reiter ein losgelassenes Pferd gezeigt hat. Und es im Rahmen seiner Möglichkeiten in Schönheit, weil in Harmonie, im Miteinander, präsentiert hat (auch wenn der Anfang die zwei „Fehlerchen“ waren). Will man es musikalisch ausdrücken: Manch ein Pianissimo kann das Herz mehr erreichen, als wenn das gesamte Orchester auf Teufel komm raus alles raushaut, was es an Volumen zu bieten hat. 77,36 Prozent, Platz acht.
Cowboystiefel für Mama
Übrigens haben alle Teilnehmer einen Cowboystiefel-Gutschein erhalten. Den hat Moritz an seine Mutter weitergeschenkt. Sie war es, die ihn damals auch zum Gestüt Bonhomme zum Vorreiten begleitet hatte, wie er in unserer Homestory erzählt hat (einen Podcast mit Moritz findet man hier). Sie hat den Gutschein prompt eingelöst – Yeeha!
Vor Treffinger landeten die Belgierin Alexa Fairchild und der Ecuadorianer Julio Mendoza Loor und Jewel’s Goldstrike. Der Fuchs, fällt in der Passage mit seiner Vorderbeintechnik auf. Die sieht doch reichlich exaltiert aus. Da wird der geforderte Aushaltemoment beinahe zu einem „Zucken“ und die Korrespondenz von Hinterbein und Vorderbein bleibt dabei auf der Strecke.
Im starken Galopp (dazu „La Isla Bonita“ von Madonna) geht das Pferd eher überm Zügel, zeigt dann aber gute Pirouetten. Auch in Galopptraversalen geht der Bretton Woods-Sohn tendenziell nicht mehr reel durchs Genick. 20 Dollar hat das Pferd einmal gekostet. Jetzt hat er 15.400 Euro gewonnen für Platz sechs mit 78,645 Prozent.
Alexa Fairchild ritt mit 78,005 Prozent, Platz sieben, ein „Personal Best“. Ein Höhenpunkt des Dealtio-Sohns Fairplay waren die Serienwechsel und die Passagen. Insgesamt hätte man sich den Braunen offener im Ganaschenwinkel gewünscht.
Der letzte Auftritt von Sir Donnerhall II
Die gebürtige Spanierin Morgan Barbanon, die seit längerem für Frankreich am Start ist, ritt den 20-jährigen Sir Donnerhall II in seiner letzten Prüfung. Achtmal war „Gus“ qualifiziert, sechsmal ging er bei einem Weltcup-Finale an den Start. Nun der Abschied. Der gelingt gut. Ein Hingucker: Übergänge von Einer- in Zweierwechsel und dann wieder zurück in die fliegenden Wechsel von Sprung zu Sprung. Da hebt die Reiterin sogar die Hand, und die Schreie der Begeisterung von den Rängen bringen den Oldenburger Hengst auch nicht durcheinander. Ruhig der Schweif, ausdrucksvoll das Vorderbein. Ein Grinsen der Reiterin und mitten in der Aufgabe unterstützt das Publikum das Paar mit rhythmischem Klatschen in der Piaffe-Pirouette.
Ein Abschied, der Aufbruch zeigt
Vielmehr als die 72,46 Prozent, Rang 13, die am Ende der Karriere des Oldenburger Hengstes auf der Anzeigetafel standen, hat dieser Ritt eines gezeigt: Wohin sich der Dressursport verändert hat. Zu Beginn ihrer Karriere hatte die Tochter eines Diamantenhändlers bei dem Niederländer Sjef Janssen, dem Ehemann der Olympiasiegerin Anky van Grunsven trainiert. Da waren ihre Ritte häufig alles andere als harmonisch, geschweige denn, dass die Pferde mit dieser leichten Anlehnung gingen, wie sie es „Gus“ heute in der Kür zeigte. So dass es überhaupt möglich war, dass die Reiterin während des Ritts eine Hand vom Zügel loslassen konnte, eben weil das Pferd losgelassen ging.
Hier das Endergebnis des Dressur Weltcup-Finale 2026









