Becky Moody siegt im Weltcup-Finale Dressur, Raphael Netz Fünfter, Moritz Treffinger Achter

Becky Moody begeistert beim Sieg im Dressur-Weltcup-Finale 2026. Raphael Netz Fünfter, Moritz Treffinger Achter

Dressur
Raphael Netz und DSP Dieudonné, Fünfte beim Weltcup-Finale Dressur in Fort Worth 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle Raphael Netz und DSP Dieudonné, Fünfte beim Weltcup-Finale Dressur in Fort Worth 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Ein Publikum, das kollektiv begeistert in die Prüfung hineinklatscht und Aufmunterungsschreie während der gesamten Küren aus dem Auditorium: Dieses Weltcup-Finale war emotional. Die Britin Becky Moody gewann, Raphael Netz und Debütant Moritz Treffinger begeisterten durch ihre Art zu reiten.

Becky Moody ist authentisch. Die Britin aus Yorkshire (hier ein Porträt) lebt für und von den Pferden. Jetzt hat sie Geschichte geschrieben: Mit dem von ihr gezogenen Jagerbomb hat sie beeindruckend das Weltcup-Finale gewonnen. Der Braune hat bewiesen, wie wahr das Märchen vom hässlichen Entchen, das zum Schwan wird, ist. „Bomba“ hat nicht die Grundgangarten wie sie Indian Rock, das Pferd des zweitplatzierten US-Amerikaners Christian Simonson hat. Auch wenn er aus Großbritannien kommt, wird wohl niemand sagen, er sei „schön wie auf einem englischen Stich gemalt“. Aber im Viereck, begleitet von Beatles-Melodien und von seiner Züchterin und Ausbilderin Becky Moody, da begeistert er durch seine Leichtigkeit, wie er gefühlt an jeder Stelle der Kür jede Lektion, die Becky sich wünscht zeigt. Egal wie schnell sie auch aufeinander folgen mögen und in welcher Kombination.


Beatles für Becky und „Bomba“


Das beginnt nach dem Einreiten (zu „Imagine“ von John Lennon), wo sofort auf den Gruß Pirouetten und  Einerwechsel („Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“) folgen. Es geht weiter mit gute kadenzierten Passage-Traversalen und ist noch lange nicht zu Ende, wenn auf die  Zweierwechsel auf der Zirkellinie beim aus dem Zirkel wechseln Einerwechsel werden. Also auf wirklich gebogenen und nicht nur „nicht ganz geraden Linien“.


Serienwechsel auf Zirkellinien zählten zu den Highlights in der Kür, mit der die Britin Becky Moody und Jagerbomb das Weltcup-Finale 2026 gewonnen haben. Foto: FEI/Shannon Brinkman

Schließlich setzt dann eine Galopppiroeutte, die in eine Fächerpirouette mit zweifachem Richtungswechsel mündet, den Schlusspunkt. Mag sie ihn selbst auch als „langweilig“ empfunden haben als junges Pferd, am heutigen Tag hat „Bomba“ sich seinen Eintrag im Geschichtsbuch des Dressursports gesichert. An leichter, federnder Verbindung tant er durch ein technisch genauso komplexes wie kompliziertes Programm. Das verdiente Ergebnis: ein „Personal Best“, 88,33 Prozent, der Sieg im Weltcup und 60.500 Euro Gewinngeld.


„Das Publikum mieten“


Bei den Olympischen Spielen von Paris hatte die immer fröhliche Reiterin aus Yorkshire sich noch bei ihren Schülerinnen entschuldigt, dass sie sich für die Kür qualifiziert hatte und deswegen Unterrichtsstunden absagen musste. Ihre Turnierpflegerin Kim Masson ist eigentlich im Marketing für ein Private Equity Unternehmen tätig. Sie lebt sieben Stunden von Beckys Hof entfernt und nimmt ihren Jahresurlaub für die Turniereinsätze. Noch so ein kleines Märchen bei dem märchenhaften Sieg im Weltcup-Finale.


Einen Plan für die Zukunft hat Becky Moody auch. „Ich miete dieses Publikum für jede Prüfung, die ich in Zukunft reiten werde“.


Platz zwei mit Bocksprung: Christian Simonson  (USA) und Indian Rock


Der US-Boy, der mit seinen Strahlen jedem Klischee entspricht, hat für seinen „Rocky“, den KWPN-Hengst Indian Rock, die passende Filmmusik dabei: „Eye of the Tiger“, Titelmusik von Rocky III  – da schreit das Publikum sogar schon in den Trabtraversalen.


Christian Simonson (USA) und Indian Rock, „Rocky“, wurden Zweite im Weltcup-Finale von Fort Worth. sportfotos-lafrentz.de / Tiffany van Halle

23 Jahre alt ist Christian Simonson, der vor einem Jahr den Rapphengst übernommen hat. Sein Sitz zeugt von guter Ausbildung. Die etwas kurzen Steigbügel hat er von seiner Trainerin Adrienne Lyle übernommen. Dass er ihr den größten Erfolg seiner jungen Karriere verdankt, weiß er zu schätzen: „Wenn meine Trainerin Adrienne sagt, geh durchs Feuer, dann mache ich das.“ Und nimmt „Rocky“, den die US-Selfmade Millionärin Heidi Humphreys gekauft hat, gleich mit.


Ein Freudenbuckler


Es ist ein Feuerwerk an Lektionen, das beide zeigen: Piaffe-Pirouetten zu James Browns „Living in America“ (Rocky IV). Sehr gut herausgearbeitet: der Unterschied zwischen Passage und versammeltem Trab in den Traversalverschiebungen. Zum Schritt ertönt „In Heaven“. Vielleicht ist es der siebte Himmel? Aus dem versammelten Schritt geht es auf die Diagonale und dort gleich in den starkes Galopp. Da buckelt Rocky einmal am Ende. Daraufhin – zur Sicherheit? – hat Simonson den Rapphengst dann in der gesamten Galopptour tendenziell immer etwas hinter der Senkrechten. Vielleicht um etwas mehr Kontrolle zu haben. Mit 83,81 Prozent, auch persönliche Bestleistung des Paars, ist es Platz zwei.


Ein bisschen Beyoncé auf Platz drei


Sandra Sysojeva reitet ihre Stute Maxima Bella für Polen zu französischer Chanson-Musik, ihre Olympia-Kür von Paris. Viele Piaffen und Passagen von einem leichten Pizzicato musikalisch begleitet im Wechsel mit starkem Trab. Und das Vorderbein der Stute begeistert das begeisterungsfähige Publikum.


Maxima Bella wirkt geschlossener als noch im Grand Prix, geht mehr über den Rücken. Ein choreographisches Highlight: eine Piaffe zwischen starkem und versammelten Schritt. Der Galopp bleibt die schwächste Grundgangart der Millennium-Tochter. Da rutscht sie in der Zwischenwertung unter die 80 Prozent, die bis dahin stets vorm Komma gestanden hatten. Am Ende eine clevere Reminiszenz ans Publikum: Zu einer Fächerpirouette ertönt Beyonces „Texas hold ’em“. Das garantiert Begeisterung: 80,77 Prozent, Platz drei.


Musikalisch perfekt arrangiert


Wenn der Schwede Patrik Kittel eines kann, dann Küren zusammenstellen. Dass er mit „Out of touch“ von Hall and Oates zu Beginn an den Namen seines Quaterback-Sohns Touchdown erinnert, gehört ebenso dazu wie ein Musikmix, der sich wild anhört, aber perfekt arrangiert zum Gesamtkunstwerk wird: „Satisfaction“ von den Rolling Stones, „Rocket Man“, im Schritt, von Elton John, „Safety Dance“ und ein musikalischer Gruß an die Gastgeber: „Sweet Home Alabama“ zum Galopp. Und das in der Rodeo-erprobten Dickies Arena in Fort Worth.


Touchdown schlägt dann auch Rodeo-like einmal nach dem Sporn zu Beginn der Zweierwechsel (auf der Jokerlinie zeigt das Paar später sieben fehlerfreie fliegende Galoppwechsel). Phasenweise hat der schwedische Wallach die Nase so weit vor der Senkrechten, dass er nicht mehr ganz durchs Genick geht. Mit 80,26 erzielt das Paar die vierte Wertung über 80 Prozent im Teilnehmerfeld und wird Vierter.


Raphael Netz „Heute wird es gut, ich fühle das“


Immer wieder vereinzelte Anfeuerungsschreie und am Ende dann riesiger Applaus – wie würden Raphael Netz und vor allem DSP Dieudonné mit der Atmosphäre in der Dickies Arena von Fort Worth diesmal zurechtkommen? Das war die vielleicht größte Frage aus deutscher Sicht, nachdem der Baden-Württemberger im Grand Prix doch mächtiges Herzklopfen im Viereck hatte und unter seinen Möglichkeiten geblieben war.


Die Antwort lieferten „Raphie“ und sein Rappe im Viereck. „Ich bin so erleichtert“, sagte Netz nach dem Ritt. „Das Abreiten war perfekt. Ich habe zu Monica (Theodorescu) gesagt, es wird gut, ich fühle das“. Das Gefühl sollte ihn nicht täuschen.


Potenzial für noch weitaus mehr


Schon die Passage, ein Höhepunkt im Lektionenspektrum von DSP Dieudonné, am Anfang zeigt: Heute wird ein Tag, der den Grand Prix vergessen lässt. Und die erste rhythmische Piaffe macht ein Ausrufezeichen hinter diesen Eindruck.


Das sollte so bleiben. Nicht nur in der Trabtour. Im Schritt dehnt sich der Rappe an die Hand heran. Guckt auch mal etwas ins Publikum, aber ohne, dass der Takt dabei gefährdet gewesen wäre.


Selbstsicher kann Raphael Netz dann sein Repertoire zelebrieren:  Zweierwechsel auf gebogener Linie, 16 Einerwechsel, doppelte Pirouetten (dazu „Return of the Mack“, was dem Publikum spitze Schreie der Begeisterung entlockt). Als dann auch der Übergang aus der Galopp- in die Piaffe-Pirouette gelingt, ist klar: Das ist der Dieudonné, der nicht zu Unrecht schon mehrfach die 80-Prozent-Marke geknackt hat und dem eine Karriere bevorsteht, bei der das Weltcup-Finale nur eine Etappe auf dem Weg nach oben ist.


Alle sollen tanzen


Am Ende, zur Passage, untermalt – wie schon der erste Teil der Kür – von „Man in Black“, meldet sich das Publikum wieder zu Wort. Klatschen, Pfeifen, Anfeuerungsrufe. Genauso hat es sich Raphael Netz für die letzte Mittellinie gewünscht, wie er im Podcast ERZÄHL MIR WAS VOM PFERD verraten hat.


79,245 Prozent, vom US-Richter William Warren strenge 71 Prozent für den technischen Wert, bedeuten Platz fünf.


"Heute wird es gut", hatte Raphael Netz schon vor der Kür gefühlt. Man sollte eben auf sein Gefühl hören und dann noch so gefühlvoll reiten wie der 27-Jährige. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Nicht nur die Traversalen waren im Kürfinale sehenswert: Raphael Netz und DSP Dieudonné, Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Moritz Treffinger und Fiderdance wurden Achte beim Weltcup-Finale 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Einhändig zum größten Erfolg im Seniorenlager: Moritz Treffinger und Fiderdance beim Weltcup-Finale 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Erst große Freude bei Moritz Treffinger … Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
… dann übermannten Moritz Treffinger seine Gefühle. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle TREFFINGER Moritz (GER), Fiderdance FEI Dressage World Cup™ Final - Grand Prix Freestyle / KürFORT WORTH, Dikies Arena 12. April 2026 © www.sportfotos-lafrentz.de / Tiffany van Halle
Becky Moody (GBR, Mitte) mit der neu gestalteten Trophäe, Christian Simonson (USA,li.) und Sandra Sysojeva (POL, re.) mit FEI-Präsident Ingmar de Vos. Foto: FEI/Shannon Brinkman

Moritz Treffinger und Fiderdance auf Platz acht


Zu Beginn eine kleine Taktstörung im starken Trab, dann ein kurzes  Angaloppieren vor der Trabtraversale – wie meistert Moritz Treffinger das? Antwort: souverän und fokussiert. Der 17-jährige Hengst und der mit 22 Jahren jüngste Teilnehmer im Feld zeigen gleichmäßige Piaffen – dabei reißt „Fidel“ zwar die Füße nicht aus dem Sand als sei er auf einer heißen Herdplatte unterwegs, dafür tritt er gleichmäßig und auf der Stelle. Weniger ist eben manchmal mehr!


Ganz sicher gelingt der starke Schritt, entwickelt aus einer Piaffe-Pirouette. Das Paar zeigt die vielleicht besten doppelten Galopppirouetten des Gesamtfeldes! Balanciert, zentriert und sicher im Galopprhythmus. Aus der Linkspirouette im Galopp geht es mit einem kleinem Haken in die Rechtspirouette in der Piaffe Am Ende reitet Treffinger einhändig in der Passage zum Schlussgruß.


Fazit: Diese Kür war nicht spektakulär, was exaltiertes Beineschmeißen anbelangt. Aber eben doch spektakulär, weil hier ein losgelassener Reiter ein losgelassenes Pferd gezeigt hat. Und es im Rahmen seiner Möglichkeiten in Schönheit, weil in Harmonie, im Miteinander, präsentiert hat (auch wenn der Anfang die zwei „Fehlerchen“ waren). Will man es musikalisch ausdrücken: Manch ein Pianissimo kann das Herz mehr erreichen, als wenn das gesamte Orchester auf Teufel komm raus alles raushaut, was es an Volumen zu bieten hat. 77,36 Prozent, Platz acht.


Cowboystiefel für Mama


Übrigens haben alle Teilnehmer einen Cowboystiefel-Gutschein erhalten. Den hat Moritz an seine Mutter weitergeschenkt. Sie war es, die ihn damals auch zum Gestüt Bonhomme zum Vorreiten begleitet hatte, wie er in unserer Homestory erzählt hat (einen Podcast mit Moritz findet man hier). Sie hat den Gutschein prompt eingelöst – Yeeha!


Vor Treffinger landeten die Belgierin Alexa Fairchild und der Ecuadorianer Julio Mendoza Loor und Jewel’s Goldstrike. Der Fuchs, fällt in der Passage mit seiner Vorderbeintechnik auf. Die sieht doch reichlich exaltiert aus. Da wird der geforderte Aushaltemoment beinahe zu einem „Zucken“ und die Korrespondenz von Hinterbein und Vorderbein bleibt dabei auf der Strecke.


Im starken Galopp (dazu „La Isla Bonita“ von Madonna) geht das Pferd  eher überm Zügel, zeigt dann aber gute Pirouetten. Auch in Galopptraversalen geht der Bretton Woods-Sohn tendenziell nicht mehr reel durchs Genick. 20 Dollar hat das Pferd einmal gekostet. Jetzt hat er 15.400 Euro gewonnen für Platz sechs mit 78,645 Prozent.


Alexa Fairchild ritt mit 78,005 Prozent, Platz sieben, ein „Personal Best“. Ein Höhenpunkt des Dealtio-Sohns Fairplay waren die Serienwechsel und die Passagen. Insgesamt hätte man sich den Braunen offener im Ganaschenwinkel gewünscht.


Der letzte Auftritt von Sir Donnerhall II


Die gebürtige Spanierin Morgan Barbanon, die seit längerem für Frankreich am Start ist, ritt den 20-jährigen Sir Donnerhall II in seiner letzten Prüfung. Achtmal war „Gus“ qualifiziert, sechsmal ging er bei einem Weltcup-Finale an den Start. Nun der Abschied. Der gelingt gut. Ein Hingucker: Übergänge von Einer- in Zweierwechsel und dann wieder zurück in die fliegenden Wechsel von Sprung zu Sprung. Da hebt die Reiterin sogar die Hand, und die Schreie der Begeisterung von den Rängen bringen den Oldenburger Hengst auch nicht durcheinander. Ruhig der Schweif, ausdrucksvoll das Vorderbein. Ein Grinsen der Reiterin und mitten in der Aufgabe unterstützt das Publikum das Paar mit rhythmischem Klatschen in der Piaffe-Pirouette.


Ein Abschied, der Aufbruch zeigt


Vielmehr als die 72,46 Prozent, Rang 13, die am Ende der Karriere des Oldenburger Hengstes auf der Anzeigetafel standen, hat dieser Ritt eines gezeigt: Wohin sich der Dressursport verändert hat. Zu Beginn ihrer Karriere hatte die Tochter eines Diamantenhändlers bei dem Niederländer Sjef Janssen, dem Ehemann der Olympiasiegerin Anky van Grunsven trainiert. Da waren ihre Ritte häufig alles andere als harmonisch, geschweige denn, dass die Pferde mit dieser leichten Anlehnung gingen, wie sie es „Gus“ heute in der Kür zeigte. So dass es überhaupt möglich war, dass die Reiterin während des Ritts eine Hand vom Zügel loslassen konnte, eben weil das Pferd losgelassen ging.


Hier das Endergebnis des Dressur Weltcup-Finale 2026


 


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