Nadja Minder und Toblerone führen nach Tag eins der Dressur beim CCI5* Burghley
Dressur in Burghley: Ein Fast-Twen, ein enttäuschter Favorit und ein schweres Erbe
Nadja Minder und Toblerone auf dem Weg zur Dressurführung in Burghley.
Foto: BHT/Peter Nixon Nadja Minder (26) und ihr Toblerone (19) sind wie ein altes Ehepaar. Der Yarlands Summer Song-Sohn aus Schweizer Zucht war schon elf als er seine erste internationale Vielseitigkeit ging. Seither haben die beiden alles zusammen erlebt – Junge Reiter Europameisterschaften, „richtige“ Europameisterschaften und Weltmeisterschaften. Und Badminton und Burghley.
Ihr letzter Fünf-Sterne-Auftritt war Badminton in diesem Frühjahr, wo sie 24. waren und deutlich weiter vorne gelandet wären, hätte Toblerone im Abschlussparcours nicht vier Stangen mitgenommen. Das Springen ist der Statistik nach zu urteilen, nicht unbedingt seine Lieblingsdisziplin. Aber im Gelände ist er ein absoluter Ankommer. Und wie man heute gesehen hat: Dressur gehen kann er auch. Mit 29,5 Minuspunkten führen Nadja Minder und Toblerone das Ranking der Dressur an.
Dahinter folgen zwei britische Paare: mit 0,1 Minuspunkten Abstand Gemma Stevens und Chilli Knight vor Max Warburton im Sattel des irischen Hengstes Deerpairc Revelry (31,2).
Dafür, dass der Wallach mit seinen 19 Jahren noch so fit ist, macht Nadja Minder übrigens vor allem ihr Haltungsprinzip verantwortlich – wie sie gegenüber Horse & Hound erklärte, leben ihre Pferde in Gruppen zusammen, haben tagsüber Weidezugang und für nachts einen Paddock.
Pferd mit Geschichte
Vierter ist aktuell Neuseelands Tim Price im Sattel des ebenfalls aus irischer Zucht stammenden Global Quest. Der Hengst ist über seinen niederländischen Vater Metropole ein Libero H-Enkel und Voltaire-Urenkel mit einem blutgeprägten irischen Mutterstamm. Er war das Pferd der 2024 verunglückten Britin Georgie Campbell. Und er war auch das Pferd, das die damals 36-Jährige 2024 bei einem Sturz unter sich begrub. Danach übernahm Tim Price den Beritt.
Die beiden sind zum ersten Mal in Burghley am Start und hatten mit 32,1 Minuspunkten, derzeit Rang vier, einen super Auftakt. Georgie Campbell hatte Global Quest bereits bis Vier-Sterne-Niveau ausgebildet und dabei zeitweise mit Tim Price gearbeitet. Price sagt:
„Er war ihr Lieblingspferd. Ich habe das Privileg, ihn nun nach ihr reiten zu dürfen, von daher ist das ihr zu Ehren. Sie wollte immer Fünf-Sterne-Turniere mit ihm reiten. Also mache ich das jetzt für sie.“
Harry Meade, der Favorit?
Es ist kaum zu glauben, aber der Brite Harry Meade stand ein Jahr lang an der Spitze der Vielseitigkeitsweltrangliste, obwohl er noch nie einen der ganz großen Siege erringen konnte, weder bei CCI5*-Turnieren noch bei Championaten. Dafür war war er in zwölf Fünf-Sterne-Events unter den Top fünf platziert. Allein in Burghley war er dreimal Dritter, jedesmal mit der 16-jährigen irischen Stute Cavalier Crystal, die morgen als letzte aufs Viereck geht.
Laut EquiRatings war Meades Siegchance nie besser als dieses Jahr, denn mit Ros Canter fehlt eine der ganz großen Favoritinnen. Aber Cavalier Crystals Problem ist die Dressur. Im Gelände und beim Springen ist sie eine Bank. Allerdings – statistisch betrachtet, war die Punktedifferenz zwischen ihr und den besten Dressurpferden im Starterfeld nie so gering wie in diesem Jahr: 3,2 Minuspunkte. Da wäre also einiges drin.
Doch die Statistik sagt auch, dass Sarah Bullimore und Corimiro mit 21 Prozent die größten Siegchancen haben, gefolgt von Tim Price und seinem 17-jährigen Routinier Falco (16 Prozent), dem WM-Paar Caroline Pamukcu und HSH Blake (die in Aachen einen Sturz hatten, also nicht beendet haben) mit 14 Prozent und schließlich Meade und Cavalier Crystal mit 8 Prozent.
Harry Meade gehört zu den Reitern, die zwei Eisen im Feuer haben. Das erste ist allerdings schon ziemlich erkaltet. Heute ritt er Et Hop du Matz und beendete seine Dressur mit eher enttäuschenden 39 Minuspunkten auf Rang 18 der ersten 24 Starter.
Ein deutsches Paar ist dieses Jahr nicht in Burghley dabei. Alle Ergebnisse finden Sie hier.