Vielseitigkeits-EM Segersjö 2026: Deutschland gewinnt alle vier Titel

Zwei Teams, viermal Gold – Deutschlands Busch-Nachwuchs räumt in Segersjö ab

Pure Freude beim Sprung zum Titel: Teresa Leowald und DJ Continus, der im Abschlussparcours seiner ersten EM seine Vergangenheit als Springpferd zum Glück nicht leugnen konnte.
Foto: FEI/Kim C Lundin Pure Freude beim Sprung zum Titel: Teresa Leowald und DJ Continus, der im Abschlussparcours seiner ersten EM seine Vergangenheit als Springpferd zum Glück nicht leugnen konnte. Foto: FEI/Kim C Lundin
Perfektes Wochenende für Deutschlands Nachwuchsreiter bei der Vielseitigkeits-Europameisterschaft der Junioren und Jungen Reiter in Segersjö, Schweden! Beide deutschen Teams gewinnen Gold, Mathies Rüder und Teresa Leowald legen obendrauf noch zwei Einzeltitel nach und weitere Einzelmedaillen gab es auch noch!

Mathies Rüder und Hjoptimus gewannen den Einzeltitel bei den Jungen Reitern mit ihrem Dressurergebnis von 23,7 Minuspunkten. In die abschließende Springprüfung ging Rüder mit lediglich 0,1 Punkten Rückstand auf den bis dahin führenden Teamkollegen Carl Voigt mit DSP Descansado. Rüder behielt die Nerven. Sein erst achtjähriger schwedischer Wallach sprang null.


Dann Auftritt Voigt auf dem Sohn von Matthias Alexander Raths ehemaligem Kader-Dressurpferd Destacado. Ein fehlerfreier Ritt hätte EM-Gold im ersten Anlauf bei den Jungen Reitern für die beiden bedeutet. Doch es kam anders. Zwei Stangen fielen, Zeitfehler kamen hinzu. Damit verlor das Paar nicht nur Gold, sondern auch eine Medaille. Platz vier ist trotzdem ein Riesenerfolg im ersten Junge Reiter-Jahr!


Silber ging an die Britin Elizabeth Barratt mit Ride For Thais Chaman Dumontceau (26,0), Bronze an die deutsche Teamreiterin Pita Schmid mit ihrer Favorita V, für die es ebenfalls das erste Junge Reiter-Jahr war (30,4). Sie waren ohne Sprin-, lediglich mit ein paar Zeitfehlern aus dem Parcours gekommen und konnten sich zusätzlich zu Gold mit der Mannschaft über ihre erste Einzelmedaille freuen.


Rüders Schwede, der in Schweden abräumt


Doppelgold auch für Mathies Rüder und Hjoptimus. Foto: FEI/Kim C Lundin
Doppelgold auch für Mathies Rüder und Hjoptimus. Foto: FEI/Kim C Lundin

Rüder kommt mit einer beachtlichen Jugendbilanz nach Segersjö: Junioren-Einzel-Gold 2022, Teamgold 2023, Einzelfünfter und Teambronze 2024 bei den Jungen Reitern. Zuletzt hatte er im Juli in Luhmühlen die Deutschen Meisterschaften der Jungen Reiter mit Hjoptimus gewonnen. Über seinen acht Jahre jungen schwedischen Carambole-Sohn sagt Rüder: „Er ist erst acht Jahre alt, aber er gibt mir das Gefühl, ein erfahrenes Pferd zu reiten. Das ist der Grund, warum ich dieses Wochenende so gut reiten konnte. Er macht es möglich.“


Die Geschichte hinter Silber


Elizabeth Barratt und ihr Pferd Ride For Thais Chaman Dumontceau haben eine bewegende Geschichte. Der 14-jährige Schimmel war die große Zukunftshoffnung des französischen Talents Thaïs Méheust. Die 22-Jährige träumte davon, mit diesem Pferd Olympia zu reiten. 2019 hatten die beiden jedoch einen furchtbaren Unfall – Thaïs starb. Ihre Eltern beschlossen, den Wallach Stéphane Landois zur Verfügung zu stellen, der ihn für Thaïs bei den Olympischen Spielen in Paris ritt und dort Silber mit der französischen Mannschaft holte. Danach wechselte Chaman Dumontceau zu Barratt – seinen Namenszusatz hat er behalten. Die Britin berührte den letzten Sprung, ließ ihn aber stehen – 0,4 Zeitfehler ergaben am Ende Silber.


Mannschaft: Überlegener Sieg der Jungen Reiter


In der Teamwertung der Jungen Reiter war Deutschland außer Reichweite. Equipechef Karl-Heinz Nothofer schickte vier starke Paare ins Rennen, neben den beiden Einzelmedaillengewinnern und dem viertplatzierten Voigt Silva Kelly und Calypso, die zwar das Streichergebnis bildeten, aber auch beendeten. Am Ende hatte das Team nur 86,9 Minuspunkte auf dem Konto – 30,8 weniger als die Briten mit Silber (117,7). Frankreich kämpfte sich von Platz fünf nach dem Gelände mit drei fehlerfreien Runden im Springen noch auf Bronze (120,1) vor.


Leowald: Gold beim Debüt


Schrei vor Glück – der Moment, wenn du den letzten Sprung hinter dir hast und weißt: Du bist Europameisterin! Teresa Leowald und DJ Continus wissen nun, wie sich das anfühlt … Foto: FEI/Kim C Lundin
Schrei vor Glück – der Moment, wenn du den letzten Sprung hinter dir hast und weißt: Du bist Europameisterin! Teresa Leowald und DJ Continus wissen nun, wie sich das anfühlt … Foto: FEI/Kim C Lundin

Bei den Junioren waren Teresa Leowald und DJ Continus das Maß aller Dinge. Und das in ihrem ersten Junioren-Jahr. Sie führten die Einzelwertung von der Dressur bis zum Schlusspfiff an und beendeten das Championat mit ihrem Dressurergebnis von 25,8 Minuspunkten. Die 17-Jährige war bis letztes Jahr noch im Ponysattel unterwegs. Ihr Pferd DJ Continus, ein Sohn des Diacontinus, war zuvor reines Springpferd. Erst vor rund 18 Monaten kam er zur Leowald, die ihn zum Buschpferd umfunktionierte.


Die Ausgangslage vor dem Springen war spannend: Leowalds Teamkollegin Iliane Hannalisa Hein auf Akeby’s Quemiro Silla (26,1) und die Irin Maeve Deverell mit Annaharvey Dunowen (26,8) lagen dicht an dicht. Einen Fehler konnten sie sich nicht leisten – taten sie auch nicht. Alle drei blieben fehlerfrei und beendeten das Championat mit ihrem jeweiligen Dressurergebnis – eine sportlich wie nervlich überragende Leistung!.


„Es war eine sehr schwierige Situation für mich, als letzter Reiter in den Parcours zu gehen. Aber die Bedingungen hier sind perfekt, und wir hatten eine brillante Runde“, sagte Leowald. Und: „Es war wie ein Traum. Meine ersten Junioren-Europameisterschaften – und dann zwei Goldmedaillen.“


Junior-Team: Bereits am Vormittag Gold


Das Junioren-Team hatte seinen Sieg bereits am Vormittag eingefahren: Mit 84,8 Minuspunkte holten Leowald und Hein zusammen mit Pia Sophie Schreiber auf Cliemann (Siebte, 32,9 Minuspunkte) und Milla Staade im Sattel von Christ William (27./40,5) Gold vor Irland (94,4) und Großbritannien (104,0).


Das Fazit des Equipechefs Nothofer, der Segersjö bereits von 2021 kennt: „Dieses Jahr wussten wir, dass wir ein starkes Team haben. Ich bin froh, dass wir es bis zum Ende zusammengehalten haben. Der Schlüssel zum Erfolg ist ein gutes Team hinter den Athleten und Pferden – Trainer, Tierarzt, alle arbeiten zusammen. Und wir brauchen die Mütter, Väter, Geschwister – das gesamte Umfeld.“


Einzelreiter ebenfalls top


Wie gut das funktioniert hat, zeigt sich auch an der Tatsache, dass nicht nur die Mannschafts-, sondern auch die Einzelreiter bestens unterwegs waren. Bei den Junioren beendeten Lukas Wilhelm Sühling und Allnightparty ihre erste EM auf einem starken vierten Platz mit lediglich 0,4 Zeitstrafpunkten oben drauf auf dem Dressurergebnis.


Jona Isabell Heine und Chantilly fügten ihren 31,7 Minuspunkten auf dem Viereck keinen einzigen Makel hinzu, Rang sechs.


Okay, bei den Jungen Reitern hätte sich Liv Noe Hartmann mit ihrer La Diva nach Rang sieben nach dem gestrigen Gelände sicherlich ein besseres Springergebnis als 18 Strafpunkte erhofft, aber immerhin waren sie als 21. noch im Mittelfeld dabei.


Ella Krüger und Königsblauer xx hatten ja gestern einen Vorbeiläufer im Cross, der sie ihre gute Dressurplatzierung (Achte) kostete. Heute kamen sechs Strafpunkte im Parcours hinzu. Trotzdem konnten sie sich von Rang 34 auf 30 verbessern.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


Ähnliche Beiträge

Dressur in Burghley: Ein Fast-Twen, ein enttäuschter Favorit und ein schweres Erbe
Dressur in Burghley: Ein Fast-Twen, ein enttäuschter Favorit und ein schweres Erbe Zum Artikel
Deutscher Vielseitigkeitsnachwuchs auf EM-Goldkurs
Deutscher Vielseitigkeitsnachwuchs auf EM-Goldkurs Zum Artikel
Erfolgreiches Turniercomeback für Pia Leuwer nach Babypause, Klimke mehrfach platziert in Saulieu
Erfolgreiches Turniercomeback für Pia Leuwer nach Babypause, Klimke mehrfach platziert in Saulieu Zum Artikel
WP Wehrmann Publishing