Dressur Teil zwei der Vielseitigkeits-WM in Aachen: Julia Krajewski und Nickel tanzen auf Rang eins

Julia Krajewski und Nickel übernehmen mit Traumritt die Dressurführung der Vielseitigkeits-WM, Wahler happy

Julia Krajewski und Nickel in Bestform.
Foto: sportfotos-lafrentz.de/Sharon Vandeput Julia Krajewski und Nickel in Bestform. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Sharon Vandeput
Mit einem Ritt, von dem Julia Krajewski selbst sagte, sie hätte nicht viel, was sie verbessern würde, hat sie die Führung in der Vielseitigkeits WM von Aachen übernommen.

Eigentlich hätte man sich Julia Krajewski heute auch gut im Viereck im großen Stadion vorstellen können. Der zwölfjährige Numero Uno-Sohn aus der Zucht von Hindrick Stüvel ging nicht nur korrekt (diese Geraderichtung, diese Anlehnung!, dieses Halten!!, dieses Rückwärtsrichten, dieses Angaloppieren!!!), er tanzte nur so durchs Viereck in dieser Aufgabe, die erst seit diesem Jahr geritten wird.


Julia Krajewski sagte: „In dem Wissen, dass er so gelassen bleibt, hätte ich vielleicht noch mehr Risiko gehen können.“ Aber – um eine Kollegin zu zitieren – das ist schon Jammern auf ganz ganz hohem Niveau. 22 Minuspunkte erhielten die beiden. Wie Krajewski es auf den Punkt brachte: „So macht Dressurreiten Spaß!“ Zuschauen auch.


Krajewski vor Collett


Das entspricht dem, was Julia sich vorgestellt hatte. Ihr Freund, der italienische Vielseitigkeitsreiter Pietro Roman, hatte eine andere Maxime ausgegeben. „Pietro hat gesagt, 20 wäre schon gut“, schmunzelte Julia. „Ich habe gesagt, ich versuch’s …“ Sie selbst stapelte ein bisschen tiefer. „Nein, ich wusste, eine kleine 20 kann Nickel schon gehen. Die Vorbereitung war top. Und wenn man es dann so ins Viereck bringt und die Richter das auch gut finden, das ist natürlich einfach cool!“ Hat er getan. Es sei „definitiv die beste Dressur in diesem Jahr“ gewesen, „vielleicht sogar die Beste überhaupt“.


Noch mehr als die 22 Minuspunkte spiegelt die Rangierung die Leistung wieder. Mit ihrem Ritt haben Julia Krajewski und Nickel sich nämlich vor die Europameister Laura Collett und London gesetzt, die heute 22,8 Minuspunkte erhielten, und z.B. bei der Olympiadressur in Paris 2024 schon eine 17,4 Minuspunkte-Dressur hingelegt hatten.


Ausblick aufs Gelände


Was das Gelände angeht, dem blickt Julia Krajewski recht optimistisch entgegen. „Nickel war ja schon einmal sehr gut hier in Aachen. Er scheint sich insgesamt sehr wohlzufühlen und ist bislang sehr fokussiert. Ich hoffe, das bleibt so.“


Zum Kurs sagte sie: „Ich finde den Kurs anspruchsvoll, aber sehr fair gebaut. Es gibt viele Optionen – da ist es schon besser, man hat ein Studium, um das alles ordentlich verarbeiten zu können. Ich denke, da wird genug passieren. Die Zeit ist auch nicht zu leicht zu kriegen – aber es wird genügend geben, die das gut absolvieren, und ich hoffe, wir gehören dazu.“


Ihr derzeitiger Plan ist es, die direkten Wege im mit unzähligen Alternativen ausgestatteten Cross anzupeilen. „Im ersten Moment sind die direkten Linien alle machbar für uns. Aber sie sagt auch: „Den finalen Plan – vor allem als dritter Teamreiter – macht man dann doch relativ kurz vorher, je nachdem, wie es für die anderen läuft.“


Thema Hitze


Es ist heiß heute in Aachen. Aber Nickel war nicht einmal wirklich nass geschwitzt, als er aus dem Viereck kam und war auch vorher nicht abgeschwammt worden. „Mich persönlich stört die Wärme nicht besonders“, sagte Krajewski. Ihr Tipp: „Man muss mit den Pferden viel Trinken geübt haben. Die kommen im Stall an und bekommen Wasser, bevor sie zum Abwaschen gehen. Wir wissen, wann wir Elektrolyte und Salz geben müssen. Die Pferde sind auch sehr, sehr fit. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Hitze sie negativ beeinflusst. Manchmal sind sie dadurch sogar noch ein bisschen lockerer.“


Außerdem ist ein Championat bei hohen Temperaturen weder für sie noch für Nickel etwas Neues. „Ich selbst war in Rio, Tokio und Paris – also, ich habe das Gefühl, wir trainieren mehr im Warmen als in der Kälte …“


Christoph Wahler – „Körner im Tank gelassen“


Einen super Auftakt hatte auch Christoph Wahler, der 2022 mit Carjatan S zum Goldteam von Pratoni gehört hatte und nun mit dem Hannoveraner D’Accord sein erstes Championat bestreitet. Er ritt eine solide 70,63 Prozent-Runde, umgerechnet 29,4 Minuspunkte und war „voll zufrieden“. „D’Accord war wirklich entspannt bei der Atmosphäre –  die übrigens gewaltig Spaß macht! Das hat mich von meinen bisherigen Erfahrungen am ehesten an Burghley letztes Jahr erinnert – der wunderschöne Grasplatz und die Zuschauer mit so einer Begeisterung dabei, das macht schon wirklich Spaß da rein zu reiten. Und wenn er dann so bei mir bleibt und so entspannt ist, dann zeugt das ja davon, dass wir eine ganz gute Verbindung zueinander haben.“


Wo andere schon zwei Stunden vor ihrem Dressurstart eine erste Arbeitseinheit eingelegt hatte, ließ Wahler erst mit seinem „eher gelassenen Kameraden“, wie er ihn nennt, ruhig angehen. „Ich habe heute morgen ein bisschen Schritt geführt und dann zehn Minuten Halfterlonge gemacht und dann ist er auch warm. Wir haben versucht, die Körner im Tank zu lassen und ihn optimalst darauf vorzubereiten. Ich denke, das hat er gut umgesetzt.“


Einschätzung Gelände?


„Sauinteressanter Kurs“ war die Formulierung, die Christoph Wahler für die harte Nuss fand, die Course Designer Giuseppe Della Chiesa den Reitern morgen zu knacken gibt. „Ich glaube, dass der Kurs wahnsinnig viel Konzentration von den Reitern verlangt. Natürlich auch von den Pferden, aber diesmal ist die Denksportaufgabe für uns relativ groß, jeden alternativen Weg zu kennen. Grundsätzlich soll natürlich der Plan sein, geradeaus die direkten Wege zu nehmen. Aber was passiert, wenn … Es ist natürlich ein intensiver und kein reiner Galoppierkurs.“


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