Auftakt Vielseitigkeitsdressur bei der WM in Aachen, für Deutschland mit Libussa Lübbeke

WM Aachen: Libussa Lübbeke mit solider Dressur für Deutschlands Vielseitigkeitsteam

Zufriedene Gesichter bei Libussa und Caramia nach gelungener Dressur.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Zufriedene Gesichter bei Libussa und Caramia nach gelungener Dressur. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Donnerstag ist Tag eins der Vielseitigkeitsdressur bei der WM in Aachen. Libussa Lübbeke und Caramia waren die ersten, die heute für Deutschland aufs Viereck gingen und haben eine solide Runde abgeliefert.

Die Sonne ließ Vorbereitungs- wie Prüfungsviereck für die Vielseitigkeitsdressur bei der WM Aachen in sattem Grün erstrahlen. Konzentriert ritt Libussa Lübbeke mit Caramia noch einmal Teile der Aufgabe durch, im Ohr die Stimme von Dressurtrainerin Anne-Kathrin Pohlmeier. Dann durchparieren, Gamaschen entfernen, ein letztes Mal Fliegenspray für Caramia, ein Schluck Wasser für Libussa. Ein kurzer irritierter Blick bei der Stute, als Libussas Eltern das Viereck betraten, um die Handgriffe zu erledigen. Dann erkannte die Stute „ihre“ Menschen, bei denen sie geboren ist, die sie großgezogen haben. Der Blick wird weich, die Ohren sind gespitzt. Entspannt, aber aufmerksam. So sieht Vertrauen aus. Dann ein kurzes Anklopfen am Hals von Libussa, das Signal für Caramia: Es geht los. Auf ins Stadion, Team Germany im Schlepptau.


Die Prüfung


Einreiten im versammelten Galopp, durchparieren zum Trab auf der Mittelinie zum fliegenden Start. Dann reihen sich in der Aufgabe einige Schwierigkeiten aneinander – Traversale, daraus Schulterherein auf der Viertellinie bis zum Hufschlag, dort angekommen, auf die jeweils andere Hand abwenden. Eine doppelte halbe Traversale im Galopp mit fliegendem Wechsel beim Umstellen – einige der Klippen der Aufgabe. Beides gelang nicht ganz ideal. In den Traversalen hätte Caramia deutlicher gestellt und gebogen sein dürfen. Beim fliegenden Wechsel machte sie sich etwas fest. Aber alles andere war sehr korrekt und frisch vorgestellt. Holding Box? Davon waren die Trabverstärkungen heute sehr weit entfernt.


Das Fazit


Libussas Fazit: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Pferd! Sie hat super zugehört, und es hat fast alles geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Zum Thema fliegender Wechsel sagte sie. „Das war schade. Ich hatte eine frühere Reaktion erwartet und dann war es ein bisschen spät“, räumte Libussa Lübbeke selbstkritisch ein. Was die Traversalen angeht, ist sie Realistin. „Das fällt ihr einfach ein bisschen schwer, da kann es immer noch ein bisschen steiler und noch ein bisschen geschlossener mit der Hinterhand sein.“ Doch abgesehen davon war sie super zufrieden. Das galt auch für die Richter. Sie vergaben 31,3 Minuspunkte, etwas mehr als sie im vergangenen Jahr bei ihrem Championatsdebüt im Rahmen der EM in Blenheim erhalten hatten (28,3), aber weniger als bei ihrem letzten Aachen-Auftritt (32,2).


Im Gesamtkontext liegt Libussa damit knapp hinter den ersten Mannschaftsreitern der Neuseeländer (Clarke Johnstone mit Rocket Man, 28,7), Briten (Gemma Stevens mit Flash Cooley, 29,3) und der Schweiz (Robin Godel mit Grandeur de Lully CH, 30,1).


Der Ausblick


Ob das erste Mal Holding Box noch nachgehallt hat? „Ich hätte niemals ein nicht 100 Prozent fittes Pferd vorgestellt. Wir sind hier täglicher unter tierärztlicher und physiotherapeutischer Betreuung. Wir selber haben das Pferd jeden Tag unterm Sattel fühlen uns rein und geben 100 Prozent dafür, dass es dem Pferd bestmöglich ergeht. Das war natürlich ’ne kleine Irritation und kam sehr unerwartet, aber ich hatte nicht einmal irgendwelche Zweifel, dass das Pferd nicht fit ist. Sonst hätte ich sie auch nicht an Start gebracht.“


Zumal sie die WM anders als viele andere Paare nicht schon seit langer Zeit als festes Ziel im Visier hatte. „Man hat eigentlich gar nicht so richtig damit gerechnet, hier zu sein. Aber seit der letzten Euro haben gesagt, ach Mensch, in Angriff nehmen können wir das. Die ist fit, die ist fröhlich, die hat die Zeit ihres Lebens. Nun haben wir es tatsächlich geschafft, hier zu landen und freuen uns natürlich riesig.“ Als Deutschlands Buschreiter 2006 Gold in Aachen gewannen, war Libussa noch nicht eingeschult …


Ab heute bleibt Caramias Dressursattel im Schrank. Morgen ist für sie Ruhetag, ehe es am Samstag ins Gelände geht. Ruhetag bedeutet: Springsattel drauf und auf die Galoppstrecke, ein bisschen Beine ausschütteln. Form halten, aber Kräfte schonen ist die Devise. „Wie genießen den freien Tag als Entspannungsprogramm.“


Am Samstag steht dann Gelände auf dem Programm. Libussas erster Eindruck: „Sehr intensiv – aber wir haben es auch so erwartet, gerade weil hier nicht unendlich viel Platz ist, dass man auch mal ne engere Wendung hat. Ich gaube auch, dass es sehr anspruchsvoll wird für den Reiter, mental, dass man die ganzen Alternativen im Kopf hat, dass wenn mal etwas Unerwartetes passiert, man eben nicht den Fehler macht, ein Element zweimal zu springen oder eins wegzulassen. Weil das würde am Ende sehr sehr teuer. Dementsprechend ist es ein hoher Aufwand, sich zu konzentrieren, sich einen Plan zurechtzulegen und mit dem Team abzusprechen und dann versuchen, alle zu geben.“


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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