Denoix PCH

Katharina Hemmer und Denoix bei der EM in Crozet 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
- Name: Denoix PCH
- Geschlecht: Wallach
- Jahrgang: 2012
- Rasse: Oldenburger
- Vater: Destano
- Muttervater: Pik Noir
- Züchter: Friedrich Kuhlmann
Denoix PCHs Karriere begann als Hengst. Er wurde in Vechta bei der Hauptkörung des Oldenburger Pferdezuchtverbandes gekört und prämiert. Bei der anschließenden Auktion erhielt das Landgestüt Celle den Zuschlag. Leider – oder auch zum Glück – erwiesen sich Denoix‘ Spermien jedoch als deutlich weniger bewegungsstark als der Fuchs selbst. Darum kehrte Denoix zwei Jahre später als Wallach zurück nach Vechta, um dort vierjährig über die Eliteauktion als Sportpferd veräußert zu werden.
Mit seinem schwungvollen, lockeren Bewegungsablauf und dem unerschütterlichen Takt weckte er das Interesse der US-Amerikanerin Nancy Gooding von der Plum Creek Hollow Farm in Colorado, USA, der Denoix das „PCH“ hinter seinem Namen verdankt. Die Pepsi-Erbin arbeitet seit langem mit Hubertus Schmidt zusammen. Sie gab dem Reitmeister Bescheid. Der probierte den damals vierjährigen Fuchs aus und war überzeugt. „Ende vierjährig, wenn man sie schon ein bisschen versammeln kann, fühle ich, ob das ein Grand Prix-Pferd wird“, sagt der Mannschaftsolympiasieger von 2004. Er muss es wissen. Er hat an die 80 Pferde bis zur Königsklasse gefördert. Wie viele genau, kann er selbst nicht sagen. Denoix sollte eines davon werden.
Nancy Gooding kaufte Denoix. Und weil sie gerade dabei war, erstand sie auch gleich noch ein Hengstfohlen v. San Amour, dessen Mutter keine Geringere als Weihegold OLD ist. Aus dem Hengstfohlen wurde ebenfalls ein Grand Prix-Pferd, Katharina Hemmers Louisdor-Preis Vierter Special Gold OLD. Aber das nur am Rande.
Grundausbildung von Katharina Hemmer
Denoix bezog also seine Box auf dem Fleyenhof und wurde als Youngster zunächst von der gerade frisch ausgelernten Bereiterin Katharina Hemmer auf Turnieren geritten. Sie stellte ihn sechsjährig in zwei Dressurpferdeprüfungen der Klasse M vor. Er gewann sie beide. Der Fleyenhof ist kein Verkaufsstall im eigentlichen Sinne. Das Ziel hier ist es, die Pferde bestmöglich zu fördern und möglichst Grand Prix-Pferde aus ihnen zu machen. Wenn ein Auftritt beim Bundeschampionat ins Programm passt – fein. Aber das ist kein Saisonziel. Die Pferde bekommen die Zeit, die sie brauchen. Das mag bei dem einen oder anderen Pferd Geduld erfordern. Nicht so bei Denoix. Er war ein richtiger Streber.
Anfang siebenjährig war Denoix S-fertig. Das war der Moment, in dem der Chef auch auf dem Turnier selbst in den Sattel stieg. Seine erste S-Dressur ging der Wallach nicht bei irgendeinem Heckenfest unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Hubertus Schmidt sprang mit seinem talentierten Youngster direkt ins kalte Wasser und nahm ihn mit zu den Horses & Dreams nach Hagen. Normalerweise erregen die Prüfungen der CDI1* Tour dort nicht das meiste Aufsehen. Aber in dem Jahr wurde es voll am Viereck. Noch nicht so sehr im Prix St. Georges, obwohl Denoix hier auf Anhieb Zweiter war in seiner ersten S-Dressur, der ersten Turnierprüfung auf Kandare, der ersten vor so einer Kulisse. Aber bei der Intermédiaire I hatte es sich herumgesprochen, dass es hier etwas zu sehen gibt. Denoix gewann die Prüfung, in der ganze Pirouetten und Zweierwechsel gefordert sind, mit 73,147 Prozent.
Schmidt ritt Denoix im weiteren Verlauf der Saison in Aachen in der kleinen Tour, belegte zweimal Platz drei. Siegreich war damals übrigens der spätere Weltmeister Glamourdale unter Charlotte Fry. In Verden qualifizierte er sich mit Weile für das Finale des Nürnberger Burg-Pokals. Hier belegte er Rang vier. Sieger war Total Hope, Dritter der spätere U25 Europameister Cadeau Noir, damals noch unter Lena Haßmann.
Louisdor-Preis
Mit kaltem Wasser kannte Denoix sich ja bereits aus, so wählte Hubertus Schmidt für den ersten S***-Start seines Musterschülers wieder die Horses & Dreams aus – Denoix war zweimal siegreich. Die einzige Gelegenheit, bei der er in seiner ersten Saison mit Piaffe und Passage geschlagen wurde, war das Finale des Louisdor-Preises, diesmal von Sandra Nuxoll und Bonheur de la Vie, der nun mit der Schweizerin Charlotta Rogerson auf Championaten im Einsatz ist – allerdings nicht mit dem Erfolg, der Denoix noch beschieden sein sollte. Das war übrigens ein sehr guter Louisdor-Jahrgang. Dritter wurde Dorothee Schneiders First Romance. Daniel Bachmann Andersen ritt den späteren Mannschaftsweltmeister Marshall-Bell auf Platz sieben.
In den folgenden Jahren konsolidierte Hubertus Schmidt Denoix als Grand Prix-Pferd, war regelmäßig mit gut 70 Prozent gut platziert.
Durchbruch unter Katharina Hemmer
Seit 2023 wird Denoix von Katharina Hemmer geritten. Hubertus Schmidt laborierte an einer Verletzung der Adduktoren und legte Nancy Gooding nah, ihren Wallach seiner besten Schülerin anzuvertrauen. Die stimmte erst einmal zu. Was mit einem Sieg in Freckenhorst begann, wurde schnell eine internationale Erfolgsgeschichte. Hemmer und Denoix steigerten sich von Turnier zu Turnier, traten bei den Deutschen Meisterschaften und in Aachen an. Die Krönung war das Frankfurter Festhallenturnier. Nachdem Denoix hier im Burg-Pokal und im Louisdor-Preis vorne, aber nicht ganz vorne stand, gewann er nun Grand Prix und Special der CDI5* Tour.
Es war klar, Denoix könnte Katharina Hemmers Eintrittskarte in den internationalen Spitzensport sein. Aber noch stand ein Verkauf im Raum. Bei jedem Turnier ging es für Hemmer und Denoix um ihre gemeinsame Zukunft. Doch nachdem sie schon in der ersten gemeinsamen Saison von einer persönlichen Bestleistung zur nächsten eilten, wurde wohl auch Nancy Gooding klar, dass sich hier zwei gesucht und gefunden hatten. Das Thema Verkauf war vom Tisch und die olympische Saison stand vor der Tür.
Paris wäre möglich gewesen. Aber das Dressurstadion von Aachen schien Denoix in dem Jahr gar nicht zu behagen. Er war aufgeregt, abgelenkt, blieb bei der wichtigen zweiten Sichtung deutlich unter seinen Möglichkeiten. Das Paar wurde als Reserve für Paris nominiert. Schade. Aber vielleicht sollte es so sein. Im weiteren Verlauf der Saison bestritten die beiden noch vier Turniere und gewannen alles, was es zu gewinnen gab. Es war ziemlich klar, ihre große Stunde würde noch kommen.
Das erste Championat
Nach einem Warm-Up in Lier läuteten Hemmer und Denoix die grüne Saison 2025 bei den Horses & Dreams mit einem Paukenschlag ein: Sieg im Grand Prix und in der Kür. Bei den Deutschen Meisterschaften ließen sie dann mit zwei dritten Plätzen in Grand Prix und Special keinen Zweifel an ihrem Anspruch auf einen Teamplatz aufkommen. In Aachen bestätigten sie den Eindruck als drittbestes deutsches Paar und Fünfte der Grand Prix- und Special-Gesamtwertung.
So vorbereitet ging es zum ersten gemeinsamen Championat nach Crozet. Bereits im Grand Prix verbuchten die beiden einen neuen persönlichen Rekord mit 75,699 Prozent. Damit waren sie zweitbestes deutsches Paar und hatten somit wesentlichen Anteil am Mannschaftsgold. Den Vogel schossen sie aber im Grand Prix Special ab. Es war eine Vorstellung aus einem Guss. Denoix floss nur so von Lektion zu Lektion. Hemmer konnte ihn mit feinsten Hilfen am Zwirnsfaden reiten (wobei das eigentlich immer das Markenzeichen der beiden ist). Es war ein Gänsehautritt, und wäre es nach Chefrichterin Katrina Wüst bei C gegangen, hätten die beiden damit die Silbermedaille gewonnen. Auch die Kollegen bei K und E, Janet Foy (USA) und Dr. Hans-Christian Matthiesen (DEN), sahen sie auf den Medaillenplätzen. Monica Theodorescu sagte noch Anfang 2026, dieser Ritt sei ihr „Pferdemoment des Jahres 2025“ gewesen. Aber letztlich wurde es knapp geschlagen Rang vier hinter Justin Verboomen auf Zonik Plus, Cathrine Laudrup-Dufour mit Freestyle und Isabell Werth mit Wendy.
Die drei waren in den letzten Jahren die dominierenden Paare der Einzelwertungen zusammen mit der Britin Charlotte Fry auf Glamoudale, der letztes Jahr in Crozet allerdings gar nicht in weltmeisterlicher Form war. Man wird sehen, ob Hemmer und Denoix bei der WM noch einmal eine solche Sternstunde wie in Crozet gelingt und ob die Richter diesmal darauf eingestellt sind.