CDI4* Grand Prix von Hagen an Katharina Hemmer und Denoix vor Werth und Viva Gold
Visitenkarten-Auftritt von Katharina Hemmer und Denoix in Hagen
Purzel lässt Steine vom Herzen purzeln – wichtiger Grand Prix-Sieg für Katharina Hemmer und Denoix in Hagen.
Foto: Sportfotos-lafrentz.de So heiß wie es am vergangenen Wochenende war, so verregnet war es zum Teil heute in Hagen a.T.W.. Das machte Katharina Hemmer und Denoix nichts aus. Wo bei anderen Stress aufkam und die Fehler sich häuften, zog „Purzel“ unbeeindruckt seine Runden.
Der Auftritt des 14-jährigen Oldenburger Destano-Sohns war mit Spannung erwartet worden. Schließlich fehlte er bei den Deutschen Meisterschaften in Balve, der ersten verpflichtenden Sichtung für die Weltmeisterschaften in Aachen. Doch es war von Anfang an klar, dass bei entsprechender Leistung in Hagen ein WM-Start nicht ausgeschlossen wäre. Die Leistung haben die beiden im heutigen Grand Prix erbracht, der Aufgabe, in der in Aachen die Mannschaftsmedaillen verteilt werden.
Denoix präsentierte sich losgelassen und elastisch, auch wenn Katharina Hemmer in den Verstärkungen längst nicht alles riskierte. Auf der Haben-Seite waren beispielsweise der gelungene versammelte Schritt, das durchlässige Rückwärtsrichten, die Serienwechsel, Zick-Zack-Traversalen und Pirouetten. Vor der ersten Piaffe kam leichte Spannung auf und dadurch ein Taktfehler. Die Piaffe gelang aber gut. Alles in allem war das ein sehr gelungener Auftritt der beiden und die 77,022 Prozent hatten sie sich voll verdient.
Weihegold-Enkel vor Weihegold-Sohn

Es ist noch nicht allzu oft vorgekommen, dass sich Isabell Werths Piaffe-Passage-Talent Viva Gold in einer Siegerehrung nicht ganz links auf Platz eins steht. Doch heute musste er Denoix den Vortritt lassen. 76,239 Prozent gaben die Richter für die Vorstellung, in der die Hand der Reiterin teilweise rückwärts einwirkte und der Trab mitunter an Gleichmaß vermissen ließ. Patzer in den doppelt zählenden Einerwechseln und Zick-Zack-Traversalen waren auch doppelt teuer. Über jeden Zweifel erhaben ist das außergewöhnliche Talent für die Lektionen höchster Versammlung, das der erst zehnjährige Hengst mitbringt. Aber auch hier wünschte man sich mehr Schwingen über den Rücken und durch den Körper. Es wurde Rang zwei für den Vivaldi-Sohn aus der Weihegold-Tochter Weihronce v. For Romance.
Auf Rang drei reihte sich mit Total Hope v. Totilas dann ein direkter Weihegold-Sohn ein, wie immer vorgestellt von Isabel Freese, Norwegens Dressur-Exportschlager. Freese lebt bekanntlich schon lange in Deutschland und ist für die Dressurpferde von Paul Schockemöhle zuständig. So eben auch für Total Hope, den sie über Siege in Burg-Pokal und Louisdor-Preis in den großen Sport gebracht hat und mit dem sie schon olympische Erfahrungen gesammelt hat. Heute kamen die beiden auf 74,783 Prozent, wobei sie vor allem im Galopp punkten konnten. Höhepunkten in der zweiten Hälfte der Prüfung standen Momente gegenüber, in denen der Hengst auf die Vorhand kam, eng wurde und deutlich sperrte.
Weitere Paare, die auffielen
Über Platz vier konnten sich Raphael Netz und Dieudonné freuen. Der erste Teil der Trabtour gelang „Raphi“, der ja morgen im Nationenpreis mit Great Escape Camelot für Charlott-Maria Schürmann und Dante’s Pearl einspringt, mit tollen Verstärkungen, fließenden Traversalen und schönen Passagen. In den Piaffen beginnt der Wallach besser als früher, mit der Hinterhand wirklich Last aufzunehmen und die Hanken zu beugen. Noch geht das etwas auf Kosten der Aktivität, aber das dürfte nur eine Frage der Kraft sein. Er ist auf dem besten Weg. Leider kam in der Galopptour Spannung auf, was sich besonders in den Einerwechseln bemerkbar machte. Die Linkspirouette gelang gut, die rechte hätte mehr Hankenbeugung und Lastaufnahme vertragen und in den Zick-Zack-Traversalen hätte man sich mehr Stellung und Biegung gewünscht. Alles in allem erzielten die beiden 72,283 Prozent.
Den bislang besten Auftritt der Saison, nicht nur was die Noten angeht, zeigten Lisa Müller und ihr Hannoveraner Don Juan de Hus-Sohn D’Avie mit einer 71,261 Prozent-Runde. Es gelang Müller, den Hengst geschlossen und beinahe fehlerfrei zu präsentieren. Ein Manko sind Piaffen und Passagen, in denen D’Avie hinten zwar aktiv abfedert, das aber mit hoher Kruppe und auf der Vorhand stützend. Insgesamt wünschte man sich die Bewegungsenergie mehr von hinten nach vorne durch den Körper fließend.
Letzteres ist etwas, das man sowohl Dr. Svenja Kämper-Meyer und Amanyara M als auch Tobias Nabben mit Forster bescheinigen kann. Das Aber bei Kämper-Meyer und ihrer selbst gezogenen Ampere-Stute: Man wünschte sich eine losgelassenere Oberlinie. Forster zeigte eine sehr schöne Trabtour mit nach klassischen Maßstäben äußerst gelungenen Piaffen. Allerdings war das Halten vor dem Rückwärtsrichten offen und in den Einerwechseln sprang er einmal nicht mit. Ingesamt wünschte man sich in der Galopptour jene Lastaufnahme und Hankenbeugung, die der Wallach in den Piaffen zeigt. Mit 70,782 und 70,5 Prozent reihten sie sich auf den Plätzen sechs und sieben ein.
Dahinter belegten Benjamin Werndl und Quick Decision mit 70,304 Prozent Rang acht. Werndl war sehr bemüht, immer wieder das Genick zu öffnen und den Wallach vor sich zu bekommen, was ihm zum Teil auch gelang, etwa in der Galoppverstärkung mit deutlicher Rahmenerweiterung und sehr gelungener Rückführung auf dem Hinterbein. Allerdings war das Maul des Quaterhall-Sohn trotzdem häufig offen und unruhig. Sehr schön gelangen den beiden auch die Pirouetten und die Schlusslinie. Die ersten beiden Piaffen ließen Aktivität vermissen und waren zum Teil nicht sicher ausbalanciert.
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