Premier Jumping League (PJL) erhält FEI Genehmigung vor der ersten Saison 2027
Premier Jumping League von der FEI anerkannt und erstes 50 Mio. Dollar Team – noch ohne Reiter

Mit der FEI Anerkennung sind die Regeln und Vorschriften der Liga offiziell abgesegnet. Pro CSI5*-Turnierwochenende sollen Preisgelder in Höhe von einer Million US-Dollar ausgeschüttet werden. Die Premier Jumping League könnte damit der Global Champions Tour den Rang als lukrativste Springsportserie ablaufen.
Was zunächst recht nebulös klang, hat nun immerhin die offizielle Anerkennung der FEI. Und den ersten Teambesitzer.
Erster Franchise-Verkauf: 50 Millionen Dollar
Kurz vor der FEI-Genehmigung wurde bekannt, dass das McCarthy Jumping Team einen Teamplatz in der PJL für 50 Millionen US-Dollar erworben hat – ein Betrag, den die Liga als höchste je für einen Teamkauf in einer noch nicht gestarteten Sportliga gezahlte Summe bezeichnet. Käufer ist Jason McCarthy, MIT-Absolvent und Gründer des Investmentunternehmens Five Rings Capital.
Welche Reiter McCarthy in seinem Team haben wird, ist allerdings noch nicht klar. Wie die Pressesprecherin der PJL auf Nachfrage mitteilt, werden die Reiter Anfang November 2026 den Teams per Losverfahren zugeteilt. Verfügbar sind dabei ausschließlich die 250 besten Reiter der Weltrangliste.
Auf Nachfrage, ob das bedeute, dass man sich für 50 Millionen Euro ein Team kauft und dann nicht sicher sein kann, welche Reiter man bekommt, hieß es: „Die Teameigentümer verhandeln Verträge direkt mit den Reitern – der Erwerb des Teams sichert nicht die Reiter.“
So soll die PJL ablaufen
16 Teams bestreiten die Saison; während einer Saisonpause sind Transferwechsel möglich. Die Teams auf den Plätzen 15 und 16 scheiden nach der Saison automatisch aus, die Erstplatzierten und Zweitplatzierten ziehen direkt ins Finale ein. Zwölf Teams nehmen an Playoffs teil, sechs qualifizieren sich fürs Finale. Dort wird um einen Anteil an einem verbleibenden Preisgeldtopf von 100 Millionen US-Dollar geritten. Die garantierte Gesamtsumme für die ersten drei Ligajahre beträgt 300 Millionen US-Dollar.
Folgendermaßen sollen die jeweils drei Turniertage der PJL Wochenenden ablaufen.
Tag 1 – die Einzelwertung als Grundlage
Alle Reiter aller Mannschaften starten nacheinander im Parcours. Ihre Ergebnisse werden anschließend pro Mannschaft zusammengezählt. Daraus entsteht eine Mannschaftsrangliste, die festlegt, in welcher Reihenfolge die Teams am nächsten Tag gegeneinander antreten.
Tag 2 – der Mannschaftswettbewerb mit Ausscheidungsrunden
Auf Grundlage der Platzierungen vom Vortag treten die Mannschaften direkt gegeneinander an. Im ersten Umlauf reiten noch alle Teilnehmer. Danach schickt jede Mannschaft nur noch einen einzigen Reiter mit einem Pferd auf einen verkürzten Kurs – und das über mehrere Ausscheidungsrunden hinweg, bis in Runde vier die Entscheidung fällt. Wer zu viele Fehler macht oder zu langsam ist, scheidet aus.
Tag 3 – das Abschlussspringen
Den Abschluss bildet ein klassisches Einzelspringen auf 1,60 Meter Hindernishöhe, für das 700.000 US-Dollar Preisgeld ausgeschüttet werden. Die Startreihenfolge richtet sich nach dem Mannschaftsstand vom Vortag.
Was sich die PJL auf die Fahnen schreibt, ist, dass sie bewusst nur am dritten Tag über maximale Abmessungen springen lässt, um die Belastung der Pferde zu reduzieren.
Neil Moffitt, CEO der PJL, sagt:
„Diese Genehmigung ist das Ergebnis eines konstruktiven und kooperativen Dialogs mit der FEI. Die PJL hat nicht das Ziel, den Springsport neu zu erfinden oder das bestehende System zu stören. Unser Ziel ist es, den Sport auf eine Weise zu präsentieren, die seine Integrität schützt, sein Erbe respektiert und größere Chancen für alle Beteiligten schafft. Es geht darum, den Springsport neben anderen Elitesportarten zu positionieren – nicht als Nischendisziplin, sondern als international vermarktbares Sportprodukt. Ich möchte der FEI für ihr positives Engagement danken und freue mich darauf, das nächste Kapitel aufzuschlagen.“
Hintergrund: Frank McCourt und die Geschichte hinter der PJL
Die PJL geht auf die Initiative des US-amerikanischen Unternehmers Frank McCourt zurück, der im Springsport kein Unbekannter ist. 2014 erwarb McCourt über sein Investmentvehikel McCourt Global einen 50-prozentigen Anteil an der Global Champions Tour (GCT) – der bis dato kommerziell bedeutendsten Springsportserie, gegründet vom niederländischen vierfachen Olympiateilreiter und Mannschaftsgoldmedaillengewinner von 1992, Jan Tops. Die Partnerschaft verschaffte McCourt einen mehrjährigen Einblick in Strukturen und Mechanismen des internationalen Springreitsports.
2020 verkaufte McCourt seinen GCT-Anteil für rund 169 Millionen Euro an die Tennor-Gruppe des deutschen Investors Lars Windhorst. Der Verkaufsprozess verlief nicht reibungslos: Windhorst versuchte, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, McCourt reagierte mit rechtlichen Schritten. Der Streit wurde außergerichtüch beigelegt, die Transaktion abgeschlossen.
Nun kehrt McCourt mit der PJL in den Springsport zurück – diesmal als alleiniger Macher. McCourt Global steht als finanzieller Rückhalt hinter der Liga und garantiert den Preisgeldrahmen von 300 Millionen US-Dollar für die ersten drei Jahre.
Wer ist Neil Moffitt?
Interessant ist, dass McCourt Neil Moffitt als CEO angeheuert hat, denn auch der hat eine Vergangenheit in der Global Champions League als Eigentümer der London Knights, die 2018 und 2019 die Serie und 2021 die Play-Offs gewannen. Auch steckte er 2016 noch hinter Valkenswaard United, dem ersten Siegerteam der League, zu dem damals auch Moffitts Tochter Emily gehörte. Zudem bringt Moffitt mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung in der globalen Unterhaltungs- und Hospitality-Branche mit.
Moffitt ist u.a. in der Pferdewelt auch bekannt als Eigentümer der Poden Farms, für die Ben Maher früher ritt. Unter anderem gehörte den Poden Farms Mahers Superstar Explosion W, mit dem der Brite neben seinem Olympiasieg 2021 in Tokio große Erfolge für das Team der London Knights von Moffitt in der Global Champions Tour bzw. League feierte. Maher trainierte auch Moffitts Tochter Emily.
2019 trennten sich die Wege von Maher und Moffitt und Explosion W wurde an Mahers Mäzeninnen Pamela Wright und Charlotte Rossetter verkauft – eine Zusammenarbeit, die bis heute besteht.
Moffitts Erfahrungen als Unterhaltungsunternehmer und Pferdesportinsider dürfte ihn für die Leitung einer Liga empfohlen haben, die erklärtermaßen beides verbinden will.
Über die Premier Jumping League
Die PJL soll eine Liga mit 16 Teams werden, die ab 2027 an 14 Austragungsorten in Nordamerika, Europa und dem Nahen Osten stattfinden soll. Sie wird von McCourt Global finanziert und kooperiert mit Box to Box Films, der Produktionsfirma hinter der Netflix-Formel-1-Doku-Serie „Drive to Survive“. Das Übertragungsmodell setzt auf Free-to-View-Zugänge.