Nach 2025 auch 2026: Isabell Werth und Wendy Deutsche Meister im Grand Prix Special
Werths Weg zum 19. DM-Titel in Balve
Wendy bescherte Isabell Werth den 19. deutschen Meistertitel. Foto: sportfotos-lafrentz.de Nach der ersten Hälfte der Deutschen Meisterschaft im Grand Prix Special von Balve lag Isabell Werth mit Viva Gold in Führung. Abgeben musste der Louisdor-Preis Sieger 2025 sie nur an seine Stallkameradin Wendy de Fontaine, die Titelverteidigerin.
Die zwölfjährige Sezuan-Tochter zeigte sich heute leichter in der Anlehnung als noch im Grand Prix und insgesamt losgelassener mit viel mehr Ruhe. Die Übergänge zwischen Passagen und starkem Trab zum Beginn des Grand Prix Special waren geprägt von hohem Gleichmaß in den Passagen, aber gelaufenen Verstärkungen.
Das Highlight der Aufgabe waren die zweite und die letzte Piaffe, wo die Stute wirklich reell zum Tragen kam und Werth die Hand vorlassen konnte.
Davon profitierte auch der Galopp, wo die Stute heute deutlich besser im Durchsprung war. Die 15 Einerwechsel auf der Diagonalen glückten heute nicht nur, sie waren richtig gut! Das galt prinzipiell auch für die auf der Mittellinie, wo die Stute einen allerdings hinten nicht durchsprang. In den Zweiern hatte sie einen Aussetzer. Werth: „Da wollte ich noch einmal geraderichten. Das hätte ich besser bleiben lassen, denn sie war so bis in die Haarspitzen empfindlich …“ Auf der letzten Linie setzte das Paar noch ein Ausrufezeichen.
Ergebnis: Deutsche Meister im Grand Prix Special mit 81,510 Prozent, Isabell Werths 19. nationaler Titel. Ihr persönliches Fazit: „Weg von der Kontrolle hat uns sehr viel weitergebracht.“
Der Silber-Freddy

Sein sechstes DM-Silber, das vierte im Grand Prix Special und die achte DM-Medaille insgesamt holte Frederic Wandres heute mit seinem super zuverlässigen Bluetooth OLD.
Der 16-jährige Bordeaux-Sohn präsentierte sich mit viel Dynamik zu Beginn der Aufgabe, zog zur Hand und war stabil in der Anlehnung. Einen Aussetzer hatten die beiden in den Einerwechseln. Ansonsten verstand Wandres es einmal mehr, das Maximum aus dem herauszureiten, was Bluetooth ihm anbot und was ihm möglich ist. Ergebnis: 77,686 Prozent.
Bronze für die Shooting Stars

Strahlende Bronzemedaillengewinnerin war Charlott-Maria Schürmann mit ihrer wunderbaren Dante’s Pearl. Die elf Jahre junge Dante Weltino-Tochter ist ein von hinten nach vorne gearbeitetes Pferd, das bei losgelassenem Rücken reell ans Gebiss herantritt. Das Resultat sind eine mustergültige Anlehnung und ein entsprechendes Seitenbild. Das, gepaart mit den überragenden Bewegungsmöglichkeiten der Stute in Trab und Galopp (der Schritt war nicht immer klar im Viertakt), führt zu Auftritten, die Gänsehautmomente bescheren.
Diese Geschmeidigkeit und Balance in den Traversalen, diese aus einem reell tragenden Hinterbein entwickelten Verstärkungen, die gesamte Galopptour usw.
Kleine Abers, die heute die Bewertung drückten: die zweite Piaffe, in der die Stute einmal stockte – ein kommunikatives Missverständnis, wie Charlott Schürmann später einordnete. Auf der letzten Linie zeigte die Rappstute denn auch, dass sie eigentlich inzwischen sicher piaffieren kann. Und in der zweiten Pirouette, eigentlich eines der Highlights der Stute, verlor sie einmal kurz das Gleichgewicht und sprang hinten beidbeinig.
Alles in allem wurden es 76,431 Prozent. Schürmann: „Pearly ist ein Once in a life time Horse!“ Das morgen seine erste Kür geht. Die wurde gerade rechtzeitig fertig. Das musikalische Thema: „Year of the Fire Horse“. Passend für die beiden Shooting Stars.
Der verhinderte Vize-Meister

In der Gesamtwertung der Prüfung war Schürmann Vierte hinter Isabell Werths beiden Pferden und Frederic Wandres. Viva Gold OLD hatte 77,686 Prozent erhalten. Der wunderschöne Vivaldi-Sohn stand in der ersten Hälfte der Prüfung noch deutlich unter Strom. Er hatte es eilig, im starken Trab ebenso wie in der Linkstraversale. Dann schien er langsam auf dem Viereck anzukommen und durchzuschnaufen. Die Piaffen waren gesetzt, aktiv und klar im Takt, in der Vorhand jedoch ganz leicht rückständig. Aber das ist schon Meckern auf sehr hohem Niveau. Ebenso geschlossen und taktsicher zeigte er sich in der Passage. Die Übergänge waren mühelos. Ein Aussetzer in den Zweierwechseln war der einzige wirkliche Lektionsfehler.
Der erweiterte Kreis
Wer fährt zur WM nach Aachen? Das ist die Frage, die dieses Wochenende über allem schwebt. Schließlich ist Balve die erste offizielle Sichtung, und das Fragezeichen hinter den EM-Goldpferden Denoix von Katharina Hemmer und Vayron von Ingrid Klimke hat die Türen für die Nachrücker weit geöffnet. Zumal mit Jessica von Bredow-Werndls Kismet und Benjamin Werndls Quick Decision – der in der Nacht noch einen weiteren Fieberschub hatte, wie Bundestrainerin Monica Theodorescu berichtete – die Nachwuchspferde von zwei weiteren championatserfahrenen Reitern in Balve ausfielen.
Eine, die sich Hoffnungen machen kann, ist Semmieke Rothenberger mit dem 16-jährigen Jazz-Sohn Farrington. Sie zeigten auch heute wieder eine alles in allem sehr korrekte Vorstellung, bei der man sich mehr Handunabhängigkeit und deutlich mehr Engagement in den Verstärkungen gewünscht hätte. Aber 74,569 Prozent machten sie zum fünftbesten deutschen Paar dieser Prüfung und dem viertbesten der DM, also einer Teamkandidatin, müsste heute nominiert werden.
Eine weitere Sichtung wird es noch beim Nationenpreisturnier in Hagen am ersten Juli-Wochenende geben. Wer dort in der Mannschaft geht, wird heute Abend entschieden.
Netz-Kompetenz mal zwei
Einer, der ebenfalls zum Kreis der WM-Kandidaten zählt, ist Raphael Netz, der Meister des feinen Reitens. Und nicht nur des feinen, sondern auch des effektiven Reitens. Wie Monica Theodorescu sagt: „Raphi reitet sehr präzise und weiß, mit welchem Pferd er an welcher Stelle er Punkte holen kann.“
Das gelang ihm auch heute wieder. Mit Great Escape Camelot wurde er Sechster (74,235), mit Dieudonné Siebter (73,796).
Der 15-jährigen Johnson-Sohn Great Escape Camelot zeigte herrlich fließende, geschmeidige Traversalen. Die Passage war wie ein Metronom. In den Verstärkungen – früher immer etwas eilig – konnte Camelot die Tragkraft heute reell in Schub umwandeln. Die Piaffen sind nicht die Stärke des Wallachs, aber Netz macht das Beste draus. Alles in allem war es eine super Prüfung und Netz lobte Camelot begeistert, als er geschlossen bei G zur letzten Grußaufstellung kam. Zu Recht.
Dieudonné stand seinem Stallgefährten in nichts nach. Super geschmeidig, leichtfüßig und kadenziert zeigte er sich in der ersten Häfte der Trabtour, dabei taktischer und mit viel Abdruck aus dem Hinterbein. Im starken Schritt kam er gelassen zum Schreiten, in den Piaffen zeigte er sich deutlich verbessert in Sachen Hankenbeugung und Lastaufnahme. Luft nach oben war noch in den schwankenden Einerwechseln und den noch nicht ganz ausbalancierten Pirouetten. Leider gab es auf der letzten Linie ein Missverständnis, als Dieudonné bei X meinte, er sie schon fertig und erst nach energischer Aufforderung durch Netz in die Piaffe fand.
Toller Erfolg für Nabben
Immer zuverlässiger und stabiler präsentiert sich Tobias Nabbens Finest-Sohn Forster, der ebenfalls seine erste internationale Saison geht. Gäbe es einen Sonderpreis für das motivierteste und zufriedenste Pferd, er wäre ein heißer Anwärter. Immer schön in der Anlehnung, immer mit dem Genick als höchstem Punkt tanzte er mühelos durch die Aufgabe. Was noch fehlt, ist die Dynamik. Aber der achte Platz 73,686 Prozent waren ein toller und verdienter Erfolg für das Paar.
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