Zuccini MN – „immer unterm Radar …“

Zuccini MN und Ben Leuwer in Marbach 2026. Foto: Jan Frohne
- Name: Zuccini MN
- Geschlecht: Gelding
- Jahrgang: 2017
- Rasse: Holsteiner
- Vater: Zuccero
- Muttervater: Cassini I
- Züchter: Marko Neeth
- Größte Erfolge: CCI4*-S
Manchmal spielt das Schicksal in Karrieren eine Rolle, nicht selten bei besonderen Pferden. So ist es auch bei dem Holsteiner Wallach Zuccini MN. Der Schimmel, ein Zuccero-Sohn, hätte eigentlich über die Auktion des Holsteiner Pferdezuchtverbandes verkauft werden sollen – allein, so richtig begeistern wollte sich keiner für den jungen Schimmel. So nahm Züchter Marko Neeth seinen Zuccini erst einmal wieder mit nach Hause. Und irgendwann bekam ihn Neeths Nachbar, Hendrik von Paepcke, zu Gesicht. Der Olympiasiebte der Spiele von Atlanta 1996 war sofort angetan von der Art und Weise, wie der Schimmel die Geländesprünge auf dem Platz auf Hof Bredeneek absolvierte. Kurz entschlossen besprach er mit Bundestrainer Peter Thomsen, ob dieser den Wallach einmal eine Woche ausprobieren möchte. Gesagt, getan.
Getestet und für gut befunden
Der Schimmel kam auf den Hof des Bundestrainers an die dänische Grenze, und überzeugte. Anschließend erwarb Familie von Paepcke gemeinsam mit der Familie Schmidt Staade den Schimmel. Hendrik von Paepcke sagt, noch heute schaue er immer wieder gerne auf das Video, dass damals am besagten Tag bei ihm auf dem Geländeplatz entstanden ist. „Vieles von dem, was jetzt da ist, war damals schon zu sehen.“ Vor allem sei es die Einstellung, die ihn von Anfang an begeistert habe und weil er zu Ben und Pia Leuwer über ein anderes Pferd schon einen guten Draht hatte, entschied er sich, dass der Schimmel zu Ben Leuwer in Ausbildung gehen sollte. Leuwer hatte den Hannoveraner C’est la vie von von Paepcke übernommen, nachdem Hendrik von Paepcke ihn selbst noch 2014 beim Bundeschampionat geritten hatte.
von Paepecke/C’est la vie/Leuwer/Zuccini MN
Nach Erfolgen auf Drei-Sterne-Niveau hatte von Paepcke seinerzeit den Wallach in die USA verkauft, wo er sportlich super eingeschlagen war. Unter anderem gewann C’est la vie mit Woods Baughman die amerikanische Meisterschaft im Nachwuchsbereich. Später ging der Hannoveraner, ein mütterlicher Halbbruder zu Christoph Wahlers D’Accord FRH, auch in Burghley und in Lexington bei den CCI5*-L an den Start.
Ben Leuwer erinnert sich noch genau an den Anruf von Hendrik von Paepcke. „Wir haben hier ein Pferd, das du sehen solltest. Ich glaube aber, du wirst ihn vom Typ nicht mögen“. Ben Leuwer, hochaufgeschossen, fuhr in den Norden und sah das erste Mal Zuccini. Der Einschätzung von von Paepcke konnte er nur zustimmen, der Funke sprang nicht über. „Der stand da, groß und schlacksig auf der Stallgasse…“ Aber als es dann ans Springen ging, änderte sich Leuwers Meinung. „In der kleinen Halle hat er einen guten Job gemacht“, erinnert sich Ben Leuwer. ”„Und“, fügt er schmunzelnd hinzu, „es gab kein Argument gegen ihn.“
Warum Zuccini auf das „h“ verzichtet
„Manchmal kommen Pferde zu einem“, sagt Ben Leuwer. Im Fall von Zuccini - das fehlende h ist Absicht – war das so. „Ich habe damals gesagt, wenn wir ihn kaufen, dann korrigieren wir den Rechtschreibfehler.“ Doch die Besitzer, neben den von Paepckes die Familie Staade, deren Tochter Milla bei Ben trainiert und deutsche Meisterin und Vize-Europameisterin bei den Ponys war, wollten nicht umtaufen. „Das bringt Unglück.“
Somit kam der ranke Schimmel mit dem fehlerhaften Gemüsenamen zu Ben Leuwer in den Stall. Fünfjährig machte der Holsteiner, der übrigens aus dem Stamm von Christian Ahlmanns Dominator Z sowie den Hengsten Duplexx und Lord Liberty hervorgegangen ist, wieder einen „super Job“ – und zwar auf dem Bundeschampionat, Finale.
Sechsjährig Kolik-OP
Im folgenden Jahr sorgte Zuccini für einen Schreckensmoment: Ben und Pia Leuwe waren auf dem Turnier als eine Pflegerin anrief, weil ihr der Schimmel seltsam vorkam. Als die Bauschmerzen nicht nachließen, fackelte sie nicht lange und verlud den Schimmel. In der Klinik war schnell klar: Zuccini muss operiert werden. Dr. Carsten Rohde machte die Dinglichkeit klar: „Wir können nicht lange warten.“ Der Darm war verdreht. OP und Nachsorge verliefen optimal. Heute kann man nicht einmal mehr die Narbe erkennen.
Nachdem der Holsteiner wieder antrainiert war, fand er schnell wieder zur Form zurück. Was ihn auszeichnet? „Sein Wahnsinns-Mindset“, sagt sein Reiter. „Zuccini ist witzig, will gefordert sein und hat Bock auf Arbeit“. Alles Tugenden, die gut sind für beständige Erfolge. Die stellten sich schnell ein, auch weil der Wallach bis auf ein einziges Mal noch nie einen Fehler im Gelände hatte. Mittlerweile ist das Paar bis CCI4*-S erfolgreich, zählte zum Nationenpreis-Team im Mai 2026 in Marbach. Dort gab es im Gelände einen Vorbeiläufer.
Dennoch gilt die Devise für Zuccini, die Ben Leuwer so zusammenfasst:
Er läuft immer unterm Radar, fällt niemandem auf und ist immer platziert.
Wann das Paar die erste lange Prüfung auf Vier-Sterne-Niveau bestreiten wird, ist noch nicht klar. 2026 ist Zuccini neun Jahre alt. Seine Zeit wird kommen. Und Zeit wird ihm gegeben, auch dank der Unterstützung der Initiative Road2LA.