„Heiße Eisen“ – „Junge Pferde im Turniersport: Förderung oder Überforderung?“
FN-Diskussionsforum „Heiße Eisen“ – Jungpferdeausbildung im Fokus
Siebenjährig und S-Dressur – zu früh oder okay bei entsprechender Herangehensweise? Um solche Fragen ging es bei der zweiten FN-Diskussion "Heiße Eisen". Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de Der „Heiße Eisen“ Abend in der Verbandszentrale in Warendorf begann für die rund 50 Besucher mit der Nachricht, dass anders als angekündigt doch kein PETA Vertreter auf dem Podium sitzen wird. Eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung kam eine entsprechende E-Mail seitens der FN, in der von einem plötzlichen Todesfall im näheren Familienkreis der vorgesehenen Podiumsteilnehmerin die Rede war. Dann eben ohne PETA.
Dafür hatte Verbandspräsident Martin Richenhagen als Gastgeber des Abends seine Parson Russell Terrier-Hündin Lotti mitgebracht, zarte drei Monate alt. Zur Diskussion trug sie wenig bei, dafür war sie niedlich. Richenhagen legte sie vor sich auf den Tisch und dort verschlief Lotti den größten Teil des Abends. Aber das nur am Rande.
Wal-Retterin meets Jungpferde-Diskussion
Die Rolle des „Bad Cop“ auf dem Podium kam somit allein der Dr. Kirsten Tönnies zu, wie FN-Geschäftsführer Dr. Dennis Peiler als Moderator sagte: „bekannt aus Funk und Fernsehen“. Die Tierärztin mit eigener Kleintierpraxis steht immer gerne für Interviews aller Art zur Verfügung – sei es im Bereich Tierversuche, Tiere in der Landwirtschaft, Reitsport oder wie jüngst auch bei der Walrettung. Das war denn auch die erste Frage, die FN-Präsident Richenhagen ihr stellte: „Wie geht’s Timmy?“ Die Antwort wartete er allerdings nicht ab.
Mit Tönnies auf dem Podium saßen außerdem:
- die Tiermedizinerin Prof. Dr. Christine Aurich, Leiter des veterinärmedizinischen Instituts der Universität Wien und der dortigen Pferdeklinik sowie des Graf Lehndorff-Instituts für Pferdewissenschaften in Neustadt/Dosse, die sich u.a. intensiv mit der Erforschung artgerechter Jungpferdeausbildung beschäftigt hat,
- Reitmeister Martin Plewa, ehemaliger Bundestrainer der deutschen Vielseitigkeitsreiter und Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule, Mitautor der Richtlinien für Reiten & Fahren,
- Wilken Treu als Geschäftsführer des Hannoveraner Verbandes als Vertreter der Zuchtverbände und
- Ingo Pape als Züchter, Aufzüchter, Hengsthalter und Betreiber eines hoch erfolgreichen Ausbildungs- und Turnierstalls.
Markige Sätze zur Einstimmung
Um auf das Thema des Abends einzustimmen, hatte die FN Videoaufnahmen vorbereitet. Der Pferdefachtierarzt Dr. Hermann Josef Genn kam hier zum Thema Jungpferdeausbildung zu Wort und mahnte, dass man bei drei- und vierjährigen Pferden erst so spät wie möglich und so wenig wie möglich aussitzen solle, weil dies eine große Belastung für das Kreuz-Darmbeingelenk des Pferdes darstellt. Den Züchtern gab er mit auf den Weg, ihren Fohlen so viel Bewegung wie möglich zu verschaffen – und das in der Ausbildung der Pferde beizubehalten. Sein Wunsch an die Ausbilder: zuhause keine Trabverstärkungen üben. Sein Appell an die Richter aus Sicht des Tierarztes: die Natürlichkeit der Grundgangarten beachten.
Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen hat es in seiner langjährigen Tätigkeit als Ausbilder sowohl mit zwei- als auch mit vierbeinigem Nachwuchs zu tun und erinnerte u.a. daran, dass gerade bei jungen Pferden die Erfahrung des Reiters eine große Rolle spiele, um den Pferden Sicherheit zu geben.
Halte deine Feinde näher als deine Freunde
Nach den Videoeinspielern hatte Martin Richenhagen als Gastgeber das Wort und rechtfertigte angesichts der Beschwerden im Vorfeld der Veranstaltung noch einmal die Entscheidung, Vertreter von PETA und Dr. Kirsten Tönnies als bekennende Kritikerin des Sports aufs Podium zu holen. „PETA haut uns permanent einen rein. Da ist die Forderung, das Reiten komplett zu verbieten. Ich bin der Meinung, das sollten wir uns nicht bieten lassen. Aber man kann nur mit Leuten ins Gespräch kommen, die man auch sieht. Man muss vernünftig gegenargumentieren.“
Dann ging er auf PETA als Institution ein: „PETA hat sieben Mitglieder in Deutschland, denn so viele braucht man, um einen Verein gründen zu können. Sie sammeln hier Gelder ein, die nach England überwiesen werden, wo PETA eine Firma ist, die die Gelder an ihre Aktionäre ausschüttet. Einen praktischen Beitrag zum Thema Tierschutz leiste PETA in Deutschland hingegen nicht. Dem widersprach Dr. Kirsten Tönnies, als sie später das Wort hatte und erinnerte daran, dass PETA hierzulande insbesondere im Bereich der Landwirtschaft für die Tiere vor Gericht ziehe, beispielsweise in der Putenhaltung.
Ob und wenn ja welchen praktischen Beitrag PETA für das Pferdewohl leistet, wird man vielleicht an anderer Stelle erfahren. Richenhagen kündigte jedenfalls an: „Ich werde mich auch in Zukunft mit PETA unterhalten wollen. Man kann sich nicht mit Kritikern auseinandersetzen, indem man nicht mit ihnen redet. Dann bleibt man immer Opfer.“
Frühe Belastung ist nicht pauschal schlecht
Prof. Dr. Christine Aurich und ihre Kollegen haben viel zum Thema Training junger Pferde geforscht, bei Vollblütern im Rennsport ebenso wie bei Warmblütern. Die Ergebnisse sind verblüffend. So erklärte die Wissenschaftlerin, dass es ein falscher Ansatz sei zu glauben, man dürfe Pferde erst belasten, wenn die Epiphysenfugen (Wachstumsfugen) sich im Alter von sechs Jahren geschlossen haben. „Beim Menschen schließen sie sich mit knapp 20 Jahren. Aber Kinder und Jugendliche treiben Sport“, veranschaulicht sie. Und wie Untersuchungen bei Rennpferden und auch Warmblütern gezeigt haben, sei es sogar förderlich für die körperliche Entwicklung der Pferde und ihre Gesunderhaltung, sie schon im jungen Alter an die körperliche Belastung zu gewöhnen – auf das Maß komme es an.
Aurichs Thema ist nicht nur der physische Reifeprozess junger Pferde, sie und ihr Team haben auch sich auch eingehend mit der emotionalen Belastbarkeit von Jungpferden beschäftigt und dabei festgestellt: „Schon mit 18 Monaten kann man sehr viel mit Pferden machen, wenn man es vorsichtig macht.“
Was denn Indikatoren für mentale Reife seien, fragte Moderator Peiler. Dazu Prof. Aurich: „Das ist individuell unterschiedlich. Mit 12 bis 15 Monaten kommen die Pferde in die Pubertät. Danach ist die Belastbarkeit etwas höher. Und Stress kann man messen – durch den Kortisolspiegel, die Herzfrequenz, die Mimik etc.“ Dabei haben die Forschenden unter anderem herausgefunden, dass junge Pferde beispielsweise bei einem Transport sehr viel deutlichere Anzeichen von Stress zeigen als beispielsweise bei körperlicher Belastung.
Wann der richtige Zeitpunkt gekommen sei, Pferde öffentlich zu präsentieren? „Es ist besser, die Pferde frühzeitig an neue Dinge zu gewöhnen. Eine langsame Gewöhnung ist wertvoll. Aber dafür müssen die Pferde nicht unbedingt mit drei aufs Turnier. Es ist eine Frage der Gesamtsituation, wer was wann und wie mit dem Pferd macht“, so Aurich.
Pferde im Schaufenster
Das war das Stichwort für Wilken Treu als Vertreter der Zuchtverbände, die sich vehement dafür ausgesprochen hatten, die Prüfungen für die Dreijährigen auf dem Bundeschampionat zu erhalten. Er machte keinen Hehl daraus, dass die Gründe, die für öffentliche Auftritte ganz junger Pferde sprechen, die Vermarktung und die Selektion sind. „Es geht schon darum, die Pferde zu einem frühzeitigen Zeitpunkt ins Schaufenster zu stellen und das den Züchtern zu ermöglichen“, so Treu.
Gleichzeitig zeigte er sich selbstkritisch: „Hier liegt die Krux des ,Überdrehens‘ in der Vorbereitung. Auch wir haben das schon getan und hinterfragen das.“ Gleichzeitig seien sie als Verband auch „kundschaftgetrieben“. Aber das Ziel sei es, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass auch in der Vorbereitung keine Überforderung stattfindet. Mit „Überdrehen“ meine er die körperliche und psychische Überforderung, erläuterte Treu noch. Da sei es auch eine Frage, wie viel man als Kommission toleriert.
Bloß kein Schablonendenken
Aus Hemmoor aus dem Stall Pape kommen immer wieder auffallend reell ausgebildete Pferde. Sei es auf dem Reitpferdeviereck beim Bundeschampionat, bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde oder im internationalen Grand Prix-Sport – die von Susan Pape und Bereiterin Greta Heemsoth präsentierten Pferde zeichnen sich in der Regel durch harmonische Vorstellungen aus. Auf die Frage, was denn der ideale Weg für das junge Pferd sei, hatte Ingo Pape ein klares Statement parat.
„Ich erinnere da an Paul Stecken, der sagte ,zehn Pferde sind zehn verschiedene Pferde‘. Ich stelle mir bei jedem Pferd die Frage, was der ideale Weg ist, und das individuelle Pferd gibt mir die Antwort.“ So könne es sein, dass sie mit manchen Pferden schon zweijährig an der Longe anfangen, andere aber vierjährig noch auf der Weide laufen.
Was bei jedem Pferd ein Thema ist, ist der Aufbau von Vertrauen zum Menschen. „Die Pferde wachsen bei uns sommers wie winters in Gruppen auf. Später werden wir ihre neuen Kameraden. Daher ist die große Überschrift über allem: Vertrauen.“ Um dieses aufzubauen, brauche man für jedes Verhalten die passende Antwort. „Ich bin sehr sehr dagegen, Pferde in Schablonen pressen zu wollen. Das ist fast das Dümmste, was man tun kann.“
Longieren verpönt
In den meisten Punkten stimmte Martin Plewa, der auch Aufsichtsratsmitglied bei Xenophon ist, Ingo Pape zu. Er erinnerte daran, wie man früher vorgegangen ist, als Pferde auch noch in der Landwirtschaft und beim Militär im Einsatz waren. „Die Pferde wurden zweieinhalbjährige neben einem Kumpel eingefahren und dreijährig angeritten. Aber vorsichtig. Wir durften nur leichttraben und im leichten Sitz galoppieren, ohne Sporen und nur mit kurzer Gerte.“
Auch wenn es dafür damals noch keine biomechanisch-anatomisch korrekte Erklärung gab, lehrte die Erfahrung die Pferdeleute von damals, dass die Pferde sich so einerseits an Belastung gewöhnten und andererseits haltbarer wurden. Denn das war das große Thema „Ein Kavallerist wollte nie Infanterist werden“, veranschaulichte Plewa das Credo der Zeit, in der Pferde noch einen wichtigen Teil zum Lebensunterhalt der Familien beitrugen und ihre Gesundheit lebenswichtig war.
Aus diesem Grund war eine heute gängige Ausbildungsmethode damals „verpönt“, so Plewa: das Longieren. „Wenn mein Vater sehen würde, dass heute die Junghengste bei Körungen longiert werden und vor allem, wie sie longiert werden, würde er sich im Grabe umdrehen“, fand der Reitmeister deutliche Worte. Dass dies keine überholte Ansicht ist, unterfütterte er mit dem Verweis auf eine Studie von 2023, die das Longieren als Risiko für die Gesundheit der Pferde einstuft.
Plewa empfiehlt stattdessen Bodenarbeit mit den Pferden – was zugleich auch als vertrauensbildende Maßnahme äußerst wirksam ist. „Wenn ich Pferde an Geländehindernisse gewöhne, mache ich das immer an der Hand – ich gehe zuerst den Tiefsprung hinunter, durchs Wasser und über den Graben. Dann folgt das Pferd ganz selbstverständlich“, so seine Erfahrung.
Gestrige Tierausbildung?
Nun erhielt Dr. Kirsten Tönnies die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Sie begann mit einem Kommentar zur den Ausführungen ihres Kollegen Hermann Josef Genn aus den anfänglichen Videoaufzeichnungen, wo Genn sagte, man könne eher „mit einem gut vorbereiteten Dreijährigen aufs Turnier fahren, als mit einem schlecht vorbereiteten Vierjährigen“. Tönnies sah darin einen weiteren Beleg für ihre These, dass die Tierärzteschaft in der Regel pro Nutzung der Tiere sei und daher keine wirklichen Änderungen wolle.
Dabei werde kein Bereich der Tierausbildung „so gestrig“ behandelt, wie die des Pferdes, findet sie. „Ich will mehr über positive und negative Verstärkung reden“, brachte sie das Thema operante Konditionierung in die Diskussion ein. Ihrer Meinung nach werde in der Pferdeausbildung viel zu wenig mit Belohnung durch Futter gearbeitet.
Weniger Regeln, mehr Vertrauen
Martin Richenhagen zog ein in Richtung seines Mitarbeiters Dr. Dennis Peiler etwas provozierendes Zwischenfazit aus den bisherigen Wortbeiträgen: Man müsse dann wohl wegkommen von der Verregelung hin zur Orientierung an Leitlinien bei entsprechender Richterschulung. „Wir brauchen eine neue Kultur weg vom Misstrauen. Reiter wollen eigentlich das Beste für ihre Pferde“, ist er überzeugt. Die Orientierung in der Ausbildung müsse dann die Erkenntnis darüber sein, wann das Pferd für welchen Schritt bereit ist.
Junger Reiter – altes Pferd, alter Reiter – junges Pferd
Martin Plewa merkte an, dass es in der Jungpferdeausbildung vor allem auf die Kompetenz und Erfahrung des Ausbilders ankomme. „Ich verstehe nicht, dass in der Jungpferdeausbildung Unsitten wie das Pferd müde longieren Einzug gehalten haben, womöglich noch kurz ausgebunden und mit wehenden Bügeln. Das ist vollkommen unsinnig und hat mit Ausbildung nichts zu tun. Hier baue ich eher Stress auf als ab. Je ruhiger ich mit meinem Pferd umgehe, desto ruhiger bleibt mein Pferd.“
An dieser Stelle trat Plewa mit einer klaren Forderung an die FN heran: „Ich hätte mir vorgestellt, dass es eine Abteilung Ausbildung gibt. Das ist wichtiger als Sport und alles andere.“
Dass es eine solche Abteilung bereits gibt, die von Vielseitigkeits-Mannschaftsolympiasieger Thies Kaspareit und damit einem von Plewas früheren Schützlingen geleitet wird, sei ihm bewusst. Trotzdem müsse für den Bereich Ausbildung mehr getan werden, besonders in der Richterschaft.
Schwarze Schafe eliminieren
Aber was ist es denn nun, das in der Jungpferdeausbildung aus ihrer Sicht schiefläuft, baute Moderator Dr. Dennis Peiler Systemkritikerin Kirsten Tönnies eine Brücke. „Für mich fehlt es an positiver Verstärkung im richtigen Moment“, kam die Antwort, bei der Welpe Lotti kurz zu kläffen begann. Tönnies weiter: „Die Mentalität älterer Herren ist nicht geeignet für junge Pferde.“ Ihr Beispiel: Besagte ältere Herren würden Fohlen mit der Nase an den Stromzaun halten.
Dann fordert sie, dass Pferde bis vierjährig kein Turnier gehen sollten. Mit ihnen zu arbeiten, sie anzufassen, abzustreichen, „in Decken zu wickeln“ und Hufe geben zu lassen, sei okay. „Aber kein Wettkampf.“
Ihr dritter Punkt ist der, dem wohl alle zustimmen konnten: „Ich will, dass schwarze Schafe früher eliminiert werden.“
Reaktion Ingo Pape
Die Anmerkung mit den schwarzen Schafen ging etwas unter angesichts der Kritik an den älteren Herren. Ingo Pape erhielt das Wort und brach eine Lanze für seine Züchter. „Immer dieses elende Pauschalisieren! Ich kenne eine Vielzahl an älteren Herren, die ich als grandiose Pferdeleute empfinde.“ Zustimmendes Pochen mit den Knöcheln auf die Tischplatten aus den Zuschauerreihen.
Für ihn habe Jungpferdeausbildung auch viel mit Gewöhnung zu tun. Sein Beispiel: Auswärtstraining, einfach mal zu schauen, wie reagiert das Pferd? „Das ist ganz wichtig. Wenn die Pferde mal ein gewisses Maß an Stress haben, reifen sie dadurch. Es ist immer eine Frage, wie man es macht, nicht, wann man es macht.“
Dass Dr. Kirsten Tönnies an dieser Stelle erkannt haben wollte, dass die Pferde im Stall Pape nicht an den Anhänger gewöhnt werden, konterte er mit der Aussage, dass sich bei ihnen alle Pferde brav verladen lassen.
Anmerkungen aus dem Publikum
Aus den Zuhörerreihen meldete sich unter anderem Pferdewirtschaftsmeister Heinrich Plaas-Beisemann zu Wort, der in Fröndenberg einen renommierten Pensionsstall betreibt, als Richter bis Grand Prix am Tisch sitzt, Mitglied der Körkommission beim Westfälischen Pferdestammbuch ist und allgemein als echter Pferdemann gilt. Sein Appell ging in die Richtung dessen seines Sitznachbarn Dr. Hermann-Josef Genn: „Wir dürfen die Bewegungsmöglichkeiten junger Pferde nicht ausreizen.“
Holger Suel, der nicht nur ein Händchen für Pferde, sondern auch für Esel und Maultiere hat, griff ebenfalls das Thema Lernverhalten der Pferde auf, allerdings anders als Dr. Kirsten Tönnies. Suel: „Die Leute wundern sich immer, wenn ich nach 10 Minuten aufhöre. Aber warum soll ich noch länger machen, wenn ich erreicht habe, was ich wollte? Es wäre teuer wenn man für 45 Minuten Reitstunde bezahlt hat und nur 10 Minuten davon nutzt? Noch teurer ist es auf Dauer, wenn man weitermacht, obwohl das Pferd doch bereits alles richtig gemacht hat.“ Mag sein, dass Leckerligaben als Form der positiven Verstärkung in der Pferdeausbildung nicht sonderlich verbreitet ist. Aber die Lerntheorie erachtet ja auch die Wegnahme von etwas Negativem (Anstrengung beim Training) als Verstärkung. Mit anderen Worten: Wenn etwas klappt, aufhören.
Fazits der Podiumsteilnehmer
Am Ende der Veranstaltung wurden die Teilnehmer nach ihrem Fazit des Abends gefragt. Ingo Pape machte den Anfang und erklärte: „Unser größtes Problem ist das Pauschalisieren. Ich lehne es ab, aus der Distanz und ohne Kenntnis draufzuhauen wie die Internethyänen.“
Wilken Treu beabsichtigt, die Anstrengungen zu vergrößern, schwarze Schafe auszumachen.
Dr. Kirsten Tönnies sagte, es sei schwierig, „über Sachen zu reden, die sich seit Jahrzehnten verfestigt haben“. Ihr Appell: Schlaufzügel von den Turnierplätzen runter.
Plewa stellte in seinem Fazit die Vermittlung von Wissen in den Vordergrund. „Wir müssen den Blick für das Gute, das Positive schulen. Wir brauchen einen weiteren Rahmen und natürliche Bewegungsabläufe und müssen Wert auf das Zügel aus der Hand kauen lassen legen. Da müssen wir Richter uns auch an die eigene Nase fassen. Ich verstehe nicht, warum ein Pferd noch eine 7,5 für die Rittigkeit bekommt, wenn es sich nicht an die Hand herandehnt.“ Sein Vorschlag: Kommentierte Vorreiter beim Bundeschampionat, die zeigen, wie es gehen soll.
Prof. Dr. Christine Aurich ging mit ihrer Anmerkung ebenfalls in Richtung Ausbildung. „Junge Menschen haben es schwer zu lernen, wie mache ich das? Wir müssen ihnen helfen, gute Ausbilder zu finden.“
Anmerkung: Die Neuerungen beim Bundeschampionat wurden an diesem Abend ebenfalls kurz angerissen. Dazu folgt demnächst ein ausführlicherer Beitrag.