Elisabeth Halliday – Comeback der US-Olympiareiterin in der Para-Dressur
Eine CCI5*- und Olympiareiterin, die sich nach schlimmem Sturz zurück ins Leben kämpft
Liz Halliday und Deniro Z 2018 in Wiesbaden, wo sie Zweite wurden. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Ihr erster Start bei Olympischen Spielen lag erst wenige Tage zurück, da ging Elisabeth „Liz“ Halliday (47) bei den US-amerikanischen Meisterschaften in Kentucky an den Start. An Hindernis 21 stürzte sie. Ihrem Pferd ist nichts passiert, aber sie erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Zu ihrem Glück war eine der Hindernisrichterinnen im richtigen Leben OP-Schwester. Sie rief sofort in der Notaufnahme des Krankenhauses an und wies sie an, schon mal den OP-Saal vorzubereiten. So konnte Liz Halliday in kürzestmöglicher Zeit geholfen werden.
Die OP glückte. Aber das war erst der Anfang eines langen Weges, auf dem die einstige Weltklassereiterin erst einmal wieder lernen musste, ihre Muskulatur anzusteuern, zu stehen, zu gehen und schließlich auch zu sprechen.
Ihre Toppferde wurden derweil an Mitreiter von Halliday gegeben, die beiden Toppferde Cooley Nutcracker, mit dem sie in Paris am Start war, und Miks Master C an Boyd Martin, zwei weitere an Will Coleman. Insgesamt hatte Halliday rund 20 Pferde im Training in ihrem Stall in Kentucky. Ein Großteil davon wurde von ihrem Team weiter betreut.
Heimkehr
Ein Jahr nach dem Unfall befand Liz Halliday sich noch immer in der Reha. Da ihre linke Gehirnhälfte betroffen war, war die Funktion ihrer rechten Körperhälfte beeinträchtigt. Sie musste lernen, mit links zu schreiben. Aber das Sprechen fiel ihr immer noch schwer, wie sie damals auf ihrer Facebook-Seite berichtete. Großer Lichtblick: Sie saß zum ersten Mal wieder auf einem Pferd und konnte von da an jede Woche in einer örtlichen Reitschule in der Nähe des Rehazentrums in Dallas reiten. Schritt und Trab funktionierten bereits.
Ein Vierteljahr nachdem sie von ihren ersten Reitversuchen berichtete, teilte sie dann die vielleicht schönste Nachricht seit ihrem Unfall: Nach 16 Monaten in Krankenhäusern und Rehazentren konnte sie pünktlich zu Weihnachten heimkehren auf ihre Farm in Kentucky. „Es ist schwer, all die Emotionen zu beschreiben, die man durchlebt, wenn man zum ersten Mal seit so langer Zeit wieder durch die Tür des eigenen Heims geht“, schrieb sie damals.
Comeback in der Para-Dressur
Noch besser wurde es zu Ostern dieses Jahres. Da berichtete Liz Halliday, dass sie zuhause wieder geritten ist. Und zwar einen alten Bekannten, der nun wieder bei ihr im Stall steht: den inzwischen 18-jährigen KWPN-Wallach Deniro Z, den sie selbst ausgebildet hatte, und mit dem sie die Fünf-Sterne-Events von Kentucky, Burghley und Luhmühlen beenden konnte. „Ihn wieder zu reiten war mein Highlight des Jahres“, so Halliday. „Dass er wieder bei mir ist, gibt meinem Leben ein Stück Normalität zurück.“
Ein weiteres wichtiges Ereignis war eine Reise nach Florida, Schritt eins auf dem Weg zur Rückkehr in den Turniersport. Denn sie kann zwar wieder reiten, aber noch immer mit körperlichen Einschränkungen. Darum wird sie in der Para-Dressur an den Start gehen und in Florida wurde ihr Grade festgelegt. „Ich bin stolz sagen zu können, dass ich jetzt offiziell Para-Dressurreiterin des FEI Grades 2 bin!“, berichtete sie. „In den FEI-Prüfungen des Grade 2 wird hauptsächlich Schritt und Trab geritten. (…) Die Aufgaben sind lang und ziemlich komplex. Ich habe angefangen, die Lektionen zuhause zu üben in der Vorfreude, dieses Jahr wieder ins Turniergeschehen einzusteigen.“
Sie habe auch mit anderen Para-Dressurreitern gesprochen. „Es war tolles Gefühl, wieder mit Spitzensportlern zusammen zu sein, die mit den gleichen Herausforderungen leben wie ich“, sagt sie. „Wir alle wissen nun viel mehr über die tolle Sportart Para-Dressur und sind bereit, einzutauchen. Das ist eine spannende neue Richtung in meiner Karriere und ich freue mich so darauf, wieder Turniere zu reiten. Es geht bergauf!“