Weltcup der Springreiter 2026 an Kent Farrington

Kent Farrington ist Weltcup-Sieger der Springreiter, Deußer überragender Zweiter

Springen
Als ob sie Flügel hätte – Kent Farrington und sein weißes Wunder Greya. Foto: Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle Als ob sie Flügel hätte – Kent Farrington und sein weißes Wunder Greya. Foto: Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Er hat es noch einmal spannend gemacht, aber es hat geklappt. Kent Farrington ist erstmals Weltcup-Sieger. Aus deutscher Sicht muss man sagen: Dieses Weltcup-Finale hat gleich mehrere Entdeckungen hervorgebracht, allen voran Daniel Deußers Otello.

USA, Deutschland, USA – so endete das Weltcup-Finale der Springreiter 2026. Kent Farrington und Greya wurden Weltcup-Sieger vor Daniel Deusser mit einem überragenden Otello de Guldenboom und einer überwältigten Katie Dinan mit der in Kentucky geborenen Out of the Blue.


Greya macht es nochmal spannend


Mit null Fehlern war Kent Farrington in den heutigen Tag gestartet. Doch am Ende wurde es noch einmal richtig spannend. Bei ihrem Sieg in der zweiten Wertung hatte die bei dem verstorbenen Wilfried Sandmann in Hüven, Niedersachsen, geborene Colestus-Tochter Greya nicht so ausgesehen, als würde sie an diesem Wochenende noch einen Fehler machen. Und ihr Reiter ist bekannt dafür, dass er Nerven aus Stahl hat. Doch in Finale A zeigte sich, dass auch diesem Paar ein Lapsus passieren kann. Die oberste Planke – oder eher Latte – eines auf gebogener Linie platzierten Steilsprungs fiel. „Ein unnötiger Fehler“, ärgerte Kent Farrington sich hinterher über sich selbst. Denn seine Stute, die ist einfach „unglaublich“, wie er betonte.


Mit diesem Abwurf hatte Farrington dafür gesorgt, dass Daniel Deußer kurz davon träumen konnte, seinen Weltcup-Sieg von 2014 wiederholen zu können. Denn sein Otello de Guldenboom gab auch heute wieder 200 Prozent für seinen Reiter und war in beiden Finalrunden fehlerfrei. Es klapperte ein paar mal, aber alles blieb liegen. Und es war nichts weniger als beeindruckend, wie sich der Hengst, ein Sohn von Deußers Tobago Z, am Aussprung der dreifachen Kombination im B-Finale auf das bloße Schnalzen seines Reiters hin noch einmal zusammenzog, um alle Kraft zu sammeln, diesen Oxer zu überwinden. Als er im Ziel war, klopfte Deußer Otello dankbar den Hals und der Hengst marschierte am hingegebenen Zügel in aller Seelenruhe aus der Halle. Er sah sehr zufrieden mit sich selbst aus. Er hatte alles gegeben. Jetzt hieß es abwarten, was Farrington und Greya machen würden. Ein Abwurf und Deußer wäre zum zweiten Mal Weltcup-Sieger.


Als Farrington zum letzten Mal an diesem Wochenende die Dickies Arena betrat, konnte er sich zwei Zeitstrafpunkte leisten. Ein Abwurf und Daniel Deußer wäre erneut Weltcup-Sieger. Wie er sich gefühlt habe, als er ins die finale Runde einritt, wurde Farrington gefragt: „Konzentriert. Da mache ich mir keine Gedanken über meine Gefühle, sondern über meinen Plan.“


So spricht ein wahrer Sportler. Und so ritt er auch. Schade für Daniel Deußer und Otello, aber Farrington und Greya waren weit entfernt davon, ihnen den Gefallen zu tun und einen ähnlichen Fehler zweimal zu machen. Und Zeitfehler sind bei dem Paar ohnehin unwahrscheinlich. Als sie ins Ziel kamen, waren sie Weltcup-Sieger.


Wie sich das anhört, wurde Kent Farrington gefragt. „Das hört sich passend an. Obwohl mein Freund aus Deutschland hier mich ganz schön ins Schwitzen gebracht hat“, wie er mit einem lachenden Wink in Richtung Deußer hinzufügte. Für Farrington ist es der erste Einzel-Titel. Wohl verdient.


Plötzlich Championatspferd


Doch, ein bisschen Enttäuschung sei schon auch dabei, gab der Zweitplatzierte Daniel Deußer später zu. „Man hat kurz geträumt …“. Aber was überwöge, sei der Stolz auf den zwölfjährigen Otello, der den Zenit seines Könnens gerade erst zu erreichen scheint. „Ich bin beeindruckt von meinem Pferd! Er ist hier vier tolle Runden gesprungen. Eigentlich hat er mir schon die letzten Monate immer ein tolles Gefühl gegeben. Aber ich war mir unsicher, ob er für vier schwere Runden die Kraft haben würde. Das hat er gezeigt.“ Auch dem Bundestrainer, der dieses Jahr seine Mannschaft für die WM in Aachen aufstellen muss.


Daniel Deußer war 2014 in Lyon der letzte deutsche Weltcup-Sieger. Fort Worth war sein achtes Weltcup-Finale, der zweite zweite Platz. Der erste liegt bald 20 Jahre zurück. Das war 2007 mit Air Jordan Z, als ein Daniel Deußer aus Deutschland noch eine unbekannte Größe war. Als er 2014 siegreich war, saß er im Sattel seines legendären Cornet d’Amour, der ihn 2016 noch einmal aufs Treppchen trug, damals auf Platz drei. Seine letzten beiden Finals bestritt Deußer mit Otello de Guldenbooms Vater Tobago Z. Bestes Ergebnis war Rang vier 2019. Da hat der Sohn den Vater also gleich im ersten Anlauf überflügelt.


„Ich stehe noch unter Schock“


Stilistisch schön anzusehen waren auch die Runden der Drittplatzierten, Katherine „Katie“ A. Dinan, mit der zwölfjährigen Schimmelstute Out of the Blue. Die stammt zwar von Verdi aus einer Cassini-Mutter, aber zur Welt kam sie in den USA, genauer gesagt auf der Spy Coast Farm in Kentucky, weshalb sie eigentlich auch Out of the Blue SCF heißt. Fort Worth war das zweite gemeinsame Weltcup-Finale für die beiden und das siebte insgesamt für Dinan. Letztes Jahr in Basel verbuchte die langjährige Schülerin des Schweizers Beat Mändli mit ihrer Stute Platz acht, ihr bislang bestes Ergebnis.


Als sie heute zum zweiten Mal ohne Abwurf die Ziellinie überquerte, fiel sie ihrer Stute um den Hals und blieb auch eine ganze Weile in dieser Position. „Dieses Pferd ist einfach unglaublich. Ihr habe ich alles zu verdanken. Sie kompensiert meine Fehler“, sagte sie später im Interview. Dass sie nun aufs Treppchen gesprungen war, konnte sie noch gar nicht recht glauben. „Ich stehe noch unter Schock. Diese Reiter (Kent Farrington und Daniel Deusser, Anm. d. Red.) waren immer meine Idole und nun stehe ich neben ihnen auf dem Podium, das ist in wahr gewordener Traum …“


Dankbar – Kent Farrington nach Greyas entscheidender Nullrunde, mit der sie ihm seinen ersten Einzeltitel bescherte. Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle Dankbar – Kent Farrington nach Greyas entscheidender Nullrunde, mit der sie ihm seinen ersten Einzeltitel bescherte. Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Daniel Deußers Otello de Guldenboom hat dieses Wochenende Championatsqualitäten gezeigt. Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle Daniel Deußers Otello de Guldenboom hat dieses Wochenende Championatsqualitäten gezeigt. Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Die Drittplatzierten, Katie Dinan und Out of the Blue SCF. Daniel Deußers Otello de Guldenboom hat dieses Wochenende Championatsqualitäten gezeigt. Foto: Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle Die Drittplatzierten, Katie Dinan und Out of the Blue SCF. Daniel Deußers Otello de Guldenboom hat dieses Wochenende Championatsqualitäten gezeigt. Foto: Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Rang vier, punktglich mit Rang drei – ärgerlich. Aber René Dittmer und Cody haben in Fort Worth bleibenden Eindruck hinterlassen. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle Rang vier, punktglich mit Rang drei – ärgerlich. Aber René Dittmer und Cody haben in Fort Worth bleibenden Eindruck hinterlassen. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Vor dem heutigen Finale durfte Steve Guerdat als Zweiter des Rankings mit Iashin Sitte noch von seinem vierten Titel träumen. Dich drei Abwürfe, einer im ersten zwei im zweiten Parcours, bereiteten dem ein Ende, Platz sechs. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle Vor dem heutigen Finale durfte Steve Guerdat als Zweiter des Rankings mit Iashin Sitte noch von seinem vierten Titel träumen. Dich drei Abwürfe, einer im ersten zwei im zweiten Parcours, bereiteten dem ein Ende, Platz sechs. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Auch Kevin Staut wollte bei seinem 16. Weltcup-Auftritt ganz vorne stehen. Er und Visconti du Telman gingen als Dritte in die heutige Entscheidung, kassierten aber im ersten Parcours einen Abwurf und endeten als Fünfte. Foto: Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle Auch Kevin Staut wollte bei seinem 16. Weltcup-Auftritt ganz vorne stehen. Er und Visconti du Telman gingen als Dritte in die heutige Entscheidung, kassierten aber im ersten Parcours einen Abwurf und endeten als Fünfte. Foto: Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle
Richard Vogel und Gangster Montdesir – heute wieder, wie man sie bzw. vor allem Vogel kennt. Foto: Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle Richard Vogel und Gangster Montdesir – heute wieder, wie man sie bzw. vor allem Vogel kennt. Foto: Sportfotos-lafrentz.de/Tiffany van Halle

 


Undankbarer vierter Platz nach super Auftritten für Dittmer und Cody


Ihr Glück war René Dittmers Pech. Denn am Ende hatten beide, Dinan mit Out of the Blue und Dittmer mit Cody, jeweils neun Strafpunkte auf dem Konto. Doch Dinan und ihre Verdi-Tochter hatten die schnellere Zeit im letzten Springen. Das gab den Ausschlag. Damit holten sie sich Rang drei und Dittmer und Cody wurden undankbare Vierte. Sie hätten definitiv auch einen Platz auf dem Treppchen verdient gehabt!


Denn René Dittmer und der Casall-Sohn Cody, die sich lediglich einen Abwurf im Stechen der zweiten Wertungsprüfung zuschulden kommen ließen, haben dieses Wochenende einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Runde für Runde lieferten sie ab, kamen auch heute nichtmal in die Nähe einer Stange. In der Form haben sie sich für weitere Aufgaben empfohlen.


Versöhnlicher Abschluss


Das gilt auch für Richard Vogels Gangster Montdesir. Nachdem der Europameister am Freitag ja am letzten Sprung sogar aus dem Sattel gekommen war, weil die Distanz so gar nicht passte, legten er und sein Selle Français-Hengst heute zwei makellose Runden hin, mit denen sie in der Endabrechnung sogar noch unter den Top Ten landeten und Neunte wurden.


Das war wieder der Richard Vogel, den man kennt – fokussiert und mit perfektem Gefühl für Rhythmus und Timing steuerte er seinen erst zehnjährigen Kannan-Sohn durch beide Kurse.


„Ich bin erleichtert“, gab er unumwunden zu. „Er gibt immer mehr als 100 Prozent und ich bin ihn einfach schlecht geritten. Ich bin froh, dass ich ihm heute noch zwei gute Runden geben konnte. Seine Qualität ist außergewöhnlich. Er hat gezeigt, dass er ein Championatspferd ist. Nur ich war schlecht.“


Zwei Verweigerungen im Finale

Der einzige, der heute enttäuscht war, war Patrick Stühlmeyer mit Baloutaire PS. Die beiden hatten eine tolle Saison und schafften es auch in Fort Worth unter die besten 30 für das heutige Finale. Doch mit einer zweifachen Kombination aus einfachen weißen Steilsprüngen und zusätzlich einer Wassermatte unter dem Aussprung wollte Baloutaire sich so gar nicht anfreunden. Er verweigerte einmal. Stühlmeyer ritt erneut an. Aber Baloutaire sagte Nein. Damit war die Reise für die beiden an dieser Stelle leider zu Ende.


Tatsächlich waren es keine 30 Paare, die heute noch einmal antraten, sondern nur 28. Eiken Sato, der nach der zweiten Wertung auf einem aussichtsreichen vierten Platz in der Gesamtwertung lag (gleichauf mit Daniel Deusser), musste seinen Chadellano zurückziehen. Der Wallach habe nach dem gestrigen zweiten Vet-Check, den er noch anstandslos passiert hatte, leichte Koliksymptome gezeigt. Er wurde in die Klinik gebracht. Gute Besserung an dieser Stelle!


Ebenfalls zurück gezogen hatten Johan Sebastian Gulliksen und Harwich VDL.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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