Mit KI und Big Data gegen Shitstorms, um Reiterinnen und Reitern beim Weltcup-Finale vor übergriffigen Social Media-Accounts zu schützen
Pilotprojekt Shitstorms: FEI will Reiterinnen und Reiter schützen
Hate Speech zählt zu den Fällen von Online-Missbrauch, den das Unternehmen Signify im Auftrag des Weltreiterverbandes (FEI) unterbinden soll. Foto: Adobe Stock Der Badminton Weltverband nutzt sie, die japanische Baseball Nationalmannschaft genauso wie der internationale Fahrradsportverband (UCI) oder der Tennisverband (ITF) und die irische Rugby Union: Die Software Threat Matrix des Tech-Unternehmens Signify, das in London ansässig ist. Die Firma wirbt damit, für positive und umsetzbare Kommunikation zu stehen. Shit Storms auf Social Media auszubremsen ist ein Bereich, den sich die FEI vom Pilotprojekt beim Weltcup-Finale verspricht.
Marketing ist einer der Hauptbetätigungsbereiche des Unternehmens. „Wir sind in verschiedenen Branchen tätig, darunter Medien, Finanzen, Wohltätigkeitsorganisationen und Sport. Mit unseren unvoreingenommenen Erkenntnissen bringen wir auf den Punkt, was Ihre Zielgruppen bewegt, was sie dazu bringt, aufmerksam zu werden und zu handeln, zu kaufen oder sich anzumelden.“
FEI will gegen Shit Storms und Hate Speech auf Social Media vorgehen
Big Data und Künstliche Intelligenz sind die wichtigsten Komponenten, derer sich Signify bedient. Für den Sportbereich ist das Angebot „Threat Matrix“ im Portfolio. Die Software soll Hate Speech und andere Übergriffe, die sich in den Sozialen Medien gegen Sportlerinnen und Sportler richten, erkennen. Vor allem geht es darum, die Täterinnen und Täter zu identifizieren, um gegen sie vorgehen zu können. „Spieler und ihre Familien brauchen Unterstützung und Schutz, um Missbrauch nachzuweisen, abzuwehren und zu melden. Threat Matrix bietet diesen Service an, indem es die Anonymität der Betroffenen aufhebt und dafür sorgt, dass Täter nicht ungestraft davonkommen“, schreibt Signify in der Selbstdarstellung auf seiner Homepage.
Dressur- und Springreiter baten um Schutz gegen Social Media-Attacken
Auf Nachfrage von EQUI PAGES hat Sabrina Ibañez, Generalsekretärin der FEI, das Konzept erläutert. Angeregt worden sei die Idee von Seiten der internationalen Clubs der Spring- und Dressurreiter (IJRC, IDRC): „Es kam eine gewisse Frustration auf, und einige Athleten wurden auf die eine oder andere Weise in Social-Media-Beiträgen ins Visier genommen. Also haben wir versucht herauszufinden, wie man damit am besten umgeht. Und so habe ich das Team gebeten, sich anzuschauen, was andere internationale Verbände tun. Und Signify ist ein Unternehmen, das tatsächlich hilft. Sie haben es bei den Olympischen Spielen in Paris für die Athleten eingesetzt. Letzte Woche hat sich das Team mit Signify getroffen, und wir haben nun vereinbart, dass wir es zunächst als Test nutzen, denn wir müssen sehen, wie sich das Ganze entwickelt, da sie tatsächlich eine ganze Reihe von Funktionen anbieten. Und in dieser ersten Pilotphase werden wir die Kanäle für die dort anwesenden Springreiter, die Dressurreiter und die FEI-Offiziellen überwachen.“
Pilotprojekt Weltcup-Finale kann ausgedehnt werden
Ergänzend erklärte François Vergnol, neuer Kommunikations-Direktor der FEI das Vorgehen von Signify. Und die Optionen, die die Datenerhebung bieten: „Tatsächlich wäre es wichtig, zunächst einmal über einen Überwachungsbericht zu verfügen, der uns genau aufzeigt, woher die potenziellen Angriffe und Bedrohungen stammen, woher die Belästigungen kommen, und der erste Tendenzen, Statistiken, Einzelpersonen und Gruppen identifiziert, damit wir mit der Überwachung beginnen und dann möglicherweise die nächsten Schritte im Hinblick auf die weiteren Ereignisse, die uns im Sommer bevorstehen, in Betracht ziehen können.“ Damit bezieht sich Vergnon auf die im August in Aachen stattfindenden Weltmeisterschaften.
Unlängst hatte das Abreiten der Olympiasiegerin Charlotte Dujardin in Amsterdam für Unruhe gesorgt. Das „Collectif pour les Chevaux“ hatte Filmsequenzen auf Social Media-Plattformen veröffentlicht. Daraufhin hatte sich unter anderem die britische Tageszeitung TIMES des Vorfalls angenommen. Eigentlich hätte Dujardin, die nach einem Prügelvideo, das 2024 veröffentlicht wurde, gesperrt war, am Weltcup-Finale in Fort Worth teilnehmen können. Sie hatte aber auf den Start verzichtet. Mit dem Medienecho auf ihr Abreiten soll die Absage aber nicht zusammenhängen, so der britische Pferdesportverband.