FEI Sports Forum 2026 Vorschläge zu Regeländerungen in Dressur und bei Olympia

FEI Sports Forum: Dressur - kommen die Schlussnoten zurück? Keine Vierer-Teams bei Olympia

Viele Diskussionsbeiträge beim FEI Sports Forum in Lausanne beschäftigten sich mit der olympischen Zukunft des Reitsports. Foto: sportfotos-lafrentz.de Viele Diskussionsbeiträge beim FEI Sports Forum in Lausanne beschäftigten sich mit der olympischen Zukunft des Reitsports. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Auf dem FEI Sports Forum in Lausanne wird jedes Frühjahr über Inhalte diskutiert, die dann gegebenenfalls Ende des Jahres bei der Vollversammlung des Weltreiterverbandes ins Regelwerk übernommen werden. Am ersten Tag standen Olympia und Dressur auf dem Programm.

30 Änderungsvorschläge waren bereits im vergangenen Jahr von der FEI Strategic Dressage Action Planning Working Group (DSAPWG) in ihrem Plan zusammengefasst worden. Eine davon, der Test von Grand Prixs auf Trense geritten statt Kandare bis auf CDI3*-Niveau, läuft bereits als Pilotprojekt. (Erfahrungen zur Wahlfreiheit gibt es bereits in Dänemark, wie Olympiarichter Hans Christian Matthiesen im Podcast ERZÄHL MIR WAS VOM PFERD berichtet hat). Die Erkenntnisse sollen ausgewertet werden. Dann wird man sehen, ob auch auf 4*- oder 5*-Niveau zukünftig auf Trense geritten werden kann.


Mehr Starchancen für jüngere Reiterinnen und Reiter


Die Altersgrenze für Reiterinnen und Reiter soll variabler behandelt werden, sodass jüngere Teilnehmer bereits an gewissen Prüfungen teilnehmen können, die ihnen derzeit altersgemäß vorenthalten sind. Da dies über alle Disziplinen gelten soll, soll dieser Vorschlag in allen Sportarten diskutiert werden, hieß es auf dem FEI Sports Forum.


Die Auslosung der Startfolge soll ohne Berücksichtigung der Weltrangliste geschehen können. Das würde bedeuten, dass vielleicht auch einmal das top-favorisierte Paar als erstes ins Viereck müsste.


Pferdealter hochgesetzt, wieder mehr Schlussnoten


Pferde, die in CDI2*- oder höheren Prüfungen starten sollen zukünftig mindestens neun Jahre alt sein. Bislang lag die Altersgrenze bei acht Jahren.


Eine Task Force soll eingerichtet werden, die sich ausschließlich mit Punktabzügen und Ausschluss befasst. Konkret geht es dabei um den umfassenden Artikel 424 in den Dressurregeln der FEI. Dieser Paragraf regelt u.a., wie ein Richter bei Widerstand, Blut am Pferd oder Lahmheit vorzugehen hat. Bis zum 1. Juli soll die Zusammensetzung der Task Force feststehen.


Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen in hohen Klassen


In einer Fragerunde kamen unterschiedliche Aspekte zur Sprache. Auf dem Podium saßen zu diesem Zeitpunkt Vertreterinnen und Vertreter der Dressur Arbeitsgruppe, zu der auch Bundestrainerin Monica Theodorescu zählt. So wurde ein Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen als zusätzliche Lektion auch in höheren Klassen besprochen – wie so etwas aussehen könnte, wurde bereits in einem Versuch in Warendorf getestet.


Künstliche Intelligenz als Richterinnen und Richter unterstützende Maßnahme wurde diskutiert. Die FEI steht im Austausch mit anderen bewertenden Sportarten, die Erfahrungen in diesem Bereich bereits gesammelt haben.


Die Dressurarbeitsgruppe ist gerade dabei, das Dressur Handbuch und die Richtlinien fürs Dressurrichten zu überarbeiten. Erscheinungsdatum für beide Werke soll der 1. Januar 2027 sein.


Ruf nach Schlussnoten


Einmal mehr haben auch die Schlussnoten das FEI Sports Forum beschäftigt. Stimmen wurden laut, wieder mehr Schlussnoten als aktuell am Ende einer Dressurprüfung zu vergeben. Das soll im Rahmen der Revision des Regelwerks besprochen werden.


Olympia


Für die Olympischen Spiele werden künftig kurzfristige Änderungen vor Wettkampfbeginn erleichtert. Sogenannte „Pre-Competition Changes“ sind bis zwei Stunden vor dem Start der jeweiligen Disziplin möglich – im Springen sogar zweimal (vor Team- und Einzel-Qualifikation). Voraussetzung ist lediglich, dass die Reiter-Pferd-Paare auf der Nennungsliste stehen; Nachweise wie tierärztliche Atteste sind nicht erforderlich. Allerdings dürfen nur Pferde berücksichtigt werden, die sich bereits rechtzeitig vor Ort befinden. Das hat unter anderem auch mit Quarantäne-Bestimmungen zu tun.


Ersatzreiter und -pferde nur eingeschränkt


Auswechslungen während der Spiele bleiben auf Teamwettbewerbe beschränkt und sind nur mit medizinischer oder tierärztlicher Begründung erlaubt. Auch hier gilt: Nur bereits angereiste Pferde kommen infrage. Je nach Disziplin gelten feste Zeitfenster, im Vielseitigkeitssport sollen zusätzlich Strafpunkte verhängt werden. Aktuell sind es 20, bis zum 20. Juli soll ein Vorschlag vorliegen, wie viele Strafpunkte beim Austausch eines Paars bei Olympischen Spielen einer Mannschaft zugeschrieben werden.


Für die Paralympics sind zwei Austauschphasen vorgesehen – eine vor und eine kurz vor Wettkampfbeginn, wobei auch Wechsel zwischen Team- und Einzelreitern möglich sind.


Nationalität und Teilnahmebedingungen


Für Los Angeles 2028 müssen Reiter und Pferd bis Januar 2028 dieselbe Nationalität in der FEI-Datenbank haben. Zudem müssen Nationen nachweisen, dass mindestens drei Paare die Mindestanforderungen erfüllt haben, um Teamplätze zu erhalten. Stichtag ist der 17. Januar 2028.


Weiterhin keine vier Teamreiter bei Olympia


Die Teamgröße bleibt bei drei Reiter-Pferd-Paaren – eine Aufstockung ist aufgrund der begrenzten Quoten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht möglich. Das IOC sieht eine gewisse Anzahl von Pferden je Disziplin vor. Und es möchte so viele Nationen wie möglich in jeder Sportart am Start sehen, „more flags“, mehr (National-)Flaggen war und ist das erklärte Ziel.


 


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