Die FN-Delegation bestand aus zwei Personen: Präsident Martin Richenhagen und Dr. Klaus Miesner als Vorstand Zucht. Sie trafen in Berlin auf die Bundestagsabgeordneten Dieter Stier (CDU), Dr. Franziska Kersten (SPD), Hermann Färber (CDU), Artur Auernhammer (CSU), Caroline Borsbach (CDU) und Johannes Winkel (CDU) für den Parlamentskreis Pferd.
GOT – „Kompletthinterfragung“ gefordert
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die seit der Novelle 2022 nicht nur einzelne Pferdebesitzer, sondern den gesamten Sektor vor Probleme stellt. Die Zukunft der Pferdehaltung in Deutschland sei dadurch gefährdet. Martin Richenhagen erklärte: „Wir sehen die zunehmende finanzielle Überforderung der Pferdehalter, die zu deutlichen Rückgängen in Zucht und Sport führt.“ Dr. Klaus Miesner forderte: „Es braucht jetzt das klare politische Bekenntnis und den gesetzgeberischen Willen für eine Kompletthinterfragung der GOT.“
Zug um Zug solle das Pferd „endlich einheitlich rechtssicher als landwirtschaftliches Nutztier auf europäischer und nationaler Ebene eingestuft werden“. „Denn“, so Dr. Klaus Miesner, „viele gesetzliche Auflagen müssen bei der Haltung von Pferden analog zu anderen landwirtschaftlichen Nutztieren erfüllt werden, bei der GOT ist das Pferd unverständlicherweise aber kein landwirtschaftliches Nutztier mehr“.
Realismus im Umgang mit dem Wolf
Nachdem der Bundestag der Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht zugestimmt hat, bedankten Miesner und Richenhagen sich bei den Abgeordneten für die Unterstützung der Politik in dieser Sache. Gleichzeitig forderten sie, dass die Zumutbarkeit von Herdenschutzmaßnahmen müsse angemessen bewertet werden und gerade in Bezug auf „Problemwölfe“ müssten die Einschätzungen realistisch sein und im laufenden Gesetzgebungsverfahren entsprechend berücksichtigt werden.
Politische Unterstützung bei Datenbanken für Genomische Selektion
Ein weites Thema der Runde war die Genomische Selektion, die eine zunehmend große Rolle in der Pferdezucht spielen soll. Dr. Klaus Miesner erklärte, wie weit die Entwicklung in diesem Bereich gediehen ist und dass die Genomische Selektion wichtig für die Anpaarungsentscheidungen in Hinblick auf Gesundheit und Belastbarkeit der Pferde und damit auch der Nachhaltigkeit der Zucht sein wird. Doch dafür braucht es belastbare Datengrundlagen. Um diese aufzubauen, brauche es die Unterstützung der Politik, so die FN. Insbesondere in Hinsicht auf die Gesundheitsmerkmale seien die Daten wichtig, um die Zucht „zielgerichtet und verantwortungsbewusst“ weiter zu entwickeln.
Ja zu Olympia
Auch die Bewerbung Deutschlands als Ausrichter Olympischer Sommerspiele kam zur Sprache. Die FN machte deutlich, dass sie diesen Schritt sehr begrüßt. Die Bewerbung sei aus Sicht des Verbandes ein wichtiges Signal für die Zukunft des Pferdesports in Deutschland und langfristige Sportförderung sei auch in nicht-olympischen Sportarten von großer gesellschaftlicher Bedeutung.
Apropos gesellschaftliche Bedeutung – auch die hervorzuhebende Rolle des Pferdes innerhalb der Gesellschaft, aber auch als Wirtschaftsfaktor wurde bei dem Treffen noch einmal betont.
Austausch erwünscht
Über Themen, wie die bei dem aktuellen Treffen in Berlin, solle man sich regelmäßig austauschen, betonten Richenhagen und Miesner laut FN weiter. Es gehe darum, „praxistaugliche und rechtssichere Lösungen“ zu erreichen. Das sei auch in Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der EU von Bedeutung.
Tatsächlich hätten Pferdesport Deutschland und der Parlamentskreis Pferd vereinbart, den Austausch fortzusetzen.
