Siegerin Weltcup-Etappe Göteborg Maria von Essen

Wer ist eigentlich Maria von Essen?

Dressur
Emotionen pur: Maria von Essen (SWE), Invoice und Kusine Ebba lauschen der Nationalhymne nach dem Sieg bei der Göteborg Horseshow. Foto: FEI/Kim C. Lundin Emotionen pur: Maria von Essen (SWE), Invoice und Kusine Ebba lauschen der Nationalhymne nach dem Sieg bei der Göteborg Horseshow. Foto: FEI/Kim C. Lundin
Sie ist so etwas wie ein Gegenmodell. Maria von Essen, Siegerin in Göteborg in der Etappe des Dressur-Weltcup, ist adlig, wohnt aber weder in einem Schloss, noch schwimmt sie im Geld. Ihr Mann ist Schmied, sie selbst hat in den vergangenen Jahren eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert. Gemeinsam mit ihrer Kusine betreibt sie Dressyr Essen, einen kleinen Dressurstall.

Das war mal ein anderes Bild bei der Siegerehrung der Weltcup-Etappe Göteborg: Kein professionelles Winkewinke, kein maskenhaft routiniertes Lächeln, sondern echte Emotionen. Maria, „Mia“, von Essen liefen nach ihrem Kürsieg die Tränen im Sattel von Invoice die Wangen herunter. Und ihre Kusine Ebba, die den sensiblen Invoice in die Arena des Scandinaviums begleitet hatte, schämte sich ihrer Tränen auch nicht. Ein Familientraum wurde wahr. Einer, hinter dem keine millionenschweren Sponsoren stehen. Der Traum einer Familie, die nicht im verschneiten schwedischen Januar vor der Frage steht, ob man denn nach Wellington oder Doha zwecks sportlicher Betätigung fliegt.


Maria von Essen baut Invoice in Ruhe auf


Ihren Sportpartner Invoice, einen, wenn nicht vielleicht den letzten sportaktiven Sohn der KWPN-Dressurlegende Jazz, hat sie als Jungpferd auf einem Video gesehen und unbesehen gekauft. Der in den Niederlanden geborene Oldenburger, Muttervater Ferro und damit olympisches Dressurblut von beiden Seiten, entpuppte sich als typischer Sohn seines Vaters. „Sensibel“ in all seinen Erscheinungsformen. Aber Mia hat an den hübschen Rappen geglaubt. Sie hat mit ihm gearbeitet, kontinuierlich. An ihrer Seite: Kyra Kyrklund. Wobei man auch schon deren Schülerin Cathrine Dufour gesehen hat, wie sie Maria von Essen Tipps gegeben hat. Von ihr hat Maria sich auch die Kürmusik geliehen. Die Klänge aus dem Musical Les Misèrable haben Dufour schon bei den Olympischen Spielen mit Bohemian begleitet.


Maria von Essen (SWE) und Invoice gewannen zu Musik aus dem Musical Les Misèrable die Weltcup-Kür in Göteborg. Foto: FEI/Kim C. Lundin

Das fragile Nervensystem von Invoice bekam die Zeit, sich zu entwickeln. Siebenjährig brachte Mia von Essen den Rappen erstmals an den Start. Im Juni 2023, elfjährig, ging er sein erstes internationales Turnier, zunächst noch in der kleinen Tour. Im selben Jahr debütierte das Paar im Grand Prix und hat sich seitdem langsam mit kleinen Schritten in Richtung schwedische Mannschaftsnominiewrung vorgearbeitet. Bis zum Triumph in Göteborg vor Heimpublikum.


Maria von Essen und Kyra Kyrklund


Die Zusammenarbeit mit der finnischen Toptrainerin Kyrklund, die schon lange in Großbritannien lebt, basiert auf einem schwedischen Trainingskonzept. Der ehemalige schwedische Topreiter Jan Brink, der mit Briar in Aachen gewinnen hat, und sein Sponsor und Mentor Åke Björsell hatten die Idee, den schwedischen Dressurnachwuchs zu fördern. Das war die Grundlage, auf der Knytkalaset beruht. Das schwedische Wort steht für „zusammenkommen“, für Gemeinsamkeit und Austausch.


Maria von Essen zählte zu den damals jungen schwedischen Reiterinnen, die von dem 1998 aus der Taufe gehobenen Konzept proofitieren. Die heute 45-Jährige reiste nach mehrmals im Jahr zu Trainingscamps nach Tullstorp, den Hof von Jan Brink.


Von den damals gemachten Erfahrungen profitiert nicht nur Mia, sondern auch ihre Kusine Ebba von Essen, die ebenfalls international reitet. Beide betreiben den Dressurstall Essen, Dressyr Essen in Eslöv nordöstlich von Malmö. Parallel zum Reiten hat die zweifache Mutter sich in den vergangenen Jahren zur Krankenschwester ausbilden lassen. Ihr Mann ist ein Hufschmied. Fragt man schwedische Kolleginnen nach Maria von Essen, dann kommt das Wort „zurückhaltend“ sicher im ersten Satz der Antwort vor.


Weltcup-Finale 2027 als Traumziel


Maria von Essen (SWE) und Invoice bei der Ehrenrunde im Scandinavium in Göteborg. Foto: FEI/Kim C. Lundin

Während viele Dressurreiterinnen und -reiter genau das sind, zurückhaltend, wenn man sie fragt, ob sie zum Weltcup-Finale ins texanische Fort Worth im April fliegen wollen, ist Maria von Essen in einem klar. 2027 ist Göteborg wieder einmal Austragungsort des Finals der Wintersaison. Dann wieder im Scandinavium zu reiten, wäre ein Traum. Vielleicht ja auch mit der Erfahrung einer WM-Teilnahme 2026 im Gepäck.


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