Wer ist eigentlich João Pedro Moreira?

Portrait eines Auswanderers

Szene
Die Europameisterschaften 2025 in Crozet waren das erste Championat für João Pedro Moreira und Fürst Kennedy. Sie qualifizierten sich für die Kür und wurden 16. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Die Europameisterschaften 2025 in Crozet waren das erste Championat für João Pedro Moreira und Fürst Kennedy. Sie qualifizierten sich für die Kür und wurden 16. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
João Pedro Moreira hat 2025 Geschichte geschrieben, als er als erster portugiesischer Dressurreiter den Großen Dressurpreis von Wiesbaden gewann. Er saß auf einem selbst ausgebildeten Pferd, mit dem er zuvor schon beim Bundeschampionat und der WM junger Dressurpferde auffiel. Die Geschichte eines Mannes der zusammen mit seiner Frau um der Dressur willen seine Heimat verließ und hier ein neues Familienmitglied fand.

Seit 13 Jahren leben João Pedro Moreira und seine Frau Marta in Deutschland, genauer gesagt in Telgte. Ihr Stall liegt in Lienen. Sie kamen mit einem klaren Ziel hierher: um bessere Reiter zu werden und es an die Spitze des Sports zu schaffen. Da war Deutschland ihre erste Wahl. Wie João sagt: „Ich bin ein großer Fußballfan. Und hier in Deutschland zu reiten, ist wie in der Champions League Fußball zu spielen. Man reitet gegen die Besten mit den besten Pferden, die Champions. Dieses Umfeld motiviert einen, härter zu arbeiten und an sich zu glauben.“


Dabei haben sowohl der 40-Jährige als auch seine Frau eigentlich andere Berufe gelernt. Marta Moreira hat Anglistik studiert. João hat sich in Traditionell Chinesischer Medizin und Akupunktur ausbilden lassen. Keiner von beiden kommt aus einer Pferdefamilie und für ihre Eltern war klar, dass sie erst einmal etwas „Ordentliches“ lernen sollten. Doch die Pferde gingen für Marta und João immer vor. Schon in Portugal haben sie mit Reiten ihren Lebensunterhalt verdient.


Dabei sind die Aufgaben klar verteilt: João kümmert sich um die Pferdeausbildung, Marta zieht hinter den Kulissen die Fäden, ist Trainerin, Organisatorin und Pflegerin in einem. Ihrem Stall haben sie den Namen „From 3 2 GP“ gegeben, um zu verdeutlichen, dass die Pferde hier von der Remonte bis Grand Prix-Niveau ausgebildet werden.


Von null bis Grand Prix


João Pedro Moreira reitet alle Pferde selbst, ob dreijährig oder Grand Prix-fertig. Und am liebsten Hengste. Er sagt: „Manchmal ist es ganz schön aufregend. Aber es macht uns wirklich Spaß. Wir starten auf Grand-Prix-Niveau und wollen zu großen Championaten, doch die Arbeit mit den jungen Pferden ist uns genauso wichtig. Wir glauben, dass die Bindung und das Vertrauen, die man durch das gemeinsame Aufwachsen von Anfang an aufbaut, etwas ganz Besonderes ist.“


Tatsächlich stünden bei ihnen ausschließlich Pferde im Stall, die langfristig von ihnen ausgebildet werden, sagt Marta Moreira: „Das ist die einzige Art, wie wir arbeiten wollen. Wir wollen Pferde nicht wie Maschinen behandeln. Dank unserer Partner können wir dieser Vision treu bleiben. Wenn wir das nicht so machen könnten, würden wir es überhaupt nicht machen.“


Einer der Hoffnungsträger des Stalls sei Drosa Venturini, ein nun sechsjähriger Sohn des Vivino aus einer Top Gear-Mutter. Die Turnierauftritte des Oldenburgers sind überschaubar. Bislang ging er in seinem Leben eine Dressurpferdeprüfung der Klasse L. Das war im März vergangenen Jahres in Ankum, wo sie mit der Endnote 7,54 Dritte wurden. Moreira setzt große Hoffnungen in den Hengst, vielleicht schon in diesem Jahr: „Wenn er sich weiterhin so gut entwickelt, könnten wir die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde in Verden anpeilen.“


Das schwarze Pony


Auch Joãos Erfolgspferd Drosa Fürst Kennedy kam jung in den Stall und ist den Weg über Nachwuchsturniere in den Spitzensport gegangen. Der Vorname leitet sich vom Besitzer des Hengstes ab, Roberto Pedrosa vom Haras do Drosa in Brasilien. Der in der Lewitz gezogene Fürsten-Look Sohn war zweieinhalbjährig, als João Pedro Moreira ihn entdeckte und kaufte.


Regelmäßigen Besuchern des Bundeschampionats ist der Rappe vielleicht schon fünfjährig aufgefallen, obwohl er damals nicht übers kleine Finale hinauskam. Aber er kam bereits damals so sympathisch und motiviert daher, dass man ihn einfach mögen musste. Sechsjährig war er ebenfalls im Warendorf am Start und sicherte sich einen hervorragenden fünften Platz in der Qualifikation. Im Finale war er jedoch offensichtlich müde. Kurz darauf qualifizierte er sich als Gewinner des Kleinen Finales für die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Hier wurde er Elfter. Seine große Stunde schlug ein Jahr später.


Sternstunde im Nebel


Der elfte September versprach ein schöner Tag zu werden bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde in Ermelo. Doch als João Pedro Moreira und Fürst Kennedy um 9 Uhr in der Früh das Finale der Siebenjährigen eröffneten, mussten die Sonnenstrahlen sich noch durch dichten Nebel kämpfen und man konnte bei C kaum sehen, was sich bei A abspielte. Dabei war das sehenswert! Mit Frische, Leichtigkeit und feinster Anlehnung lieferten João Moreira und sein kleiner Schwarzer einen Bilderbuchritt ab, der lange Zeit die Führung war. Schlussendlich wurden sie Vierte. Aber wer den Auftritt gesehen hat, dem ist dieses Paar im Gedächtnis geblieben.


2023 nahm Fürst Kennedy sich eine Turnierauszeit. Als er 2024 wiederkehrte, war er Grand Prix-reif. Und erfolgreich. Von den ersten Auftritten in Le Mans bis Jardy im Juni konnten sie ihre Bewertungen um fünf bis sechs Prozent steigern. Sie wurden für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris nominiert. Ein Traum ging in der Erfüllung. Doch der wurde zum Albtraum.


Am seidenen Faden


Moreira und Fürst Kennedy waren topfit und bereit für alles, was kommt. Aber einen Tag vor dem Grand Prix zeigte der Rappe plötzlich Koliksymptome. Und das war kein leichtes Bauchweh, das war heftig. João: „Zum Glück haben wir die Kolik rechtzeitig bemerkt. Er wurde operiert. Und dann begann eine lange Zeit der Rehabilitation.


Im Juli wurde Fürst Kennedy operiert. Bis Anfang November hatte der Hengst vollkommene Ruhe. Erst Mitte November konnten sie anfangen, ihn Schritt zu führen. Im Dezember konnte er wieder vorsichtig geritten werden. Doch dann erholte er sich schnell. Bereits im März feierte das Paar in Herning sein Comeback, wo sie Dritte im Grand Prix und Sechste in der Kür wurden.


Dass alles so schnell ging, führt João nicht zuletzt auf den Charakter des Hengstes zurück. „Kennedy war immer sehr gesund. Wie er sich erholt hat, war unglaublich. Mit ihm ist alles einfach. Er ist ein so unkompliziertes Pferd. Mit ihm fühlt sich alles einfach an und das liegt an seiner Persönlichkeit. Für uns ist er etwas ganz besonderes, ein Familienmitglied, ein Freund.“


Eben darum sagt Marta Moreira sei es ihnen weniger darum gegangen, dass ihr Mann sei Olympiapferd zurückbekommt, sondern dass sie Kennedy als Familienmitglied retten. „Nach der Operation war das alles, was für uns zählte, dass er überlebt und dass er sich als Pferd erholt. Erst danach haben wir darüber nachgedacht, ob er in den Sport zurückkehrt.“


Ebenso bekämen alle Pferde die Zeit für ihre sportliche Entwicklung, die sie brauchen. Das könne man sich mit Besitzern wie Roberto Pedrosa leisten, weiß João Moreira: „Weil wir von den Besitzern keinen Druck bekommen, können wir uns die Zeit nehmen, von der wir glauben, dass die Pferde sie brauchen“, sagt er. „Wir leben für unsere Pferde. Sie sind für uns nicht Mittel zum Zweck, um unsere Ziele zu erreichen.“


Ziel WM


Das nächste Ziel ist nun die Weltmeisterschaft in Aachen. „Darauf arbeiten wir langsam aber stetig hin“, sagt er. „Fürst Kennedy kennt nun alle Lektionen. Er ist erst zehnjährig, jetzt können wir uns auf das Verfeinern konzentrieren. Es ist wunderbar zu sehen, wie er sich entwickelt, sowohl als Pferd als auch als Sportler.“


Dies ist eine bearbeitete/ergänzte Pressemitteilung der FEI


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