FEI Jumping Recorded Warnings
Blutregel im Springsport: Elf weitere Fälle, zwei Sperren, (kein) Kommentar der FEI
Symbolbild Sporen. Foto: sportfotos-lafrentz.de Am 13. Januar hatten wir über 15 Recorded Warnings bei zwei Turnieren berichtet. Nun, 14 Tage später, sind noch elf hinzugekommen.
Beim CSI3* in Shenzhen-Guangming (CHN) vom 15. bis 18. Januar war das Pferd von Yaoyang Chen verletzt. Am gleichen Wochenende wiesen auch die Pferde der Norwegerin Martine Myhrer Dingeland in Oliva Nova (ESP), des Franzosen Olivier Robert beim Weltcup-Turnier in Leipzig und der Britin Chloe Winchester beim CSI2* Vejer de la Frontera Verletzungen auf, die eine Verwarnung nach sich zogen. Yaoyang Chen wurde am gleichen Wochenende noch einmal verwarnt und ist dementsprechend nun bis zum 18. Februar gesperrt.
Am Wochenende darauf wurden ausschließlich in Doha Verwarnungen ausgesprochen, und das von 1*- bis 5*-Niveau. Letzteres betraf den Italiener Juan Carlos Garcia. In der Ein-Sterne-Tour erhielt Mohammed Rashid Al Amri (QAT) eine Verwarnung. Bei den CSI3*-Reitern waren Seif Basem Ghabbour (EGY), Adel Keshavarz (IRI), Adam Tamer Hammouda (EGY) und Ali Osama Abdelghani (EGY) betroffen.
Neben dem bereits erwähnten Yaoyang Chen hat sich noch ein weiterer Reiter eine Sperre eingehandelt: Ismail Osama El Borat (EGY). Er darf bis zum 10. Februar nicht reiten.
Die Art der Verletzungen
Wie Art. 259 der FEI Jumping Rules es vorsieht, führen „Signs of injury on the Horse“ zu einer Verwarnung. Um welche Art von Verletzungen es sich dabei handelt, ließ die FEI in ihrer Antwort auf Nachfrage unkommentiert, erklärte lediglich allgemein, dass es sich dabei um eine Bandbreite an Fällen handelte, die durch den Reiter, die Ausrüstung bzw. das Sattelzeug zustande kamen.
Dabei bezog man sich noch einmal auf die Aussage der Regel, wonach Verwarnungen gemäß Art. 259 an die verantwortliche Person (Reiter) ausgesprochen werden, wenn bei einer FEI-Veranstaltung „Blut an einem Pferd auftritt, das durch Ausrüstung, Zaumzeug oder durch den Reiter selbst verursacht wurde“. Explizit ausgenommen sind Fälle, bei denen sich das Pferd beispielsweise selbst gestreift hat.
Was passiert wann?
Zur genaueren Einordnung hat die FEI inzwischen verschiedene Szenarien entworfen, die erklären, wie die neue Regel anzuwenden ist.
- Wenn beim Abreiten Blut im Sporenbereich sichtbar wird, wird eine Verwarnung ausgesprochen und der Tierarzt hinzugezogen, der entscheidet, ob das Pferd weiter an der Prüfung sowie am weiteren Turnier Teilnehmen darf.
- Wenn das Blut erst nach Verlassen des Parcours sichtbar wird, Verwarnung und einen Check durch den Tierarzt, der wiederum entscheidet, ob das Pferd an weiteren Prüfungen teilnehmen darf.
- Wenn beim obligatorischen Check nach dem Verlassen des Parcours eine „kleine Menge“ („Small amount“) Blut am Pferdemaul sichtbar ist und Steward und Richter zu dem Schluss kommen, dass das Pferd sich auf die Lippe gebissen hat, gibt es keine Verwarnung und keine Sanktion. Der Tierarzt muss das Pferd untersuchen. Die Offiziellen können dem Reiter erlauben, das Blut abzuwaschen oder wegzuwischen.
- Kommt das Pferd mit Sporenmalen aus dem Parcours, die auf einen übermäßigen Einsatz der Sporen hinweisen, ist eine Disqualifikation von der Prüfung und eventuell dem weiteren Turnier verpflichtend. Auch hier wird sich die Groundjury mit dem Tierarzt beraten, um festzustellen, ob das Pferd fit genug ist, am weiteren Turnier teilzunehmen. Wenn nicht, wird es disqualifiziert. Hier besteht die Möglichkeit („Possibility“), weitere Sanktionen zu erhängen oder auch ein Verfahren wegen Misshandlung des Pferdes zu eröffnen. Neu hinzugekommen ist unter der neuen Regelung allerdings nur der Tierarztcheck – die Möglichkeit, gesonderte Strafen zu verhängen bzw. ein Verfahren zu eröffnen, gab es vorher auch schon. Auch die Disqualifikation war hier obligatorisch.
Wann ein Pferd trotz Blut „fit to compete“ ist oder eben auch nicht, hat die FEI hier zusammengefasst.
Vergleich zu den Fallzahlen von 2024 und 2025
In 2024 zählte der Weltverband insgesamt 475.780 FEI Starts. Dabei wurden 83 Reiter wegen Blut im Bereich des Sporens ausgeschlossen. Das entspricht 0,02 Prozent. Zwei Reiter wurden zweimal innerhalb von zwölf Monaten wegen Sporenmalen bei ihren Pferden ausgeschlossen.
In 2025 gab es 487.900 Starts und 116 Ausschlüsse wegen Blut. Auch das entspricht 0,02 Prozent. Sechs Reiter fielen zweimal innerhalb eines Jahres auf.
Nun sind zwei Reiter innerhalb eines Monats zweimal aufgefallen und an vier Wochenenden gab es bereits 26 Recorded Warnings wegen Blut am Pferd, was wie gesagt nicht notwendigerweise im Bereich der Flanken gewesen sein muss, aber kann. Jedoch waren die Fälle aus Sicht der Verantwortlichen offenkundig nicht so gravierend, dass sie eine sofortige Disqualifikation erfordert hätten. Das zumindest geht aus dem Regelwerk hervor.
Angesprochen auf den sprunghaften Anstieg dokumentierter Verletzungen unter der neuen Regel erklärte die FEI:
„Angesichts der bisher geringen Anzahl an Turnieren im Jahr 2026 raten wir davon ab, zum jetzigen Zeitpunkt allgemeine Aussagen zu Trends zu treffen oder Vergleiche mit den Zahlen von 2025 anzustellen. Die FEI beobachtet die Datenentwicklung aufmerksam.“