Weltcup Kür Amsterdam 2026
Glamourdale gewinnt Duell der starken schwarzen Pferde
Die Sieger von Amsterdam 2026 sind die Sieger von 2025: Charlotte Fry und Glamourdale. Foto: FEI/Leanjo de Koster Mit 89,305 Prozent sicherten sich Charlotte Fry und Glamourdale die Weltcup-Kür von Amsterdam. Ehe sie ihre „Glamourdale Airlines-Kür“ zu einem Pop-Potpourri rund ums Thema Fliegen von den Vengaboys bis Randy Crawford begannen, ließ die Britin ihren 15-jährigen Hengst außerhalb des Vierecks noch einmal anpassagieren. Waren hier noch deutliche Spannungstritte zu sehen, konzentrierte sich Glamourdale im Viereck sofort auf seinen Job. Der Bewegungsablauf wurde freier. Die Piaffen gelangen recht gut, am besten wenn er in den Piaffe-Pirouetten die Möglichkeit hatte, sich besser auszubalancieren. Die Serienwechsel sind immer ein Highlight, die Verstärkungen in Trab und Galopp sowieso. Eines zog sich wie ein roter Faden durch die ganze Prüfung: die feste Anlehnung. Als das Paar zum zweiten Mal Aufstellung zum Gruß nahm, der Applaus losbrach, Fry die Zügel lang ließ und ihrem Hengst dankbar den Hals streichelte, war der eine ganze Weile lang damit beschäftigt, sein Maul immer wieder weit zu öffnen und zu schließen.
Platz zwei für Wendy
Wie schon im Grand Prix wurde es auch heute Rang zwei für Isabell Werth und Wendy, diesmal mit 87,580 Prozent. Auch die heutige Prüfung der beiden war nicht spannungsfrei, aber deutlich besser als der gestrige Grand Prix. Werth kam nicht immer, aber immer wieder zum Nachgeben und besonders zu Anfang der Galopptour war der Durchsprung sicherer gegeben. In den Pirouetten müsste sie noch besser unter den Schwerpunkt springen und noch immer sprang sie die Serienwechsel nicht losgelassen durch den Körper und in den Zweiern passierten dadurch auch Fehler, aber in Summe war die Galopptour besser als gestern. Bemerkenswert war die letzte Piaffereprise. In der Pirouette hatte die Stute fast ein wenig Rückwärtstendenz, so dass es eher eine Mittelhandswendung wurde. Aber als Werth dann noch ein paar Tritte auf der Stelle zeigte, fand Wendy in die Balance und Selbsthaltung. In der Passage danach konnte Werth die Zügel los- und die Stute machen lassen.
Werth sagte später: „Wir haben bei den letzten beiden Turnieren viel gelernt, und ich kann wirklich fühlen, dass sie an Kraft gewinnt und Muskulatur aufbaut. Die Galopparbeit war schon besser als letztes Mal, aber es ist noch Luft nach oben.“
Platz drei und Harmonie-Preis für Moody und „Bomb“
Am Ende war das Podium von Amsterdam 2026 das gleiche wie 2025 – Fry an der Spitze, Isabell Werth und Becky Moody dahinter. Allerdings haben letztere die Plätze getauscht. 2025 war Werth mit Quantaz in Amsterdam und musste sich Becky Moody und ihrem grundsolide und reell ausgebildeten Dante Weltino-Sohn Jagerbomb geschlagen geben. Heute war es andersherum, Moody wurde Dritte mit 85,310 Prozent. Großer Trost (falls sie den nötig hatte): Das britische Duo wurde vom Publikum zum harmonischsten Paar gewählt und konnte den mit 10.000 Euro dotierte Harmonie & Fairness Award mit nach Hause nehmen.
„Es ist etwas ganz Besonderes, diesen Preis zu gewinnen“, sagte Moody später. Aber sie gab ihn glich weiter: „Aus meiner Sicht liegt das an Jagerbomb – er ermöglicht es mir, so zu reiten.“ Was sie als seine Züchterin hier unterschlägt: Sie hat ihn selbst ausgebildet und damit einen nicht ganz kleinen Anteil daran, dass er sich so reiten lässt.
Apropos schönes Reiten – Moritz Treffinger
Ein Paar, das diesen Preis heute auch hätte mitnehmen können, wären U25-Europameister Moritz Treffinger und Fiderdance gewesen. Mit wunderbar elegantem gestreckten Sitz und dezenter Hilfengebung forderte Treffinger nur so viel von dem Fidertanz-Sohn, wie dieser zu geben bereit und in der Lage war. Das Ergebnis war ein zufriedenes Pferd, das am metaphorischen Zwirnsfaden durch seine Kür zu unter anderem den Fugees tanzte und z.B. in den Pirouetten echte Highlights hatte. Das hat Spaß gemacht! Den Zuschauern, die das Paar mit Standing Ovation feierte und den Richtern offenbar auch, denn sie gaben den beiden 78,505 Prozent, was am Ende Rang acht wurde.
Und die andere Olympiasiegerin im Feld?
Nicht nur eine, sondern zwei Olympiasiegerinnen waren dieses Jahr in Amsterdam am Start. Neben Isabell Werth auch Charlotte Dujardin auf ihrer Westfalen-Stute Alive and Kicking. Mit 79,955 Prozent konnte sich das Paar gegenüber ihrem Weltcup-Debüt in London bereits steigern. Auch schien die All at Once-Tochter heute schon deutlich gelassener zu sein, als noch gestern im Grand Prix. Ihr Highlight sind die versammelten Lektionen, die Piaffe-Passage-Arbeit mit bombensicherem Takt und ganz viel Engagement, sowie die Pirouetten. Man ahnt, dass da mit zunehmender Erfahrung und Prüfungsroutine noch einiges mehr drin ist.
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Zwischenstand Weltcup-Ranking
Neun Paare der Westeuropa-Liga qualifizieren sich für das Weltcup-Finale im April in Fort Worth und maximal drei Duos pro Nation. Derzeit sieht es so aus, als wäre Deutschland mit drei Paaren vertreten. Angeführt wird das Ranking von Raphael Netz, Isabell Werth und Moritz Treffinger liegen gleichauf auf Rang acht. Für den U25-Europameister Treffinger (23) wäre die Qualifikation in seiner ersten Weltcup-Saison ein Riesenerfolg und ein verdienter dazu! Für Isabell Werth wäre es das 27. (!) Finale ihrer Karriere.
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