FEI-Regelwerk zum Gebrauch von Schlaufzügel soll klarer formuliert werden
FEI: Reiten auf blankem Schlaufzügel nicht erlaubt
Christian Kukuk mit Just be Gentle bei der EM in La Coruña, wo das deutsche Team Bronze holte. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Art. 257 der FEI Jumping Rules sagt:
„In the Competition arena (…) Reins must be attached to the bit(s) or directly to the bridle. A maximum of two pairs of reins may be uses. If two pairs of reins are used, one pair must be attached to the bit or directly ti the bridle. (…)
Draw reins (running reins) are forbidden in the Competition arena except during prize giving ceremonies and march-past parades.“
Problem: Das Video, wie Christian Kukuk Just be Gentle auf blankem Schlaufzügel reitet, stammt nicht aus der „Competition arena“, sondern von einem Nebenplatz. Was hier gilt, ist nicht eindeutig definiert.
Statement FEI
Gegenüber dem Instagram-Kanal „Die mit den Pferden“ vom WDR hat der Weltreiterverband FEI sich nun aber positioniert und folgendes Statement abgegeben:
„Der Vorfall ereignete sich auf einem Trainingsplatz während einer speziell für Dressur vorgesehenen Zeit. Bedauerlicherweise wurde er von den anwesenden Stewards nicht bemerkt.
Die FEI hat die Entschuldigung und das Bedauern des Athleten bezüglich seines Verhaltens zur Kenntnis genommen. Die FEI hat sich zudem direkt mit dem Athleten in Verbindung gesetzt und klargestellt, dass diese Art von Zügelgebrauch in diesem Sport nicht toleriert wird.
Gemäß den FEI-Springregeln ist der Einsatz von Schlaufzügeln allein nicht erlaubt. Obwohl während des Wettkampfs keine formellen Sanktionen verhängt wurden, da die Offiziellen vor Ort nicht eingeschritten waren, hat die FEI die Angelegenheit direkt mit dem Athleten besprochen.
Die FEI wird künftig die entsprechenden Regeln präzisieren, um jegliche Unklarheiten zu beseitigen und explizit klarzustellen, dass derartiger Gebrauch von Zügeln oder Schlaufzügeln zu keiner Zeit gestattet ist. Außerdem soll eine angemessene Sanktion festgelegt werden für den Fall, dass sich eine solche Situation wiederholt.“
Reaktion der FN
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hatte sich unmittelbar in der Angelegenheit geäußert. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Dennis Peiler erklärte gegenüber Rheinlands Reiter + Pferde:
„Wir haben als Verband umgehend reagiert. In Gesprächen mit der FN war er selbstkritisch und sich bewusst, dass er in dieser Situation nicht richtig agiert hat. Wir erwarten, dass er es zukünftig besser macht. Als Kaderreiter und Olympiasieger hat er eine Vorbildfunktion.“
Sanktionen werde es aber keine geben, wie FN-Präsident Martin Richenhagen gegenüber dem ZDF klarstellte, „weil es sich definitiv nicht um den Tatbestand der Tierquälerei handelt“.
Er habe sofort das Gespräch mit Ludger Beerbaum und Otto Becker gesucht. „Das ist eigentlich jetzt nicht so, dass das was ganz, ganz Dramatisches passiert ist. Die Aufregung ist wesentlich größer als das, was vor Ort gelaufen ist. Das Pferd ist nachher Dritter geworden in der Springprüfung, also so schlimm kann es ja nicht gewesen sein.“
Zum Hintergrund
Das fragliche Video ist eine 35-sekündige Sequenz. Gefilmt werden zwei Zirkelrunden von Christian Kukuk mit Just be Gentle, zunächst im Galopp, ganz zum Schluss auch kurz im Trab. Kukuk hat nur die Schlaufzügel in der Hand, keinen weiteren Zügel und wirkt mit der Hand rückwärts ein. Nach eineinhalb Runden im Galopp pariert der Reiter durch zum Trab. Die Stute geht deutlich unklar im Takt.
Statement Kukuk
Christian Kukuk hat sich später öffentlich für sein Reiten auf dem Video entschuldigt. Er habe eine „falsche Entscheidung“ getroffen und begründete das wie folgt:
„Just Be Gentle ist ein sehr energiereiches, sensibles Pferd, auf das man sehr individuell eingeht. (…) In Verona war sie in den ersten Tagen unheimlich aufgeregt. Ich musste für mich überlegen, wie komme ich am besten an das Pferd heran, wie kriege ich sie kommunikativ auf meine Seite und die Anspannung aus dem Pferd heraus.“
Anders als im Video dargestellt, gehe es bei ihr immer nur darum, die Anspannung herauszubekommen.
Ausschließlich auf Schlaufzügel zu reiten, war aus seiner Sicht hilfreich:
„Mit dem mit dem normalen Zügel und dem Schlaufzügel, also mit zwei Zügeln in der Hand, habe ich am Ende eine begrenzte Wirkung für das Pferd. Und ich habe bei Just Be Gentle die Erfahrung gemacht, bei dieser Herangehensweise eine zu sprunghafte Verbindung zu haben. Das heißt, mein Zügel im Trensenring hat keine kontinuierliche Verbindung zum Maul gehabt, sondern war sehr sprunghaft, und sie hat am Ende nur den Schlaufzügel angenommen. Und deswegen hab ich gesagt: Okay, um diese sprunghafte Verbindung nicht zu haben, weil es gerade ganz wichtig ist, mit dem Pferd wirklich kontinuierlich zu kommunizieren und ich bei ihr sein muss, ich ja Anlehnung geben muss, um die Anspannung rauszubekommen und nicht rein – was wirklich falsch rübergekommen ist –, deswegen habe ich mich dafür entschieden, den Zügel abzumachen um ihr so meines Erachtens nach in dem Moment eine bessere Anlehnung geben zu können.“