Training des Pferdes bei Kälte

Reizt kalte Luft die Atemwege des Pferdes?

Für ein gesundes Pferd ist ein Galopp durch den Schnee unproblematisch. Aber Pferde, die bereits unter Equinem Asthma leiden, sollte man im Winter nicht zusätzlich belasten, da Kälte vorgeschädigte Atemwege reizt. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Für ein gesundes Pferd ist ein Galopp durch den Schnee unproblematisch. Aber Pferde, die bereits unter Equinem Asthma leiden, sollte man im Winter nicht zusätzlich belasten, da Kälte vorgeschädigte Atemwege reizt. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Bei den derzeitigen frostigen Temperaturen fällt einigen Reitern auf, dass ihre Pferde nach dem Training häufiger husten als sonst. Reizt die kalte Luft die Atemwege? Sollten Pferde mit Atemwegsproblemen bei frostigen Temperaturen nur leicht bewegt werden? Wir haben bei Tierärztin Dr. Annette Wyrwoll nachgefragt und uns wissenschaftliche Studien angesehen

Winterzeit ist für viele Pferde Hustenzeit – was meist auf die Haltung und Fütterung zurückzuführen ist: Staub aus Heu und Einstreu, weniger frische Luft und Bewegung sind Faktoren, die die Atemwege belasten. Setzen die Minustemperaturen, die wir derzeit vielerorts haben, dem Ganzen noch eins drauf?


„Ich hatte erst gestern wieder ein Pferd, das seit Jahren an Equinem Asthma leidet und dem es aktuell schlechter geht“, erzählt Tierärztin Dr. Annette Wyrwoll. „Aus meiner Sicht tragen kalte Temperaturen dazu bei, Atemwegsprobleme zu verschärfen, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen werden in einigen Ställen die Fenster Tag und Nacht bei Minusgraden geschlossen, damit die Tränken nicht einfrieren. Zum anderen reizt eiskalte Luft vermehrt bereits geschädigte Bronchien.“


Kalte Luft in den Atemwegen


Viele Jogger wissen aus eigener Erfahrung, dass kalte Luft die Atemwege reizen kann. Untersuchungen zeigen, dass die oberen Atemwege kalte Luft bei intensivem Ein- und Ausatmen (also unter Belastung) nicht mehr ausreichend erwärmen und befeuchten können. Das kühle, trockene Luftgemisch erreicht die tieferen Atemwege. Dort kühlt und entwässert es die Schleimhäute, was zu mikroskopisch nachweisbaren Schleimhautveränderungen führen kann.


Training im Winter anpassen


Ob und wie ein Pferd mit Equinem Asthma grundsätzlich trainiert werden kann, hängt von dessen Zustand und dem Stadium der Krankheit ab. „Pferde, die stark unter Equinem Asthma leiden, können sowieso nicht so intensiv belastet werden. Aber es gibt viele Fälle, bei denen leichte dressurmäßige Arbeit auch bei kalten Temperaturen möglich ist“, so Dr. Annette Wyrwoll. Von einem frischen Galopp durch den Schnee oder auf dem Außenplatz mit einem Asthmatiker würde die Tierärztin allerdings abraten.


Wie immer gilt: Am besten den behandelnden Tierarzt um Rat fragen, wie das Training prinzipiell gestaltet werden sollte, das Pferd beobachten und bei vermehrtem Husten das Training entsprechend anpassen.


Das sagen Wissenschaftler


Häufig sind Allergene wie Schimmelpilzsporen, Pollen oder Staub die Ursache für Equines Asthma. Sie führen zu einer Entzündungsreaktion in den Atemwegen. Es wird vermehrt Schleim produziert und die Atemwege verengen sich. Kalte Luft wirkt über einen anderen Mechanismus, ohne dass Allergen beteiligt sind, führt aber zu denselben Reaktionen, erklärt der Wissenschaftler Dr. David Marlin. Zusammen mit Dr. Michael S. Davis und weiteren Kollegen hat er sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und an mehreren Studien mitgewirkt.


In einer experimentellen Primärstudie mit sechs Pferden konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass bei einem intensiven Galopp (6,6 m/s, also ca. 24 km/h) bei 4 Grad Schleimhautschädigungen in den Atemwegen gesunder Pferde auftreten. Mittels bronchoalveolärer Lavage (BAL) stellten sie fest, dass sich Zellen der Schleimhaut abgelöst hatten. Symptome wie Husten oder Nasenausfluss zeigten die Pferde nicht. Da keine Langzeitfolgen dokumentiert wurden, bleibt unklar, wie weitreichend diese Irritationen oder leichten Schäden an der Schleimhaut sind.


Wenn der Husten später auftritt


Bei Belastung atmen Pferde so schnell, dass die Zeit nicht ausreicht, um die kalte Luft ausreichend vorzuwärmen und anzufeuchten, bevor sie tief in die Lunge gelangt. In einer weiteren Studie mit acht lungengesunden Pferden wiesen die Wissenschaftler nach, dass sich die Bronchien dadurch verengen.


Die Pferde wurden bei -5 Grad 15 Minuten lang zügig galoppiert und nach 5, 24 sowie 48 Stunden prüften die Forscher verschiedene Parameter der Lunge wie etwa den Strömungswiderstand in den Atemwegen.


Bei der ersten Messung nach fünf Stunden gab es keine Auffälligkeiten. Aber zwei Tage nach der Belastung in der Kälte war der Widerstand der Atemwege signifikant erhöht, d.h. die Bronchien hatten sich zusammengezogen.


Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der Zeitraum, in dem sich diese Veränderungen der Atemwegsmechanik beim Pferd entwickeln, länger ist als bei anderen Säugetieren. Dies macht die kalte Luft tückisch, da die Reaktion (die sogenannte „Late-Phase Bronchoconstriction“) erst auftritt, wenn das eigentliche Training schon lange vorbei ist.


Wissenschaftler Dr. David Marlin rät daher, an sehr kalten Tagen oder in den Morgenstunden auf intensive Arbeit zu verzichten, besonders bei Pferden, die schon einmal Atemwegsprobleme hatten.


 Studien


Davis MS, Royer CM, McKenzie EC, Williamson KK, Payton M, Marlin D. Cold air-induced late-phase bronchoconstriction in horses. Equine Vet J Suppl. 2006 Aug;(36):535-9.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17402479




Davis MS, Lockard AJ, Marlin DJ, Freed AN. Airway cooling and mucosal injury during cold weather exercise. Equine Vet J Suppl. 2002 Sep;(34):413-6.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12405726


WP Wehrmann Publishing