Fellwechsel Pferd: Einfluss von Tageslänge, Wetter und Decken – Studienblick

Fellwechsel beim Pferd: Was Licht, Wetter und Eindecken bewirken

Durch das Eindecken kann man zwar die Ausbildung des Winterfells nicht verhindern, aber bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, wie dicht es wird. Foto: sportfotos-lafrentz.de Durch das Eindecken kann man zwar die Ausbildung des Winterfells nicht verhindern, aber bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, wie dicht es wird. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Wie Licht, Wetter und Decken den Fellwechsel beeinflussen – Studien zur sogenannten Photoperiode, Lichtprogrammen und was Eindecken wirklich bringt.

Der Fellwechsel bei Pferden folgt einem festen Jahresrhythmus, weil die Tageslänge vorgibt, ob der Körper Winter- oder Sommerfell bildet. Das Wetter beeinflusst hingegen, wie viel Wärme ein Pferd verliert und wie stark der Stoffwechsel gegensteuern muss, um die Körpertemperatur zu halten. Decken verändern diese Wärmebilanz und können – je nach Einsatz – sogar die Haarlänge beeinflussen, wie eine Studie zeigt.


Warum steuert die Tageslänge den Fellwechsel beim Pferd?


Pferde richten den Fellwechsel nicht nach dem Wetter aus, sondern nach der Tageslänge. Dieses Signal bleibt jedes Jahr stabil und gibt dem Körper frühzeitig vor, ob Winter- oder Sommerfell gebildet wird. Verkürzt sich im Spätsommer das Tageslicht, verlängert sich die nächtliche Melatonin-Ausschüttung. Dieses Signal erreicht über den Hypothalamus die Hypophyse und senkt den Prolaktinspiegel – ein Hormon, das eng mit dem Haarwachstum verbunden ist.

Sinkt Prolaktin, schalten die Haarfollikel auf Winterbetrieb: Mehr Follikel treten in die Wachstumsphase, die Haare werden länger und dichter. Im Frühjahr steigt der Prolaktinspiegel wieder, und der Organismus stellt auf Sommerfell um. Temperatur und Witterung beeinflussen lediglich, wie stark das Fell später isoliert – sie ersetzen jedoch nicht den hormonellen Taktgeber der Photoperiode.


Kann man mit Lichtprogrammen den Fellwechsel verhindern?


In Studien verlängerte künstliche Beleuchtung die „Tageslänge“ über Stalllicht oder Lichtmasken, teils kombiniert mit zusätzlicher Wärme durch Decken. Die Ergebnisse zeigen: Startet man ein solches Programm rechtzeitig, also vor dem natürlichen Beginn des Winterfellaufbaus im Spätsommer, bleibt das Sommerfell länger erhalten und der Übergang zum Winterfell verzögert sich. Sobald der Körper den Wechsel zum Winterfell eingeleitet hat, lässt sich der Prozess jedoch nur noch bremsen, nicht vollständig rückgängig machen. (O’Brien C et al. 2020).


Temperatur, Wind und Nässe: Was belastet Pferde im Winter?


Wärme oder Kälte verändern nicht den Zeitpunkt des Fellwechsels, beeinflussen aber die Thermoregulation und wie stark das Winterfell ausgeprägt ist. In sehr kalten Wintern bilden Pferde häufig ein dichteres und damit stärker isolierendes Winterfell. Der Körper reagiert dabei auf anhaltend höheren Wärmeverlust, indem das vorhandene Winterfell seine Schutzwirkung verstärkt.


Gesunde, erwachsene Pferde kommen mit deutlich niedrigeren Temperaturen zurecht als Menschen. Ihre thermoneutrale Zone liegt grob zwischen 0 °C und 10 °C. In diesem Bereich kann der Körper die Wärmebalance meist ohne deutlich erhöhten Energieaufwand halten – vorausgesetzt, das Fell bleibt trocken und der Windschutz stimmt.


Trockene Kälte lässt sich durch das aufgerichtete Winterfell oft gut ausgleichen. Die isolierende Luftschicht zwischen den Haaren bleibt erhalten, der Wärmeverlust bleibt begrenzt. Kritisch wird es, wenn Nässe oder Wind hinzukommen: Feuchtigkeit verdrängt die isolierende Luftschicht, Wind verwirbelt sie. In beiden Fällen steigt der Wärmeverlust deutlich und der Stoffwechsel muss spürbar mehr Energie bereitstellen, um die Körpertemperatur stabil zu halten.


Hilft eine Decke, damit das Pferd im Fellwechsel nicht zu viel Winterfell bildet?


Eine Decke greift nicht in den Fellwechsel selbst ein, verändert aber die Wärmebilanz des Pferdes. Sie reduziert den Wärmeverlust, indem sie Kälte, Wind und Nässe abhält. Das kann vor Auskühlung schützen, birgt aber das Risiko von Überwärmung, wenn die Decke zu warm gewählt ist oder die Temperaturen steigen. Entscheidend ist deshalb eine der Witterung angepasste Deckenfüllung, die regelmäßig überprüft und an Temperaturveränderungen angepasst wird. Wie sinnvoll Eindecken im Einzelfall ist, hängt zusätzlich vom Pferd selbst ab – etwa von Fellstruktur, Körperkondition, Gesundheitszustand und Arbeitsbelastung.


Ob Eindecken auch die Ausprägung des Winterfells beeinflussen kann, wurde in einer kontrollierten Studie untersucht. DeBoer et al. verglichen 16 Pferde, von denen acht ab Oktober eingedeckt wurden, während acht Tiere ohne Decke blieben. Die Forscher maßen die Haarlänge an mehreren Körperregionen und nutzten den Hals gezielt, um Scheuereffekte durch die Decke auszuschließen. Im Winter trugen die eingedeckten Pferde insgesamt kürzere Haare als die nicht eingedeckten Tiere; im Januar betrug der Unterschied am Hals 43 mm gegenüber 58 mm. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Eindecken die Haarlänge insgesamt beeinflusst, weil der Körper weniger Wärme verliert.


Warum Fellwechsel und Winterfell von Pferd zu Pferd unterschiedlich ausfallen


Ob ein Pferd im Winter sehr dichtes Fell trägt oder vergleichsweise kurz behaart bleibt, hängt nicht nur von Tageslänge, Wetter oder Eindecken ab, sondern auch vom individuellen Tier. Alter, Rassetyp, Körperkondition und der Stoffwechselzustand beeinflussen, wie stark sich das Winterfell ausprägt und wie sichtbar der Fellwechsel verläuft.

Ponys und robuste Rassen entwickeln unter gleichen Bedingungen häufig ein längeres und dichteres Winterfell als viele Warmblüter. Bei älteren Pferden fällt der Fellwechsel oft verzögert oder unvollständig aus, nicht selten im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen wie bei PPID. Auch bei Pferden mit Stoffwechselstörungen zeigt sich der Fellwechsel im Alltag häufig deutlich anders als bei stoffwechselgesunden Tieren.


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