Wie der Fellwechsel beim Pferd gesteuert wird – Jahresrhythmus, Licht und Fellaufbau
Alles über den Fellwechsel beim Pferd
Bei gesunden Pferden, die überwiegend draußen gehalten werden, bildet der Organismus ein Winterfell, das sie normalerweise auch ohne zusätzliche Decke durch die kalte Jahreszeit bringt. Foto: sportfotos-lafrentz.de Der Fellwechsel beginnt im Körper lange bevor er äußerlich sichtbar wird. Er folgt einem festen biologischen Rhythmus. Licht gibt den Takt vor, Wetter, Haltung und Eindecken bestimmen, wie dicht das Fell wird.
Wann beginnt der Fellwechsel bei Pferden?
Pferde beginnen bereits im Spätsommer – meist unbemerkt – ihr Winterfell aufzubauen. Die Haare werden allmählich länger, unter der Deckschicht bildet sich eine dichte Unterwolle aus vielen feinen Wollhaaren. Diese Struktur schützt vor Kälte, weil sich zwischen den Haaren vom Körper erwärmte Luft speichert und als natürlicher Isolationsschicht wirkt. Verlieren Pferde viel Wärme, etwa weil es sehr kalt ist, können sie diesen Effekt verstärken. Jedes Haar ist über einen kleinen Muskel mit der Haut verbunden. Zieht sich dieser Muskel zusammen, richtet sich das Haar auf, zwischen den Haaren wird mehr Luft eingeschlossen. Stehen die Haare weiter ab – was man bei manchen Pferden im Winter gut sehen kann – entsteht direkt über der Haut eine dickere Luftschicht. Je mehr Luft im Fell „gefangen“ bleibt, desto besser hält es warm.
Wird ein Pferd geschoren, verliert es einen großen Teil dieser natürlichen Isolation. Geschorene Tiere reagieren deshalb empfindlicher auf Kälte, Regen und Wind, trocknen nach dem Training aber schneller. Im sportlichen Einsatz kann das sinnvoll sein, wenn man immer die passende Decke nutzt, um die fehlende Isolationsleistung des Fells auszugleichen.
Der Wechsel vom Winter- zum Sommerfell beginnt ebenfalls deutlich früher, als viele erwarten. Ab Januar, sobald die Tageslänge wieder zunimmt, stellt der Körper hormonell auf Sommerfell um. Die Phase, die viele als Fellwechsel bezeichnen, ist streng genommen nur der letzte Schritt: Zwischen Februar und April wirft das Pferd die dichte Unterwolle und die langen Winterhaare ab. Die neuen kurzen, glatten Sommerhaare haben sich zu diesem Zeitpunkt bereits gebildet. Sie liegen eng an und ermöglichen es dem Pferd, im Sommer überschüssige Wärme schneller abzugeben und sich über Verdunstung zu kühlen.
Licht, Temperatur und Eindecken – was den Fellwechsel steuert und was nicht
Die Photoperiode, also die Dauer des Tageslichts, steuert den Fellwechsel. In Experimenten mit Lichtprogrammen zeigte sich, dass Pferde länger ihr Sommerfell haben, wenn die Tageslänge künstlich verlängert wird. Das gelingt jedoch nur, wenn sehr früh eingegriffen wird. Hat der Körper bereits auf Winterfell umgestellt, reagiert das System nur noch begrenzt: Der Prozess lässt sich abbremsen, aber nicht mehr vollständig aufhalten.
Temperatur und Wärmehaushalt bestimmen anschließend, wie dicht und isolierend das Winterfell ausfällt. Trägt ein Pferd eine Decke, verliert es weniger Wärme. Das Winterfell bildet sich dann oft weniger stark aus. Wie deutlich dieser Effekt ist, variiert individuell (mehr dazu).
Thermoregulation: auf die Witterung kommt es an
Das Winterfell schützt Pferde bei trockener Kälte zuverlässig. Die isolierende Luftschicht zwischen den Haaren hält die Körperwärme nah an der Haut. Dieser Schutz funktioniert jedoch nur, solange das Fell trocken bleibt und Wind die Luftschicht nicht zerstört. Bei Regen oder starkem Wind verliert selbst dichtes Winterfell einen Teil seiner Isolationswirkung. Pferde kühlen dann schneller aus und zeigen häufiger Anzeichen von Unbehagen. Beobachtungsstudien bestätigen diese Erfahrung aus dem Stallalltag: Trockene Kälte wird meist gut kompensiert, während Nässe und Wind für Pferde belastender sind (Mejdell CM et al. 2020).
Welche Rolle spielen Rasse, Alter und Haltung für den Fellwechsel?
Haltung, Rasse und Alter beeinflussen, wie ausgeprägt das Winterfell wird – nicht, wann der Fellwechsel beginnt.
Pferde, die überwiegend draußen leben, verlieren durch Wind, Nässe und Temperaturschwankungen in Herbst und Winter mehr Wärme als Tiere im Stall. Ihr Körper reagiert darauf mit einem funktionell stärker isolierenden Winterfell. Pferde im Stall sind Wind und Nässe kaum ausgesetzt. Ihr Winterfell fällt deshalb oft kürzer und weniger dicht aus.
Unabhängig von der Haltung zeigen sich deutliche rassespezifische Unterschiede. Warmblüter haben im Winter in der Regel kürzeres Fell. Ponys und robuste Rassen bilden deutlich mehr Unterwolle. Diese Unterschiede beruhen auf genetischer Anpassung an unterschiedliche Klimabedingungen und werden durch Körperform und Stoffwechsel mitgeprägt.
Auch das Alter spielt eine Rolle. Ältere Pferde wechseln ihr Fell häufig langsamer und ungleichmäßiger, besonders im Frühjahr. Gibt es hier gravierende Auffälligkeiten, sollte man prüfen, ob diese noch altersbedingt ist oder ob gesundheitliche Ursachen eine Rolle spielen.
Stoffwechselprobleme: PPID (Cushing) und andere Ursachen für gestörten Fellwechsel
Ein verzögerter oder unvollständiger Fellwechsel kann auf hormonelle Veränderungen hinweisen. Pferde mit Pituitary Pars Intermedia Dysfunktion (PPID) behalten häufig ein langes, dichtes Fell. In vielen Fällen löst es sich nur zögerlich, einzelne Fellplatten bleiben bestehen, obwohl die Tage bereits länger werden. Daneben treten gelegentlich saisonale Alopezien auf – begrenzte, meist harmlose kahle Stellen, die sich im Verlauf der Saison wieder schließen.
Zink, Kupfer und Aminosäuren: Wie unterstütze ich mein Pferd im Fellwechsel?
Die Bildung neuer Haare erfordert ausreichend Energie, hochwertiges Protein und bestimmte Spurenelemente – vor allem Zink und Kupfer. Dieser Bedarf entsteht lange, bevor das Pferd sichtbar haart, denn die neuen Haare wachsen zunächst unter der Haut und schieben die alten allmählich nach außen.
Junge, gesunde Pferde bewältigen den Fellwechsel meist problemlos. Bei älteren Tieren oder Pferden mit begrenzten Reserven kann sich der Prozess verlängern. Reichen Energie- und Nährstoffversorgung nicht aus, kann sich der Fellwechsel verlängern oder ungleichmäßig verlaufen. In solchen Situationen sind gut verfügbare Aminosäuren sowie Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Mangan wichtig, weil sie an der Bildung neuer Haare beteiligt sind. Auch Omega-3-reiche Öle können den Hautstoffwechsel in dieser Phase unterstützen.
Ob eine gezielte Ergänzung sinnvoll ist, lässt sich nur über die Gesamtration beurteilen. Da insbesondere Spurenelemente leicht überdosiert werden können, sollte vor jeder Supplementierung eine Rationsanalyse erfolgen.
FAQ – Häufige Fragen zum Fellwechsel beim Pferd
Beeinträchtigt der Fellwechsel das Immunsystem?
Der Fellwechsel fordert den Organismus, weil neue Haare gebildet werden und sich der Körper gleichzeitig an wechselnde Temperaturen anpasst. Diese Mehrarbeit kostet Energie und Nährstoffe. Vor allem ältere Tiere oder Pferde mit Vorerkrankungen wirken in dieser Zeit müder oder reagieren empfindlicher.
Woran erkenne ich Fellwechselprobleme bei PPID/Cushing?
Typisch sind ein sehr spätes oder unvollständiges Abhaaren, langes Winterfell und einzelne Fellplatten im Frühjahr. Häufig kommen Veränderungen der Haarstruktur oder vermehrtes Schwitzen hinzu.
Ist es normal, wenn mein Pferd mitten im Winter Haare verliert?
Ja. Mit zunehmender Tageslänge beginnt die hormonelle Umstellung auf Sommerfell, unabhängig von den Temperaturen. Einige Pferde reagieren besonders sensibel auf Lichtreize und verlieren schon früh einzelne Haare.
Was tun, wenn der Fellwechsel stockt?
Ein stockender Fellwechsel weist oft auf eine unzureichende Versorgung oder auf gesundheitliche Faktoren hin. Heuqualität, Rationsaufbau, Haltung und Lichtverhältnisse sollten geprüft werden. Bleibt der Fellwechsel trotz guter Versorgung aus, ist eine tierärztliche Abklärung sinnvoll.
Warum nimmt mein Pferd im Fellwechsel ab?
Der Fellwechsel erhöht den Energiebedarf. Pferde mit wenig Reserven oder ältere Tiere geraten schneller in ein Defizit. Gewichtsverlust, stumpfes Fell oder ein verzögerter Fellwechsel sind typische Hinweise. Auch hier hilft es, die Fütterung zu prüfen und das Pferd gesundheitlich durchchecken zu lassen.


