Dieter, „der kleene Hooligan“ und die Nerven
Für einen waren die Auftritte von Goldfever und Ludger Beerbaum stets eine besondere Herausforderung: Dieter Schulze war bekannt dafür, bei jedem Ritt „seiner“ Pferde mitzufiebern. Aber wenn Goldfever in die Bahn kam, stieg die Schulz’sche Fieberkurve so dramatisch an, dass Madeleine Winter-Schulzes Ehemann sich umdrehte. Er konnte es einfach nicht ertragen, zuzuschauen. Wenn dann der Jubel aufbrauste, Goldfever und Ludger im Ziel waren, und womöglich auch noch als Sieger auf die Ehrenrunde gebeten wurden, dann freute sich niemand mehr als Dieter Schulze. Wobei diesbezüglich seine Frau „Mado“ die härteste Konkurrentin darstellte.
2009 Abschied in Aachen
Ende Mai 2009 ging Goldfever mit Ludger Beerbaum in Hamburg Klein Flottbek seinen letzten Parcours. Da war er 18 Jahre alt und immer noch gut für eine Platzierung. Ein Champion geht eben stolz erhobenen Hauptes. Und ein Macho wie Goldfever es Zeit seines Lebens war, erst recht. Sein Abschied aus dem Sport wurde in Aachen zelebriert. „Let me entertain you“ schallte Robbie Williams über das Stadion der Soers. Das hatte sich Marie Johnson, lange Jahre Chefpflegerin von Ludger Beerbaum und immer an Goldfevers Seite, so gewünscht. Der Abschied war mehr als nur eine Kurzlaudatio und der obligatorische Korb voller Möhren. Goldfever wird von anderen Rentern aus den Beerbaum Stables abgeholt in der Soers, Ratina und Champion de Luze beispielsweise. Große Emotionen für einen vom Stockmaß her gar nicht mal so großen Hengst.
Zucht im Vordergrund für Aktivrentner Goldfever
Hatte der Deckeinsatz während des Sporteinsatzes pausiert, so konnte sich der Fuchshengst nun wieder vermehrt seinem Job als Vererber widmen. Seine größte Werbeträgerin war dabei stets in Rufnähe: Gotha, 2001 bei Jan Minners geboren, bescherte Ludger Berbaum nicht nur Starts bei den Weltcup-Finals 2010 und 2011, sondern auch Mannschaftsgold bei der EM in Madrid 2011. Später nahm die drahtige Stute unter Henrik von Eckermann an Europa- und Weltmeisterschaften teil.
Mehrere gekörte Söhne und etliche S-erfolgreiche Springpferde stehen für Goldfevers Erbe, züchterisch und sportlich.
5 Dinge über Goldfever, jenseits des Parcours
Webcam-Star
Als das Internet noch etwas war, das man erklären musste, war Goldfever das erste Pferd, das man via Webcam beim Tagesablauf begleiten konnte. „Und wenn er mal nicht in seiner Box war, dann haben die Leute angerufen und gefragt, was mit ihm los ist“, erinnert sich Susanne Strübel, Pressesprecherin der Beerbaum Stables gegenüber EQUI PAGES.
Isabell Werth …
…hat ihn auch geritten. Im Rahmen einer Showeinlage setzte sich Isabell Werth in den Sattel von Goldfever und ritt freudig strahlend Traversalen und fliegende Galoppwechsel. Luder Beerbaum durfte derweil Platz auf Apache, einem von Werths Dressurpferden und Madeleine Winter-Schulzes damaligen Lieblingspferd, nehmen. Angesichts der längeren Bügel gelang sein Strahlen nicht ganz so überzeugend wie das der Olympiasiegerin.

„Hengst des Jahres“
2010 zeichnete der Hannoveraner Verband Goldfever mit diesem Titel aus. Züchter Sigurd Hochmuth, Meerbeck, stand da als „Vater des Erfolgs“ noch einmal im Mittelpunkt. Züchterisch interessant: Die G-Linie (Goldfisch II) trifft man in der väterlichen und der mütterlichen Abstammung. Außerdem ist sein Großvater Goliath II Z ein mütterlicher Halbbruder zu Argentina Z v. Almé. Also der Stute, die die Olympiasiegerin Ratina Z fohlte.
Nach Frankreich, der Liebe wegen
Einige Zeit war Goldfever nach dem Ende seiner Sportkarriere in Frankreich als Deckhengst tätig. Seine Gene waren international begehrt.
Immer ein Macho
Noch mit mehr als 30 Jahren war sich Goldfever seiner Ausnahmeposition bewusst. Wer dachte, dass er jenseits der 30 mal etwas weniger forsch auftreten würde, sah sich getäuscht. Mit „motzig“ gewölbtem Hals wies er alle in die Schranken, die ihm nicht mir der ihm gebührenden Ehrerbietung begegneten.
Tod mit 35 Jahren
Goldfever (1992-2026) mit Ludger Beerbaum und Marie Johnson. Foto: Beerbaum Stables
„Natürlich sind wir heute alle sehr traurig, dass Goldfever nicht mehr unter uns ist – aber wir blicken auch alle mit großer Dankbarkeit und ein bisschen Stolz auf die Erfolge und die gemeinsame Zeit zurück“
Das sagt Ludger Beerbaum am 14. Januar 2026. In seinen Abschiedsworten schließt er ausdrücklich Marie Johnson und Petra Schmid, die sich bis zu Goldfevers letztem Tag um den Grandseigneur von Riesenbeck gekümmert hat, mit ein.