Grand Prix Basel: Sieg für Werth, Jubel für Rogerson

Dressur
Isabell Werth und Wendy bei ihrem letzten Turniereinsatz in der Frankfurter Festhalle. Foto: sportfotos-lafrentz.de Isabell Werth und Wendy bei ihrem letzten Turniereinsatz in der Frankfurter Festhalle. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Nach deutlichen Fehlern in den Wechseltouren hat man schon eine glücklichere Isabell Werth gesehen als jene, die mit Wendy das Grand Prix-Viereck in Basel verließ. Gewonnen haben die beiden dennoch, vor allem mit den Punkten für Piaffen und Passagen. Großen Applaus erhielt auch das Paar auf Rang zwei unter Schweizer Flagge, Charlotta Rogerson und Bonheur de la Vie.

Im Trab war die Welt bei Isabell Werth und Wendy noch in Ordnung. Auch wenn die Traversale nach rechts etwas fließender war als die nach links, das Rückwärtsrichten minimal eilig geriet und im starken Trab mehr Geschmeidigkeit durch den Körper wünschenswert gewesen wäre. In den Piaffe-Passage-Touren konnte Wendy punkten mit ihrem Abdruck, ihrer Kraft und ihrer Taktsicherheit – die wurde auch durch wiederholtes kräftiges Schnauben nicht nennenswert gestört. Der starke Schritt gelang gut. Im versammelten Schritt knickte die Stute einmal um, so dass es eine Störung gab.


Dann kam die Galopptour. Und die Spannung. Die Anlehnung wurde stark und die Stute heiß. In den Zweierwechseln sprang die Stute einmal in den Kreuzgalopp, setzte dann zweimal aus, ehe sie wieder in den Rhythmus fand, dabei aber noch sichtlich „an“ war. So fehlte es an der nötigen Losgelassenheit und es kam auch in den Einerwechseln zu Fehlern. Insgesamt hätte man sich im Galopp mehr losgelassenen Durchsprung durch den Körper und unter den Schwerpunkt sowie mehr Selbsthaltung gewünscht, was auch in den Lektionen zum Tragen kam. Beziehungsweise eben gerade nicht. Die Schlusslinie mit Piaffe und Passage war dann noch mal ein Highlight.


Trotz der Probleme in der Galopptour gab der dänische Chefrichter bei C, Kurt Christensen, im Gesamteindruck (Bewertung der Harmonie zwischen Reiter und Pferd, Sitz und Einwirkung) eine 9. Seine Kollegen Jans Voser, Jean-Michel Roudier (FRA) und Carlos Lopes (POR) waren bei einer 8. Mariette Sanders-van Gansewinkel trug eine 7,5 bei.


Insgesamt wurden es so 78,674 Prozent und damit ein deutlicher Sieg.


Schweizer Jubel auf Platz zwei


Eine reelle Vorstellung war der Auftritt der Schweizerin Charlotta Rogerson mit Bonheur de la vie. Der Bordeaux-Sohn ist ja kein Unbekannter. Ausgebildet wurde er von Sandra Nuxoll, mit der er 2020 das Finale im Louisdor-Preis gewann und auch international im Einsatz war, ehe er im Frühling 2025 zu Charlotta Rogerson wechselte. Wie gut die beiden sich arrangiert haben, konnte man bereits in Stuttgart sehen, wo sie den Grand Prix Special gewannen. Heute im Grand Prix von Basel kämpfte der Wallach etwas mit der Balance in der Piaffe, weil er die Hinterbeine voreinander setzte. Dafür waren sie das Duo, das vielleicht die schönsten Einerwechsel zeigte. Insgesamt erhielten sie 72,630 Prozent, was mit Abstand das beste Ergebnis ist, was sie beiden bislang erreichen konnten – und übrigens auch nicht viel weniger, als die Bestleistung des 14-jährigen KWPN-Wallachs unter seiner Ausbilderin Sandra Nuxoll. Mit ihr hatte er 2022 in Mannheim einmal 72,826 Prozent auf der Anzeigentafel stehen.


Rang drei für Netz und Dieudonné


Komplettiert wurde das Baseler Podium durch Raphael Netz und seinen Dante Weltino-Sohn Dieudonné. Der 13-jährige DSP-Wallach überzeugte mit seinem leichtfüßigen Trabablauf, Geschmeidigkeit, Elastizität und enormem Abdruck. Doch auch er war heute noch etwas übermotiviert unterwegs. Immer mal wieder kam Spannung auf, was den einstigen U25-Europameister im Sattel vor Herausforderungen stellte, die er geschickt und gefühlvoll meisterte, indem er dem Wallach immer wieder über den Sitz die nötige Ruhe vermittelte. Unter dem Strich wurden es 71,848 Prozent für das Duo aus Bayern.


Verlasspferde und Sympathieträger


Glücklich können sich Reiter schätzen, die ein Pferd haben, das so zuverlässig abliefert und so eifrig im Viereck ist wie die Ampere-Tochter Amanyara M von Dr. Svenja Kämper-Meyer. Wobei man sagen muss, dass das eigentlich kein Glück ist, denn die Stute kam bei Familie Meyer zur Welt und ist von ihrer Reiterin (die ihren Doktor übrigens in der Zahnmedizin gemacht hat) von der Pike auf selbst ausgebildet worden. Das schweißt zusammen und das merkt man – auch wenn sich heute auch bei ihnen der Wechselteufel eingeschlichen hatte. Nach einer sicheren Prüfung mit ausgesprochen schöner Anlehnung und Highlights unter anderem in den Pirouetten wurden sie mit 70,304 Prozent Vierte. Für noch mehr Punkte dürfte etwas mehr Ruhe und Erhabenheit in den Bewegungsablauf kommen.


Ein sympathisches Paar sind die beiden Österreicher Bettina Kendlbacher und ihr Destano-Sohn AWÖ Don Alfredo. Mit 70,109 Prozent komplettierten sie die Top fünf von Basel.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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