Harry Charles siegt im Großen Preis von Doha

Zwei britische Olympiasieger und eine thailändische Überraschung

Springen
Harry Charles und Casquo Blue flogen zum Sieg im CSI4* Großen Preis von Doha 2026. Foto: Lukasz Kowalski Harry Charles und Casquo Blue flogen zum Sieg im CSI4* Großen Preis von Doha 2026. Foto: Lukasz Kowalski
Mit dem Großen Preis über 1,55 Meter schloss heute der CSI4* von Doha, der zwei Olympiasieger an der Spitze sah und eine Überraschung aus Thailand dahinter.

Dass die beiden britischen Mannschaftsolympiasieger Harry Charles und Scott Brash bei der Entscheidung um den Großen Preis des CSI4* von Doha ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben, lag im Erwartungshorizont. Überraschender war Platz drei, obwohl sich auch hier eine Reiterin einreihte, die olympische Erfahrung hat: Janakabhorn Karunayadhaj aus Thailand. Sie war 2024 die erste Vertreterin ihres Landes, die sich für Olympische Spiele der Springreiter qualifizieren konnte. Wie sie das geschafft hat – auch wenn sie in Paris von der Ground Jury „im Interesse der Sicherheit von Reiterin und Pferd“ abgeklingelt wurde – konnte man heute in Doha sehen.


Nur sechs der 33 Paare im Großen Preis hatten es ins Stechen geschafft, vier blieben zweimal fehlerfrei. Anderen wurde die Zeit zum Verhängnis. Dazu gehörte auch die US-Reiterin Eve Jobs, die frisch gebackene Ehefrau von Harry Charles. Die US-Reiterin war 2018/19 eine Größe des US-Kaders, nahm sich dann aber rund drei Jahre lang eine Auszeit, um zu modeln. Erst 2024 kehrte sie in den Großen Sport zurück und erwarb damals Philipp Weishaupts EM-Silbermedaillengewinner und Olympia-Partner Zineday. Anders als vielfach angenommen will sie sprunggewaltigen den Zinedream-Sohn selbst reiten. Er war nicht für ihren Mann gedacht, auch wenn der ihn zunächst in einigen Prüfungen vorstellte. Mit Jobs war der zwölfjährige Westfale letztes Jahr mehrfach null und platziert bei der Herbst-Turnierserie in Oliva Nova. Heute saß sie allerdings auf dem 15-jährigen OS-Wallach Canto Bruno v. Cantoblanco, den sie fehlerfrei, aber mit einem Zeitfehler auf Platz sieben ritt.


Besser lief es für Jobs‘ Mann. Harry Charles hatte auf den inzwischen 16-jährigen Casquo Blue gesetzt, der 2021 noch mit Douglas Lindelöw für Schweden bei den Europameisterschaften in Riesenbeck am Start gewesen war, ehe Charles übernahm. Scott Brash ritt seine außergewöhnliche EM-Silbermedaillengewinnerin Hello Folie. Die beiden machten das Springen unter sich aus. Charles und sein erfahrener Chacco Blue-Sohn aus Lewitzer Zucht kamen nach 38,20 Sekunden ins Ziel. Die nun elfjährige Guidam-Tochter Hello Folie war in 38,48 Sekunden nur wenig langsamer.


Zwei Außenseiterinnen auf dem Vormarsch


Am dichtesten dran an den beiden Briten, aktuell die Nummer 2 (Brash) und 40 (Charles) der Weltrangliste, war die Nummer 889 der Weltrangliste, eben Janakabhorn Karunayadhaj. Die in Frankreich aufgewachsene 28-jährige Thailänderin hatte für dieses Springen den elfjährigen Iren Kinmar Bespoke v. O-Piloth gesattelt, ein Pferd, das sie vor einem guten Jahr übernommen hat. Dermott Lennon hatte den Wallach in den Sport gebracht. Der Ire ist sozusagen der Entdecker von Janakabhorn Karunayadhaj. Er hat aus ihr eine internationale Springreiterin gemacht, die heute in Doha in fehlerfreien 40,14 Sekunden auf Rang drei sprang.


Dabei ließ sie die Monegassin Anastasia Nielsen auf dem ebenfalls irisch eingetragenen Stakkato Gold-Sohn ESI Rocky hinter sich. Auch diese 19-Jährige – Weltranglistennummer 184 – hat schon für Schlagzeilen gesorgt. Letztes Jahr im Oktober kam sie beim Global Champions Tour-Turnier in Rabat nicht nur erstmals fehlerfrei durch ein 1,60 Meter-Springen, sondern konnte dieses auch gleich gewinnen. Damit ging sie als jüngste Global Tour-Siegerin aller Zeiten in die Geschichte ein. Unter dem Sattel hatte sie damals allerdings ein anderes Pferd. Den elfjährigen Rocky übernahm sie kurz nach ihrem großen Erfolg von Irlands Seamus Hughes Kennedy, der mit ihm schon 5*-Nationenpreise bestritten hat.


Wiedersehen mit alten Bekannten


Unter den Teilnehmern, die sich dank flotter Vier-Fehler-Runden ebenfalls platzieren konnten, waren zwei Reiter mit Pferden, die man sonst mit anderen Partnern im Sattel kannte. Abdullah Alsharbatly hat im Oktober 2025 die Selle Français-Stute Dubai du Cedre von Janne Friederike Meyer-Zimmermann übernommen. Die Baloubet du Rouet-Tochter, nun 13-jährig, war von Frankreichs Julien Epaillard in den Sport gebracht worden und bescherte ihm Bronze bei der EM 2023. Die Iron Dames GCL-Teamchefin Deborah Mayer erwarb die Stute dann für Meyer-Zimmermann, die ebenfalls recht gute Erfolge mit ihr hatte, bis sich Deborah Mayer von ihr trennen musste. Nun springt die Fuchsstute unter saudischer Flagge und hat einen neuen Namen: Diriyah. Mit einem Abwurf im Normalparcours trug Diriyah ex Dubai du Cedre Abdullah Al Sharbatly auf den zehnten Rang.


Zwei Plätze dahinter reihte sich Max Kühner auf der Holsteiner Stute Greece ein. Die zwölfjährige Mylord Carthago-Tochter war von Teike Carstensen in den Sport gebracht worden, bzw. wuchsen die beiden zusammen in die höheren Weihen des Springsports hinein, gewannen unter anderem den CSI4* Großen Preis von Hohen Wieschendorf und das Finale von Deutschlands U25 Springpokal beim CHIO Aachen 2023. Doch im November wurde bekannt, dass der Besitzer der Stute, Stephan Johannsen, Greece Max Kühner zum Reiten gegeben hat. Der konnte sich mit der Stute schon mehrfach gut in Szene setzen, unter anderem auch in Genf. Heute kassierten auch sie einen Abwurf im ersten Umlauf, aber die Zeit reichte noch für eine Schleife, die für Rang zwölf.


Außerdem stellte die Australierin Edwina Tops-Alexander den zunächst unter Richard Vogel und dann unter Katrin Eckermann erfolgreichen Cydello vor. Der zwölfjährige Hannoveraner Cascadello-Sohn war ebenfalls von Doborah Mayer für ihr Iron Dames-Team angekauft worden. Noch immer gehört er anteilig der Pegase Equestrian BV, aber eben auch Edwina Tops-Alexander, die sich mit ihm beim Weltcup-Turnier in Verona auch schon in einem 1,55 Meter-Rahmenspringen als Fünfte platzieren konnte, heute allerdings mit 13 Strafpunkten aus dem Parcours kam.


Vier-Fehler-Tag für Deutschland


Unter deutscher Flagge starteten Philipp Weishaupt auf dem zwölfjährigen belgischen Kannan-Sohn Oreo D.R. und Janne Friederike Meyer-Zimmermann mit dem DSP-Hengst Cascais v. Colestus. Beide hatten einen Abwurf und waren nicht schnell genug, um in die Platzierung zu kommen.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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