Milben und Mauke beim Pferd – wenn Parasiten die Haut reizen
Kaltblüter und andere Pferde mit dichtem Behang an den Fesseln sind besonders gefährdet, Mauke durch Milben zu entwickeln. Foto: Adobe Stock Besonders Rassen mit dichtem Behang wie Tinker, Friesen oder Kaltblüter sind gefährdet, weil Feuchtigkeit unter dem Fell länger stehen bleibt. In der Praxis zeigt sich, dass betroffene Pferde vor allem in feuchten Wintermonaten wiederkehrende Schübe entwickeln.
Milben sind selten die alleinige Ursache der Mauke, wirken aber als Verstärker. Durch das ständige Scheuern verliert die Haut ihre Schutzfunktion, und ein Teufelskreis aus Reizung, Juckreiz und sekundärer Keimbesiedelung entsteht. Studien weisen darauf hin, dass die konsequente Kontrolle von Milbenbefall ein zentraler Baustein der Mauke-Behandlung ist (Kaiser‑Thom et al., 2021).
Diagnose: Milbenbefall und begleitende Infektionen erkennen
Der Nachweis gelingt in der Regel unkompliziert: Ein Hautgeschabsel aus der Fesselregion wird mikroskopisch untersucht; charakteristisch sind die rundlichen Milbenkörper mit kurzen, greifenden Extremitäten. Die Diagnostik endet jedoch nicht mit dem Milbennachweis. Tierärztinnen und Tierärzte prüfen zusätzlich, ob Bakterien oder Pilze beteiligt sind, denn die Behandlung richtet sich nach dem Befundbild.
In Einzelfällen wurden sekundäre Infektionen mit Corynebacterium-Arten beschrieben, die den Verlauf prolongieren oder Komplikationen begünstigen (Grönthal et al., 2024). Schmerzhafte, eitrige oder stark nässende Läsionen erfordern häufig eine gezielte antibiotische oder entzündungshemmende Therapie. Solche Fälle gehören in tierärztliche Hand.
Was hilft wirklich bei Milben und Mauke?
Eine wirksame Milben–Mauke–Behandlung adressiert drei Ebenen gleichzeitig: Umgebung, Hautzustand und Parasitenkontrolle.
Umgebung und Hygiene optimieren
Feuchtigkeit ist der wichtigste Risikofaktor: Einstreu trocken halten, nasse Bereiche täglich entfernen, Matschzonen meiden. Putzzeug, Bandagen und Decken regelmäßig waschen oder desinfizieren; nutzt man diese gemeinsam für mehrere Pferde fördert man die Verbreitung von Milben. In vielen Ställen lässt sich beobachten, dass ganze Pferdegruppen sich scheuern, bevor der Befall überhaupt erkannt wird.
Haut schonend reinigen
Krusten werden eingeweicht, niemals gewaltsam entfernt. Milde, antiseptische Shampoos – etwa mit Chlorhexidin – senken den Keimdruck, ohne die Haut zusätzlich zu reizen. Anschließend die Fesselregion vollständig trocknen; Restfeuchte ist ein häufiger Grund für Rückfälle.
Pflege je nach Stadium anpassen
Bei nässender Mauke eignen sich dünn aufgetragene, zinkhaltige oder leicht trocknende Lotionen. Trockene, rissige Haut profitiert von feuchtigkeitsspendenden Präparaten (z. B. mit Panthenol oder Aloe Vera) ohne dichten Fettfilm. Bei ausgeprägtem Juckreiz oder Entzündung kann kurzfristig eine kortisonhaltige Creme indiziert sein – ausschließlich bei nicht-infektiöser Entzündung und nach tierärztlicher Anweisung.
Milben gezielt bekämpfen
Wirkstoffe gegen Milben wie Ivermectin oder Permethrin können — unter bestimmten Bedingungen — eingesetzt werden. Fragen Sie Ihren Tierarzt! Wiederholungsanwendungen nach 10 bis 14 Tagen sind nötig, um nachgeschlüpfte Stadien zu erfassen. Behandelt werden sollten alle Kontaktpferde; andernfalls bleiben Milbenreservoire im Bestand bestehen. Hinweis: Permethrin ist für Pferde in der Regel nur zur Umgebungskontrolle zugelassen und sollte nicht direkt auf der Haut angewendet werden.
Sekundärinfektionen korrekt therapieren
Bei bakterieller Beteiligung sind topische (auf die Haut aufgetragene) oder systemische (oral eingenommene) Antibiotika nur nach Resistenztest sinnvoll. Ungezielte Breitbandanwendungen fördern Resistenzen und stören das Gleichgewicht der Hautflora. Eitrige, schmerzhafte Verläufe benötigen eine engmaschige tierärztliche Kontrolle.
Rückfallprophylaxe und langfristige Hautpflege
Nach Abklingen der akuten Entzündung entscheidet die Pflege über den dauerhaften Erfolg. Eine ausgewogene Ration mit Zink, Biotin und Omega‑3‑Fettsäuren unterstützt die Regeneration der Haut. Regelmäßige Bewegung verbessert die Durchblutung; in der Praxis zeigt sich, dass sich die Fesselhaut damit schneller stabilisiert. Bei starkem Behang kann behutsames Kürzen die Pflege erleichtern und die Region trockener halten, ohne den natürlichen Schutz zu verlieren. Wiederkehrende Fälle profitieren von saisonaler Kontrolle – besonders vor dem Winter – um Milben frühzeitig zu erkennen.


