Husten beim Pferd: harmlos oder chronisch?
Pferde gehören zu den Nasenatmern. Das bedeutet, sie können nur durch die Nüstern genügend Sauerstoff aufnehmen. Zudem sind ihre Atemwege sehr empfindlich. Foto: Toffi-images.de Das Erste, was man machen sollte, wenn ein Pferd hustet, ist Fieber zu messen. Liegt die Temperatur über 38,5 Grad, ist davon auszugehen, dass das Pferd einen akuten Infekt hat, ausgelöst durch Viren oder Bakterien. Ein akuter Infekt entwickelt sich rasch und zeigt meist deutliche Symptome. Neben Husten und Fieber sind dies bei Atemwegsinfekten meist noch Nasenausfluss (gelblich oder grün) und Abgeschlagenheit. Eine entsprechende Therapie schlägt hier oft sehr schnell an.
Symptome: Fieber, Husten, Nasenausfluss, Abgeschlagenheit
Da ein Infekt ansteckend ist, sollte man auch bei den Nachbarpferden täglich Fieber messen und nach jedem Kontakt mit dem kranken Pferd die Hände waschen. Sattel, Bürsten, Futtereimer etc. des infizierten Tieres sind selbstverständlich ebenfalls tabu für andere Pferde, solange sie nicht entsprechend gereinigt bzw. desinfiziert wurden.
Reizhusten beim Pferd
Wie auch beim Menschen reizen bestimmte Stoffe wie etwa Staub oder Schadstoffe die Atemwege des Pferdes. Der Pferdekörper ist darauf programmiert, diese Stoffe schnellstmöglich wieder loszuwerden: Das Pferd hustet – ein lebenswichtiger Reflex, wenn ein Fremdkörper in die Atemwege gelangt ist. Reizhusten beim Pferd kann daher ein einmaliges, kurzes Problem sein, das keiner speziellen Behandlung bedarf. Aber man sollte sein Pferd gut beobachten, ob der Husten erneut auftritt und ob weitere Symptome einer Atemwegserkrankung wie Nasenausfluss, Fieber oder verminderte Leistungsbereitschaft auffallen. Hustet das Pferd immer nur in bestimmten Situationen, ist von einem Haltungsfehler auszugehen. Folgende Punkte helfen dabei, die Ursache zu finden und zu beseitigen.
Typische Haltungsfehler, die zu Husten beim Pferd führen
- Staub aus beispielsweise Stroh, Heu, vom Reitboden
- Schimmelpilze in Futter und Einstreu
- Zu wenig frische Luft im Stall
- Feuchte Luft: eine hohe Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent fördert vor allem in Verbindung mit Wärme die Schimmelbildung und das Keimwachstum
- Schadstoffe z.B. Ammoniak aus Urin bei schlecht gemisteten Boxen
- Zu wenig Bewegung: Nur bei regelmäßiger Bewegung werden alle Bereiche der Lunge gut durchlüftet. Fehlt diese Durchlüftung, sammelt sich Sekret leichter an .
Chronischer Husten beim Pferd/Equines Asthma
Werden die Atemwege des Pferdes immer wieder gereizt, kann dies zu einem chronischen Problem werden. In vielen Ställen sind mittlerweile Pferde mit einer chronischen Lungenerkrankung zu finden, selbst in Offenstallhaltungen. Denn Staub – in der Stallluft wie aber auch im Raufutter im Offenstall – ist einer der Hauptgründe für diese Krankheit.
Unter dem Begriff Equines Asthma werden heute chronisch-entzündliche Atemwegserkrankungen zusammengefasst, die dem menschlichen Asthma ähneln. Man unterscheidet milde Verlaufsformen (Inflammatory Airway Disease, IAD) und schwere Formen (Recurrent Airway Obstruction, RAO).
Mildes Equines Asthma macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass das Pferd nicht wie gewohnt Leistung bringen kann. Nasenausfluss und Husten können auftreten, müssen sie aber nicht. Tatsächlich zeigen etwa 40 Prozent der Pferde mit Equinem Asthma keinen Husten!
Bei schwerem Equinen Asthma fällt deutlich auf, dass das Pferd Probleme mit der Atmung hat. Es hat eine schnelle Atemfrequenz und man erkennt eine Bauchatmung (deutliche Flankenbewegung und Dampfrinne), auch Atemnot ist möglich. Selbst in der Ruhe atmet das Pferd intensiver. Kommt das Pferd immer wieder oder anhaltend mit den Reizen, die diese allergie-ähnliche Reaktion auslösen, in Kontakt, finden in der Lunge Umbauprozesse statt, die nicht mehr rückgängig zu machen sind und die Atmung dauerhaft erschweren.
Ausführlichere Infos zu Equinem Asthma hier.
Was tun bei Husten beim Pferd
- Wenn das Pferd hustet, sollte man als erstes Fieber messen: Bei Fieber den Tierarzt rufen!
- Beobachten, in welcher Situation das Pferd hustet: Nur einmal gehustet, dann Pferd beobachten, ob weitere Symptome einer Atemwegserkrankung auftreten und sich merken, wann das Pferd gehustet hat (z.B. beim Betreten der Halle). Hustet das Pferd immer wieder mal kurz: Den Tierarzt rufen.
- Auf jeden Fall lungenreizende Stoffe wie Staub, Schimmel oder Ammoniak reduzieren und für viel frische Luft und hygienisch einwandfreies Raufutter sorgen.
FAQs Husten beim Pferd
Darf ich mein Pferd mit Husten reiten?
Bewegung ist gut für die Atemwege des Pferdes, denn nur dann werden alle Bereiche der Lunge gut durchlüftet. Steht das Pferd zu viel in der Box, funktioniert der Selbstreinigungseffekt der Lunge nicht so gut, Sekret sammelt sich vermehrt an. Dennoch darf ein Pferd mit Husten nicht überlastet werden: Deswegen sollte immer mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden, in welchem Umfang man sein Pferd bewegen darf und sollte. Bei einem akuten Infekt ist ähnlich wie bei uns Menschen erstmal eine Pause angesagt.
Welche Medikamente helfen bei Husten beim Pferd?
Ein Antibiotikum wird nur eingesetzt, wenn der Tierarzt einen bakteriellen Infekt diagnostiziert oder begründet vermutet. Handelt es sich hingegen um einen viralen Infekt oder eine chronische Lungenerkrankung, bringt ein Antibiotikum nichts. Dann kommen andere Medikamente zum Einsatz, um die Symptome zu lindern wie Bronchienerweiterer (sogenannte Bronchodilatatoren), Kortison (Glukokortikoide) und Schleimlöser (Sekretolytika).
Bronchienerweiterer sorgen, wie der Name schon sagt, dafür, dass die Verkrampfung der Bronchien nachlässt, indem sie die umliegende Muskulatur entspannen. Beispiele sind Clenbuterol oder Albuterol, die als Inhalations- oder orale Präparate eingesetzt werden. Beachten sollte man hierbei, dass diese nur einen Zeitlang sehr gut wirken. Dann sollte man mit der Gabe des Medikaments eine Pause einlegen, da die Wirkung nachlässt.
Kortison ist bekanntermaßen ein Entzündungshemmer und in der Lage, die „Überreaktion“ der Lunge auf beispielsweise Staub oder Schimmelpilze einzuschränken. Es sorgt dafür, dass die Verengung der Bronchien nachlässt und die Bronchialschleimhaut abschwillt. Zudem bewirkt es, dass weniger Schleim gebildet wird, der die Atemwege verstopft.
Schleimlöser verflüssigen den zähen Schleim, der sich in den Atemwegen gebildet hat, sodass er abtransportiert werden kann. Allerdings sollte er wegen möglicher Nebenwirkungen nur für einen begrenzten Zeitraum verabreicht werden.
Wann sollte mein Pferd inhalieren: vor oder nach dem Reiten?
Ob man vor oder nach dem Reiten inhalieren sollte, hängt davon ab, was man erreichen will:
Vor dem Reiten: Inhalation befeuchtet die Atemwege, kann Schleim lösen und das Abhusten während der Bewegung erleichtern. Das ist sinnvoll, wenn das Pferd beim Training hustenfrei starten soll.
Nach dem Reiten: Durch die Bewegung hat sich Schleim in den Atemwegen gelöst. Mit anschließender Inhalation lässt sich dieser besser verflüssigen und abtransportieren. Dies ist besonders sinnvoll bei Pferden, die viel Schleim produzieren.
Der Tierarzt sollte den individuellen Inhalationsplan festlegen – je nach Schwere der Erkrankung, Medikamenten und Trainingszustand.
Mein Pferd hat manchmal durchsichtigen Schnupfen. Ist das schlimm?
Die Konsistenz und Farbe des Nasenausflusses kann einen Hinweis auf die Erkrankung geben: Durchsichtiger (klarer), wässriger Nasenausfluss ist in der Regel normal. Er zeigt, dass die Atemwege des Pferdes gut befeuchtet sind. Ist der Nasenausfluss gelb oder grünlich, weist das auf einen Infekt hin – der Tierarzt sollte gerufen werden. Ebenfalls abklären lassen sollte man milchig, weißen Nasenausfluss: Er kann bei beginnenden oder chronischen Lungenerkrankungen auftreten. Einseitiger Nasenausfluss kann zudem auf Zahnprobleme oder eine Nasennebenhöhlenentzündung hinweisen.


