Heu richtig lagern: Schimmel vermeiden, Heuqualität erhalten

Heu richtig zu lagern, ist beinahe eine Wissenschaft für sich. Foto: Jacques Toffi. Heu richtig zu lagern, ist beinahe eine Wissenschaft für sich. Foto: Jacques Toffi.
Nach dem Schnitt beginnt die kritische Phase der Heutrocknung. Jetzt entscheidet sich, ob das Futter hochwertig bleibt oder an Wert verliert. Worauf es bei der Heulagerung ankommt.

Wird das Heu zu langsam oder ungleichmäßig getrocknet, laufen Stoffwechselprozesse weiter, die Zucker abbauen und Wärme erzeugen. Steigt die Temperatur über längere Zeit, kann sich die Eiweißstruktur verändern und der Energiegehalt sinkt.


Wie lässt sich Schimmel im Heu vermeiden?


Feuchtigkeit im Heu ist der zentrale Risikofaktor. Schimmelpilze und Hefen finden bei Restfeuchten über 15 Prozent ideale Bedingungen. Fachleute der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf weisen darauf hin, dass oberhalb dieses Bereichs mikrobielle Aktivität zunimmt und Nährstoffverluste möglich sind. Ziel ist es, den Wassergehalt zügig auf unter 15 Prozent zu senken: In diesem Bereich bleibt der Nährstoffgehalt weitgehend stabil und das Risiko für Schimmel im Heu gering.


Heutrocknung: So bleibt der Nährstoffgehalt erhalten


Damit Heu gleichmäßig trocknet, braucht es Luft und Bewegung. Regelmäßiges Wenden verteilt die Feuchtigkeit, Trocknungsböden oder Heubelüftungssysteme beschleunigen den Prozess. So lassen sich Zonen mit erhöhter Feuchte vermeiden, in denen Schimmel entstehen könnte. Wird zu früh gepresst, kann sich im Inneren eines Ballens erneut Wärme bilden. Temperaturfühler helfen, diesen Punkt zu überwachen. Leichte Wärme bis etwa 40 Grad ist unbedenklich – sie zeigt die sogenannte Reifewärme an. Steigt die Kerntemperatur jedoch über 55 Grad, sollte umgeschichtet und aktiv belüftet werden. Ab 70 Grad besteht akute Brandgefahr.


Beim Lagern selbst ist eine trockene, gut belüftete Umgebung entscheidend. Ballen gehören auf einen erhöhten, sauberen Untergrund, mit Abstand zu Wänden und Böden, damit Luft zirkulieren kann.


Welche Heutrocknung ist die beste Methode?


Die Bodentrocknung bleibt weit verbreitet, verlangt aber stabiles Wetter. Niederschläge während der Trocknung waschen Zucker, Kalium und lösliche Stickstoffverbindungen aus. Dadurch sinken Energie- und Mineralstoffgehalt.


Unterdachtrocknung mit Heubelüftung erlaubt eine kontrolliertere Feuchteabfuhr. Warme Luft strömt von unten durch den Heustock und transportiert Wasser ab. Die Trocknungszeit verkürzt sich, und das Risiko für Schimmelbildung sinkt deutlich. Untersuchungen der LfL belegen, dass Belüftungssysteme den Trocknungsverlauf stabilisieren und Nährstoffverluste verringern können.


Kombinierte Verfahren verbinden Feld- und Hallentrocknung. Das Heu wird zunächst im Freien angetrocknet und anschließend unter Dach fertig getrocknet. So bleibt die Blattstruktur weitgehend erhalten, während die Restfeuchte rasch sinkt. Wichtig ist, dass das Material gleichmäßig verteilt wird – zu hohe Schichten behindern die Luftzirkulation.


In Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit haben sich Aufhänge- oder Gerüsttrocknungen bewährt. Das Futter hängt locker, und Luft kann von allen Seiten zirkulieren. Auch Warmlufttrocknung gewinnt an Bedeutung: Bei Warmlufttrocknung hat sich Zuluft von ca. 35 bis 45 °C bewährt, so bleiben hitzeempfindliche Vitamine und Aminosäuren weitgehend erhalten.


Schimmel im Heu früh erkennen und vermeiden


Nach der Einlagerung bleibt das Heu empfindlich. In den ersten Wochen verändern sich Restwärme, Luftfeuchtigkeit und Luftzirkulation noch deutlich. Temperaturmessungen helfen, frühzeitig zu erkennen, ob sich erneut mikrobielle Prozesse entwickeln. Steigt die Kerntemperatur dauerhaft über 55 bis 60 °C, sollte man umlagern und belüften, um Schimmel zu vermeiden. Ab mehr als 70 °C besteht akute Brandgefahr.


Sicht- und Geruchskontrolle sind einfache, aber wirksame Maßnahmen der Qualitätsprüfung. Gutes Heu ist hellgrün bis goldgelb, riecht neutral bis leicht grasig und ist staubfrei. Muffiger oder säuerlicher Geruch, graue Schichten oder bröckelige Blätter weisen auf Schimmel oder Überhitzung hin.


Heuqualität prüfen und sichern


Eine Laboranalyse gibt verlässliche Auskunft über Energie-, Rohfaser- und Proteingehalte sowie über mögliche Mykotoxinbelastungen. Vor allem bei wechselhaftem Erntewetter oder Futter für empfindliche Pferde ist eine Untersuchung empfehlenswert.


Heu, das gleichmäßig und zügig getrocknet, sachgerecht gepresst und unter trockenen Bedingungen gelagert wird, behält seine Qualität über Monate. Eine sorgfältige Kontrolle während der Heutrocknung und Lagerung sichert nicht nur den Nährstoffgehalt, sondern verhindert auch Schimmelbildung – die Grundlage für gutes, sicheres Pferdefutter.


Bedampfen kann die hygienische Qualität von Heu deutlich verbessern, weil es Keime, Schimmelsporen und Staub reduziert. Das Verfahren eignet sich vor allem für grundsätzlich gutes, aber leicht verunreinigtes oder staubiges Heu. Verdorbenes oder bereits verschimmeltes Heu wird durch Bedampfen jedoch nicht wieder verwendbar – die darin enthaltenen Mykotoxine bleiben bestehen.


Leitwerte für optimale Heuqualität


Restfeuchte:



  • Zielwert: unter 15 %

  • ab 16 - 18 % kritisch, über 18 % nicht lagerfähig


Trocknungstemperatur:



  • Richtwerte unter 40 °C

  • über 50 °C drohen Nährstoffverluste

  • über 60 °C Gefahr von Schimmel

  • über 70° C akute Brandgefahr


Belüftung:



  • Luftzufuhr kontinuierlich, vor allem in den ersten 48 Stunden nach Pressen

  • Luftfeuchtigkeit im Lager unter 60 % halten


Lagerung:



  • Ballen auf trockenen, erhöhten Untergrund stellen

  • Abstand zu Wänden: mindestens 20 cm

  • wöchentliche Temperaturkontrolle in den ersten 4 Wochen


Sensorische Prüfung:



  • Farbe: hellgrün bis goldgelb

  • Geruch: frisch, grasig, nicht muffig

  • Struktur: fest, nicht bröselig, wenig Staub


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