Wie viel Heu braucht ein Pferd täglich?
Wie viel Heu braucht das Pferd, um gesund und glücklich zu sein? Das kommt drauf an … Foto: Jacques Toffi Heu ist die wichtigste Rohfaserquelle und beeinflusst Verdauung, Stoffwechsel und Wohlbefinden. Zu wenig Raufutter erhöht das Risiko für Magengeschwüre, Koliken oder unerwünschte Verhaltensweisen. Zu viel kann bei bestimmten Pferden Übergewicht oder Stoffwechselstörungen begünstigen. Die Kunst liegt darin, Bedarf und Energiegehalt des Futters aufeinander abzustimmen.
Heumenge berechnen: Körpergewicht als Basis
Als Faustregel gilt: Ein Pferd sollte täglich 1,5 bis 2 Kilogramm Heu je 100 Kilogramm Körpergewicht erhalten. Diese Angabe bezieht sich auf lufttrockenes Heu, wie es in der Praxis üblich ist – also mit etwa 85 bis 88 Prozent Trockensubstanz.
Beispiele:
- ein 500-kg-Pferd braucht etwa 7,5 bis 10 kg Heu pro Tag
- ein 600-kg-Pferd 9 bis 12 kg
- ein 300-kg-Pony 4,5 bis 6 kg.
Die Angaben orientieren sich an den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE 2014) und den Leitlinien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Beide benennen ähnliche Richtwerte und betonen, dass das Raufutter den Erhaltungsbedarf an Energie möglichst allein decken sollte.
Wichtig: Die genannten Werte sind Richtwerte. Der tatsächliche Bedarf hängt von mehreren Faktoren ab , etwa von Futterqualität, Körperkondition, Gesundheitszustand, Haltungsform und Arbeitsbelastung. Sowohl die GfE als auch die FN empfehlen, die Ration regelmäßig zu überprüfen und individuell anzupassen, damit Energie- und Nährstoffzufuhr im Gleichgewicht bleiben.
Wie sich der Heubedarf mit der Arbeitsbelastung verändert
Mit zunehmender Arbeit steigt der Energiebedarf, doch die Mindestmenge an Heu bleibt gleich wichtig. Entscheidend ist, ob das Pferd im Erhaltungsbedarf steht, regelmäßig trainiert oder sportlich beansprucht wird.
Die GfE unterscheidet mehrere Arbeitsstufen:
- Leichte Arbeit: Freizeitpferde, leichte Reitstunden oder Gelände – Energiebedarf etwa 20 % über Erhalt.
- Mittlere Arbeit: tägliches Training mit längeren Trab- und Galoppeinheiten, kleine Sprünge – etwa 40 % über Erhalt.
- Schwere Arbeit: Distanzritte, Turniereinsatz oder Vielseitigkeit – 60–100 % über Erhalt.
Diese Werte dienen der Orientierung. Im Alltag bedeutet das: Heumenge beibehalten, Energie nur über konzentrierte Futtermittel ergänzen. Bei Pferden, die schnell zunehmen, kann ein Teil der Ration aus rohfaserreichem Stroh bestehen, um die Kautätigkeit zu verlängern, ohne die Energieaufnahme zu stark zu erhöhen.
Wie viel Heu füttern bei EMS oder Cushing/PPID
Pferde mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS) oder Cushing-Syndrom (PPID) benötigen eine angepasste Fütterung. Auch sie brauchen mindestens 1,5 % des Körpergewichts an Heu, um die Darmfunktion stabil zu halten. Entscheidend ist hier die Qualität: Heu sollte zucker- und stärkearm sein.
Orientierungswerte nach dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH):
- Zuckergehalt < 10 % der Trockenmasse
- Fruktangehalt < 5 % der Trockenmasse
Solches Heu wird häufig als „NSC-arm“ (non-structural carbohydrates) bezeichnet. Liegen die Werte darüber, kann Einweichen über 30 bis 60 Minuten den Anteil löslicher Zucker um etwa 20 bis 30 % senken. Beim Einweichen gehen auch Mineralstoffe verloren, deshalb sollte das Mineralfutter entsprechend angepasst werden.
Beispiel: Rationsberechnung für ein 600-kg-Warmblut
Ein Warmblut mit 600 kg Körpergewicht benötigt:
- Erhaltungsbedarf: rund 9 kg Heu (1,5 % KG)
- Leichte Arbeit: 10–11 kg Heu plus etwas Kraftfutter, angepasst an den Energiebedarf
- Mittlere Arbeit: 11–12 kg Heu, ergänzt durch 2–3 kg Krippenfutter
- Schwere Arbeit: 12–13 kg Heu, plus individuell berechnete Kraftfuttermenge
Diese Zahlen sind Richtwerte für den Raufutterbedarf eines Pferdes. In der Praxis hängt die Zusammensetzung von Heuqualität, Training, Temperament und Haltungsbedingungen ab. Die DLG und LUFA empfehlen, die Rationsplanung immer auf Grundlage einer Futteranalyse vorzunehmen, um Energie- und Eiweißgehalte exakt anzupassen.
Heu richtig wiegen
Da Struktur, Dichte und Schnitt stark variieren, ist das Wiegen der Ration unerlässlich. Ein engmaschiges Heunetz mit Kofferwaage oder eine einfache Hängewaage liefern verlässliche Werte. So lassen sich Schwankungen durch unterschiedlich stark gepresste Ballen vermeiden.
Gerade bei Pferden mit empfindlichem Stoffwechsel oder in sportlicher Belastung ist Genauigkeit entscheidend. Nur durch regelmäßiges Wiegen und Analysieren kann die Fütterung stabil, gesund und individuell gesteuert werden.
Heu ad libitum – Vorteile und Grenzen
Manche Pferdehalter füttern Heu ad libitum, also zur freien Verfügung. Diese Methode kann die natürliche Fressweise unterstützen, Stress vermeiden und Magengeschwüre vorbeugen. Studien zeigen, dass Pferde mit unbegrenztem Zugang zu strukturiertem, energiereduzierendem Heu oft gleichmäßiger fressen und seltener pausenlos kauen als erwartet.
Bei leichtfuttrigen Pferden besteht jedoch die Gefahr einer Energieüberversorgung und Gewichtszunahme. Entscheidend ist deshalb die Heuqualität: in rohfaserreiches, zuckerarmes Spätschnitt-Heu eignet sich besser für Ad-libitum-Fütterung als energiereiches Frühschnitt-Heu. In Gruppenhaltung sollte zudem ausreichend Fressplatz vorhanden sein, um Futterneid und Stress zu vermeiden.


