Hello Sanctos

Scott Brash und Hello Sanctos nachdem sie 2015 den Großen Preis von Aachen gewonnen hatten, Schritt zwei von drei auf dem Weg zum Rolex Grand Slam. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
- Geschlecht: Männlich
- Jahrgang: 2002
- Rasse: SBS
- Vater: Quasimodo van de Molendreef
- Muttervater: Nabab de Reve
- Züchter: Willy Taets
- Größte Erfolge: Mannschaftsolympiasieg 2012, Mannschaftsgold und Einzelbronze EM 2013, Gewinner des Rolex Grand Slam of Showjumping 2014/15
Große Karrieren beginnen oft bescheiden. So auch die von Hello Sanctos. Seine Züchter, die Familie Taets, betreiben eine Milchviehwirtschaft in der Nähe von Gent. Pferde zu züchten, ist ihr Hobby. Sanctos van het Gravenhof, wie er damals noch hieß, hatte erstmal Pech: Er war ein Hengstfohlen. Die Hengstfohlen der Familie Taets werden üblicherweise verkauft, nur die Stuten dürfen bleiben. So wechselte der spätere Superstar zweieinhalbjährig für kleines Geld den Besitzer. Züchtertochter Lieve Taets erzählte den Kolleginnen von Worldofshowjumping.com einst: „Er war sehr günstig. Er sah nicht nach etwas besonderem aus.“ Doch dieser tatsächlich optisch eher unscheinbare Hellbraune war etwas Besonderes.
Match made in Heaven
Achtjährig kam er zu dem US-Amerikaner Peter Wylde, der ihn auch bei den ersten internationalen Turnieren vorstellte. Unter anderem gewannen sie im gleichen Jahr den CSI2* Grand Prix in Oldenburg. 2009 übernahm Kathi Offel die Zügel des Wallachs. Sie ritt damals noch für den Ukrainer Aleksandr Onischenko und der war auf der Suche nach potenziellen Olympiapferden. Sanctos sah aus, wie eines. Tatsächlich hatte Offel einige Erfolge mit ihm, unter anderem Platz fünf im Preis von Europa beim CHIO Aachen 2011. Trotzdem fiel die Entscheidung, ihn zu verkaufen – zum Glück für Scott Brash. Die beiden hatten sich gesucht und gefunden. Kathi Offel sagte gegenüber Worldofshowjumping: „Natürlich war es (Sanctos‘ Verkauf) ein großer Verlust, Inzwischen wissen wir, dass Sanctos das richtige Pferd für London und viel, viel mehr war. Aber ich bin nicht sicher, ob Sanctos mit jemand anderem so gut geworden wäre wie mit Scott. Sie hat der Himmel zusammengeführt. Ich denke, das war das Beste, was Sanctos hätte passieren können. Er und Scott waren füreinander geschaffen.“
Eine ganz besondere Verbindung
Scott war sich dessen anfangs allerdings gar nicht so sicher, wie er in dem Artikel ebenfalls zum Ausdruck brachte. Er sei sich unsicher gewesen, on Sanctos das Vermögen mitbringt, das ein Championatspferd braucht. Aber zumindest ein Pferd, das gut genug war, um Große Preise zu gewinnen, sah er in ihm. Die ersten Auftritte beim Winter Equestrian Festival in Wellington verliefen wenig ruhmreich. Immer wieder hatten sie einen Abwurf und auch Zeitfehler. Doch am dritten Turnierwochenende machte es Klick. Sie gewannen das Weltcup-Springen ebenso wie eine weitere Prüfung. Da machte es auch nichts, dass es im Großen Preis danach gleich wieder 20 Fehler wurden. Nach Wellington erhielt der Wallach eine Pause. Und danach war er eine Clear Round Machine. „Sanctos hat angefangen mir und meinem Reiten zu vertrauen“, beschrieb Brash. „Ich glaube, er brauchte wirklich diese Partnerschaft, um das letzte bisschen Vermögen entwickeln zu können.“ Mit Sanctos verbinde ihn eine ganz besondere Beziehung, sagt Brash: „Ich glaube, ich hatte noch nie eine solche Verbindung zu einem Pferd wie zu Sanctos. Da ist ein Verständnis zwischen uns. Im Parcours fühlte es sich so an, als wüsste er, was ich denke, und ich wusste, welchen Schritt er als nächstes tun würde.“
Damit dürfte auch klar sein, was das Geheimnis ist, wie die beiden als erstes und bislang einziges Paar den Rolex Grand Slam of Showjumping gewinnen konnten.