
Richard Vogel und United Touch S, Europameister 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Beseelt vom Ehrgeiz, begnadet mit Talent, begeistert vom Springreiten – das ist Richard Vogel, lebender Gegenentwurf zum gängigen Gen Z-Klischee. Vogel gilt als fleißig, fokussiert, reflektiert und willensstark. Es selbst beschrieb sich 2025 in einem Interview mit dem CHIO Aachen als „ungeduldig“, „stur“ und „eigen“.
1997 kam Richard Vogel im baden-württembergischen Binzwangen zur Welt und wuchs dort auch auf. Die Faszination für Pferde kommt bei ihm aus der Mutterlinie. Sein Opa hat gezüchtet, die Mutter ihre Kinder mit in den Stall genommen. Doch als Richard Vogel gerade mal zwölf Jahre alt war, starb seine Mutter. Ein Schicksalsschlag. Aber Richard Vogel sagt: „Da wächst man als Mensch.“ In seinem Fall wuchs nicht nur der Mensch, sondern auch die Leidenschaft für den Pferdesport. „Ich wollte umso mehr mein Leben den Pferden widmen“, sagt Richard Vogel.
Ihr Bruder, Richard Grom, nahm Vogels reiterliche Entwicklung unter seine Fittiche. Die Ferien verbrachte Vogel dort, wo er heute auch zuhause ist: auf dem Gestüt Prinzenberg in Pfungstadt, wo sein Onkel als Bereiter tätig war. Hier erlebte Vogel schon als Jugendlicher, wie es in einem professionellen Springstall zugeht. Das ultimative Gefühl hatte Richard Vogel schon immer. Dass zum Springreiten auch Dressurarbeit gehört, musste er lernen. Wobei er das praktische Lernen der Theorie vorzog. Er ging aufs Gymnasium. Aber da ein anderer Berufsweg als die Reiterei für ihn nicht zur Debatte stand, brach er die Schule kurz vor dem Abitur ab. Ein Schritt, der in seinem Umfeld auf wenig Verständnis stieß. Aber Vogel wusste, was er tat, und der Erfolg gab ihm recht. Nach einer Ausbildung zum Pferdewirt unter der Ägide von Bernd Herbert in Mannheim wechselte Vogel 2016 in den Stall von Ludger Beerbaum und arbeitete sich hier hoch vom Jungpferdereiter zum Aachen-Starter. Als er 2018 mit 21 Jahren zum ersten Mal bei Deutschlands U25 Springpokal dabei war, siegte er – so, wie in den nächsten Jahren auch. Er ritt in einer eigenen Liga, und das mit ganz verschiedenen Pferden.
Nach zwei Jahren im Stall Beerbaum machte Vogel sich zunächst wieder in Süddeutschland selbstständig, ritt unter anderem wieder für Matthias Herbert. Vogels eigenes Business ließ sich gut an. Aber dann kam David Will und bot ihm an, bei ihm einzusteigen. Aber Vogel, der seine Geschäftstüchtigkeit schon als Jugendlicher unter Beweis stellte, als er sich seine Reiterei mit einem schwunghaften Handel mit gebrauchtem Zaumzeug demonstriert hat, sagte: Wenn, dann auf Augenhöhe. So entstand die VW Equestrian GmbH. Warum er Richard Vogel wollte, war klar: „Er ist der beste Nachwuchsreiter, den wir in Deutschland haben“, erklärte er 2021 in einem Interview mit St.GEORG, damals noch in Dagobertshausen. Aus dem Nachwuchsreiter wurde in atemberaubender Geschwindigkeit einer der besten Springreiter der Welt – Seite an Seite mit seiner Partnerin Sophie Hinners, die sich dem Team Vogel/Will im Mai 2021 angeschlossen hat.
2021 war Vogel noch U25-Sieger in Aachen. Zwei Jahre später gewann er den Rolex Grand Prix von Genf. Beinahe hätte er im Sommer darauf auch den Großen Preis von Aachen gewonnen. Mit seinem Superstar United Touch S war Vogel der weitaus Schnellste im Stechen und fehlerfrei bis zum letzten Hindernis. Die beiden waren schon über den Sprung hinüber und Richard Vogel ballte die Siegesfaust, da fiel hinter ihm die Stange auf den heiligen Rasen. Den Sieg verloren? Nein, Platz drei gewonnen! Richard Vogels Karriere hat gerade erst begonnen. Der Europameister-Titel in La Coruña 2025 hat niemanden überrascht. Es dürfte nicht der letzte gewesen sein.
Beseelt vom Ehrgeiz, begnadet mit Talent, begeistert vom Springreiten – das ist Richard Vogel, lebender Gegenentwurf zum gängigen Gen Z-Klischee. Vogel gilt als fleißig, fokussiert, reflektiert und willensstark. Es selbst beschrieb sich ein einem Interview mit dem CHIO Aachen als „ungeduldig“, „stur“ und „eigen“.